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Bautzen: Ärger um Trinker in der Innenstadt

Drohungen, Prügeleien, Lärm: Vor allem unterhalb des Reichenturms gibt es immer wieder Probleme. Was die Stadt jetzt vorhat.

Immer wieder gibt es in Bautzen Ärger um Trinker auf dem Korn- oder Buttermarkt. Gerade in der vergangenen Zeit haben sich die Beschwerden gehäuft.
Immer wieder gibt es in Bautzen Ärger um Trinker auf dem Korn- oder Buttermarkt. Gerade in der vergangenen Zeit haben sich die Beschwerden gehäuft. © Symbolfoto: Steffen Unger

Bautzen. Das Problem, das eine Anwohnerin aus der Bautzener Innenstadt beschäftigt, beginnt schon früh morgens – gegen sieben Uhr. Und es zieht sich bis tief in die Nacht. Sarah Helm geht es um die Trinker, die sich seit Längerem vor allem im Bereich der Bautzener Kinder- und Jugendbibliothek am Buttermarkt aufhalten. Was sie daran stört? Es geht um Lärm, um Müll wie leere Wodka-Flaschen, um Pöbeleien. „Ich arbeite in Schichten“, sagt Sarah Helm, „und die Gruppe ist spätabends noch laut, weit nach 22 Uhr.“

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Erfahrung, Wissen und ein super Team. Bis zum heutigen Erfolg war es eine lange, lehrreiche Reise, die sich nun in verschiedenen Abteilungen widerspiegelt und seinen Kunden Einrichtungs- und Wohnträume verwirklicht.

Sarah Helm heißt eigentlich anders, möchte aber ihren Namen ungern im Zusammenhang mit dem Thema in der Zeitung lesen. Als Anwohnerin muss sie öfter an den Leuten vorbeigehen – und ganz wohl ist ihr dabei nicht. Denn nicht die Musik, die sie vom Schlafen abhält, stört sie. „Es gibt immer wieder Auseinandersetzungen in der Gruppe“, berichtet sie. Szenen, die sie aus dem Fenster oder im Vorbeigehen beobachtet hat. „Mehrfach mussten Polizei und Krankenwagen kommen.“

Erst vor Kurzem sei ein Mann bei einer der Prügeleien stark verletzt worden. „Er hat stark geblutet“, erinnert sie sich. Ein anderes Mal sei einer der Männer mit einem Rad vor einem Polizisten weggefahren. Und wieder ein anderes Mal hätten die Männer plötzlich mit Glasflaschen aufeinander geworfen.

Kinder trauen sich nicht in die Bibliothek

Immer wieder säßen die Leute in dem Bereich vor der Kinder- und Jugendbibliothek. Mehrfach habe sie beobachtet, wie sie einfach an die Hauswand gepinkelt hätten. Selbst schlechtes Wetter halte die Gruppe nicht ab – sie wandere dann einfach unter den überdachten Fahrradständer.

Szenen, die auch Kristin Lehmann von der Kinder- und Jugendbibliothek seit Langem beobachtet. Teilweise brächten die Leute an diesen Tagen sogar Klappsessel mit, berichtet sie. Auch sie spricht von einem „großen Problem“. Vor allem dann, wenn deutlich wird, dass Drogen im Spiel sind. Mehrfach habe sie schon die Polizei gerufen, weil „jemand weggeklappt“ sei.

„Vor allem ein Mann fällt auf“, sagt sie. „Er schläft dann auf der Wiese, egal welches Wetter ist – völlig betrunken.“ Mehrfach habe sie außerdem beobachtet, wie die Trinker Kinder oder Jugendliche als Laufburschen dazu bewegt hätten, ihnen Alkohol zu bringen.

Unter anderem unter den Bäumen in der Nähe der Bautzener Kinder- und Jugendbibliothek halten sich die Trinker auf.
Unter anderem unter den Bäumen in der Nähe der Bautzener Kinder- und Jugendbibliothek halten sich die Trinker auf. © SZ/Uwe Soeder

Kristin Lehmann stören die Szenen auch, weil sie sich um Kinder sorgt, die allein ihre Bibliothek besuchen wollen – und vielleicht vor den Leuten Angst haben. Auch sie selbst fühle sich unwohl, wenn sie abends die Bibliothek verlasse – und allein zum Auto laufe. Ein Unwohlsein, von dem auch Sarah Helm berichtet.

Mehrfach, sagt Kristin Lehmann, habe sie schon die Stadt auf das Problem aufmerksam gemacht – oder die Polizei gerufen, wenn es denn einmal zu wild wurde. Letztere erklärt, dass ihr das Problem bekannt ist. Es handele sich dabei nicht um ein neues Phänomen. „Insbesondere Touristen, Anwohner und Gewerbetreibende fühlen sich durch diese Personen gestört“, teilt ein Polizeisprecher mit. „Einige sehen sie als Beeinträchtigung des Stadtbildes an.“ Die Gruppe der Trinker auf dem Korn- und Buttermarkt setze sich zusammen „aus Bewohnern der Bautzener Obdachlosenunterkunft, welche tagsüber verlassen werden muss“ und aus „im Stadtgebiet wohnenden Deutschen und Geflüchteten“, erklärt ein Polizeisprecher.

Viele Polizeieinsätze wegen der Gruppe

Generell sei es allerdings nicht verboten, Alkohol auf öffentlichen Plätzen zu trinken. Problematisch werde das Ganze deshalb erst, wenn auch Straftaten begangen werden. Und tatsächlich seien einige aus der Gruppe wiederholt auffällig geworden. So hätten einige Ladendiebstähle begangen. Und: Es sei bekannt, dass die Leute schon mehrfach innerhalb ihrer Gruppe Körperverletzungsdelikte begangen hätten.

Um ein paar Zahlen zu nennen: In diesem Jahr hat die Polizei im Bereich des Kornmarkts 15 Körperverletzungen, drei Bedrohungen und zweimal Widerstandshandlungen gegen Vollstreckungsbeamte registriert. Im Bereich des Buttermarktes gab es zehn Polizeieinsätze. Dreimal ging es um Körperverletzungen. „Eine Gefährdung unbeteiligter Passanten oder Touristen“, sagt der Polizeisprecher, „ist aus polizeilicher Sicht aber bislang nicht erkennbar.“

Die Polizei plane jetzt, öfter Streifen zum Bereich des Kornmarkts und auch zu weiteren Plätzen in Bautzen zu schicken. Zu dem Thema stehe man auch im Austausch mit der Stadt.

Tatsächlich sind die Trinker sogar schon Thema beim Stadtrat gewesen. In der jüngsten Sitzung hatte SPD-Fraktionschef Roland Fleischer das Thema angesprochen. Darauf hatte Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) berichtet, dass es in Bautzens Trinkerszene einen Neuzugang gebe, der besonders auffällig – und gerade erst aus der Haft entlassen worden sei. Diese Person habe bereits Kindern und Jugendlichen gedroht. „Das ist für Bautzen ein wichtiges Thema“, hatte Alexander Ahrens erklärt. Die Stadt will das Thema in den Sicherheitsrunden mit der Polizei besprechen.

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