merken
PLUS Bautzen

Bautzen: Ärger um Autowracks

Drei herrenlose Autos stehen seit Monaten auf dem Privatgelände an der Schlachthofstraße. Nun will der Besitzer des Areals dagegen vorgehen.

Der blaue Alfa Romeo steht schon Jahre am Rande des Geländes des Alten Schlachthofes in Bautzen. Der Besitzer des Areals sucht nach dem Eigentümer des Autos.
Der blaue Alfa Romeo steht schon Jahre am Rande des Geländes des Alten Schlachthofes in Bautzen. Der Besitzer des Areals sucht nach dem Eigentümer des Autos. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Bei einem Auto ist die Scheibe eingeschlagen, das andere steht ohne Reifen da. Seit Monaten – oder sind es Jahre? – stehen die beiden Wagen schon so da, am Straßenrand auf dem alten Bautzener Schlachthofgelände. Ingo Lange steht neben den Wagen auf der Straße, deutet auf ein graues Auto ohne Nummernschild. „Erst vor Kurzem“, sagt der Besitzer des Geländes, das sich zwischen der Dr.-Peter-Jordan-Straße, der Schlachthofstraße und der Straße Am Albrechtsbach erstreckt, „ist dieser dritte Wagen dazugekommen“. Der Wagen ist – wie auch die anderen beiden Autos – seit Monaten nicht bewegt worden. Insgesamt drei Autowracks sind mittlerweile auf dem Areal zusammengekommen.

„Die Straße wird wahrscheinlich als öffentliche Straße wahrgenommen“, sagt Lange, „aber sie ist Privatgelände. Ich könnte auch einfach den Zaun zu machen.“ Lange duldet die Pendler, von denen viele regelmäßig hier parken, sagt er. Er duldet auch die Autos der Anwohner, die hier stehen. Die Autowracks, die Dauerparker – die stören ihn aber. „Für mich ist das unverständlich, warum Leute auf Grundstücken, die ihnen nicht gehören, ihre Autos entsorgen“, ärgert sich Lange.

Anzeige
Bauen, Wohnen, Einrichten leicht gemacht
Bauen, Wohnen, Einrichten leicht gemacht

Ein Haus einzurichten oder den Umzug in eine neue Wohnung zu organisieren, treibt so manchem Zeitgenossen die Schweißperlen auf die Stirn.

Grundstücksbesitzer hat Autoeigentümer ermittelt

Was also tun? Keine leichte Frage. „Ich habe mich an die Polizei gewendet. Weil es sich aber um Privatgelände handelt, kann die nicht einfach aktiv werden“, erzählt Lange. Tatsächlich: „Aus unserer Sicht ist der Eigentümer des Grundstücks gefordert, notwendige Maßnahmen zu veranlassen“, sagt die Polizei. „Dieser könnte versuchen, die Halter der Fahrzeuge zu ermitteln – zum Beispiel über die Kennzeichen oder die Fahrgestellnummer.“

Die Namen der Eigentümer zweier der Wagen konnte Ingo Lange auf diesem Wege schon herausfinden. „Das eine Auto gehört einer Frau. Sie hat gesagt, sie sei lange krank gewesen und habe den Schlüssel des Autos nicht mehr. Sie will sich aber jetzt um die Entsorgung des Wagens kümmern“, sagt Ingo Lange. Das andere Auto, ein blauer Alfa Romeo ohne Nummernschild, gehört einem Computerfachmann, der angeblich in Weißnaußlitz lebt – doch das Haus des Mannes ist verlassen, erzählt Lange. „Ich weiß nicht, wie ich Kontakt zu ihm aufnehmen soll.“ Über den Eigentümer des dritten Wagens – Lange nennt das Auto „die neueste Errungenschaft“ – konnte er noch nichts herausfinden. Es handelt sich um einen grauen 3er BMW ohne Nummernschild.

Schließung der Straße als letzte Möglichkeit

Ingo Lange hofft nun auf Hinweise aus der Bevölkerung und verspricht dafür auch eine Belohnung. Im Zweifel will er gerichtlich gegen die Eigentümer der Autos vorgehen. Sollte sich die Lage nicht verbessern, will er die Verbindung durch das ehemalige Schlachthofgelände schließen. Damit will er verhindern, dass Leute illegal Müll abladen. Das sei aber nur die „Ultima Ratio“: „Ich halte das aber nicht für im Interesse der Allgemeinheit. An sich stört es ja nicht, wenn hier Leute parken. Ich hoffe, diesen Schritt umgehen zu können“, so Lange.

Aber wie steht es überhaupt um das Schlachthof-Gelände? Vor etwa fünf Jahren hat Ingo Lange das knapp 30.000 Quadratmeter große Areal gekauft. Mehrfamilienhäuser, ein Altenheim und Häuser für betreutes Wohnen, dazu Schwesternwohnungen: Er hatte große Pläne für das Areal. Getan hat sich seitdem aber nicht viel. An diesem Tag wiegen Gräser im Wind, von Baufahrzeugen keine Spur. Warum nicht?

Schlachthofgelände liegt seit Jahren brach

Die kurze Antwort ist: Lange hat noch immer kein Baurecht erworben. Die ausführlichere Antwort, zu der Lange ansetzt, handelt von vielen Anträgen, die er gestellt hat – und zu denen die Stadt immer wieder neue Anforderungen hatte, erzählt er. Eigentlich hätte er längst bauen wollen. Es gab Vorverträge mit Pflegeheim-Betreibern. Die brachliegende Fläche liegt nahe der Innenstadt, der Standort ist attraktiv. Weil aber die Genehmigungsverfahren länger dauern, als er das aus anderen Baugebieten kennt, an denen er beteiligt war, sagt er: „Ich habe das Projekt jetzt erst einmal auf Eis gelegt.“

Und was sagt die Stadt? 2016, antwortet Baubürgermeisterin Juliane Naumann, sei ein Bauantrag gestellt worden. „Dieser war nicht genehmigungsfähig.“ Seitdem habe es keine weiteren Bauanfragen gegeben, keinen Bebauungsplan – und eben auch kein Baurecht. Weiter führt die Stadt das nicht aus.

Vom Tisch sind die Pläne für Ingo Lange jedenfalls noch nicht endgültig. Zu einem späteren Zeitpunkt will er es noch einmal versuchen. Dennoch: Für ihn steht auch ein Verkauf im Raum – zumindest von Teilen des Grundstücks. Sollten sich Interessenten finden, sei er offen dafür. Zunächst einmal will er aber die Eigentümer der Autos ausfindig machen.

Mit dem kostenlosen Newsletter „Bautzen kompakt“ starten Sie immer gut informiert in den Tag. Hier können Sie sich anmelden.

Zur Anmeldung für den kostenlosen Newsletter „Kamenz kompakt“ geht es hier.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Bautzen