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Balkoneinsturz in Bautzen: "Es war einfach nur furchtbar"

Neun Menschen zwischen 4 und 61 Jahren wurden verletzt, als am Donnerstagabend ein Balkon zusammenbrach. Ein Betroffener und Augenzeugen berichten.

Nachdem am späten Donnerstagabend in Bautzen ein Balkon mit neun Menschen darauf etwa drei Meter in die Tiefe gestürzt ist, wurden am Freitag die Schäden begutachtet und Spuren gesichert.
Nachdem am späten Donnerstagabend in Bautzen ein Balkon mit neun Menschen darauf etwa drei Meter in die Tiefe gestürzt ist, wurden am Freitag die Schäden begutachtet und Spuren gesichert. © xcitepress

Bautzen. Am Vormittag danach ist Robert Kschischan der Schreck noch anzusehen. Der junge Mann stützt sich seit der Nacht mit dem rechten Arm auf eine Krücke. Und ein Fuß passt nicht mehr in den Schuh. Der Fuß und das Sprunggelenk haben schwere Prellungen erlitten, als neun Menschen am Donnerstagabend gegen 20.10 Uhr in Bautzen mit dem Balkon eines Mehrfamilienhauses in die Tiefe gestürzt sind.

Zum genauen Hergang liegen der Polizei noch keine abschließenden Erkenntnisse vor. Offenbar wurde der Balkon im dritten Stockwerk während einer privaten Feier von mehreren Menschen gleichzeitig betreten, berichtet die Polizeidirektion Görlitz. „Unter der zu hohen Belastung brach der Holzbalkon in sich zusammen“, heißt es. Die Personen, die sich darauf befanden, sowie die Trümmer stürzten etwa drei Meter in die Tiefe auf den darunterliegenden Balkon des zweiten Stockwerkes. Auf diesem befanden sich zu dem Zeitpunkt keine Personen.

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Auch zwei Kinder sind verletzt

Robert Kschischan war mit auf dem Balkon des Eckhauses Paulistraße/Thomas-Mann-Straße, als das Unglück passierte. „Wir haben einen 17. Geburtstag gefeiert“, berichtet er. „Das schöne Wetter hat uns rausgelockt, einige wollten auch eine Zigarette rauchen.“ Sie standen erst zu fünft auf dem Balkon, dann kamen aus der Wohnung zwei Erwachsene und ihre zwei Kinder dazu, um sich zu verabschieden.

„Auf einmal knackte es unter uns, und dann ging alles ganz schnell“, erzählt Robert Kschischan. Ein paar Sekunden später fanden sich alle auf dem Balkon eine Etage tiefer wieder. Rettungswagen brachten die Verletzten wenig später in Krankenhäuser. Robert Kschischan und einige andere Betroffene konnten nach ambulanter Behandlung schon in der Nacht wieder nach Hause. Andere müssen noch bleiben.

Bei den Verletzten handelte es sich laut Polizei um Menschen im Alter von vier bis 61 Jahren. Ein 50-Jähriger wurde schwer verletzt. Unter den acht Leichtverletzten sind zwei Kinder. Nach bisherigen Informationen besteht keine Lebensgefahr.

Beobachter eilten sofort zu Hilfe

Neben dem Haus stehen am Freitagvormittag Tobias Herling und Andre Eckner vom Technischen Hilfswerk (THW). Sie waren nachts mit vor Ort. Sie bezweifeln, ob die Balkons noch zu retten sind. Diese stehen seit mindestens zehn Jahren. So lange wohnt jedenfalls Robert Kschischan hier. „Als wir einzogen sind, gab es die Balkons schon“, sagt er.

Eine ältere Frau hat das Unglück vom Hof des nahen Brauhauses aus miterlebt. „Auf einmal gab es einen fürchterlichen Krach und Schreie“, berichtet sie. „Das ging durch Mark und Knochen.“ Sie sah ein Kind am offenen Fenster stehen, „das hat gebrüllt, es war einfach nur furchtbar“. Besucher des Brauhauses hätten sofort zum Handy gegriffen und Hilfe gerufen. „Da hat keiner lange überlegt, und die Hilfe war dann auch ganz schnell da. Wir haben die Sirenen gehört und das Blaulicht gesehen.“

In der italienischen Taverne auf der anderen Straßenseite saß der Bautzener Heinrich Schleppers und genoss den schönen Abend. „Auf einmal gab es einen fürchterlichen Krach“, berichtet auch er. „Ich dachte zuerst, da hat jemand einen Böller gezündet. Dann sahen wir, wie an dem Haus von oben Holz runter fiel.“ Sofort hätten Gäste der Taverne den Notruf gewählt, einige seien zu dem Haus gerannt, um irgendwie zu helfen. „Es waren viele bereit zu helfen, vor allem junge Leute. Das war bei allem Unglück ein wohltuender Anblick.“

Bauaufsicht hat Unglücksstelle begutachtet

Außer der Polizei und der Berufsfeuerwehr Bautzen waren die Ortswehren Mitte, Stiebitz und Niederkaina im Einsatz, zudem der Rettungsdienst und die Schnelleinsatzgruppe des ASB. Der Bautzener Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) machte sich vor Ort ein Bild von der Lage. Beim Technischen Hilfswerk ging der Alarm gegen 21.45 Uhr ein, berichtet André Stickel von der Bautzener Ortsgruppe. „Wir haben dann eine Mobilmachung eingeleitet und sind mit 24 Leuten und zwei Einsatzzügen vor Ort gewesen.“

Sofort habe das Hilfswerk ein Gerüst hochgezogen, das für solche Fälle bereit steht. Außerdem wurde unter dem Boden des Balkons im zweiten Stockwerk ein Stützbalken eingezogen. Gegen 1.30 Uhr in der Nacht sei der Einsatz vorbei gewesen. Rettungswagen seien aus Bautzen, Löbau, Kirschau und Neukirch angerückt, berichtet der THW-Sprecher.

Am Freitagmorgen hat die städtische Bauaufsicht die Unglücksstelle begutachtet, teilt die Stadtverwaltung Bautzen mit. Dabei wurde unter anderem der bauliche Zustand dokumentiert. Der Eigentümer des Hauses sei benachrichtigt, heißt es. Laut Polizei ist die Statik des Mehrfamilienhauses nicht gefährdet. Die Balkonzugänge wurden gesichert und unzugänglich gemacht. Zur Höhe des entstandenen Schadens liegen noch keine Angaben vor.

© lausitznews.de
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© Christian Essler

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