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Täter kontaktiert Stalking-Opfer aus Gefängnis

Ein Mann aus Bautzen soll zwei Jahre lang seine Ex-Freundin bedroht und ihr nachgestellt haben. Sogar aus der U-Haft heraus.

Seit Anfang September muss sich Josef A. vor dem Bautzener Amtsgericht verantworten. Er soll seiner ehemaligen Lebensgefährtin nachgestellt und sie mehrfach geschlagen haben.
Seit Anfang September muss sich Josef A. vor dem Bautzener Amtsgericht verantworten. Er soll seiner ehemaligen Lebensgefährtin nachgestellt und sie mehrfach geschlagen haben. © Archivfoto: SZ

Bautzen. Als der Angeklagte Josef A. den Gerichtssaal betritt, schimpft er laut. „Du darfst mich nicht fotografieren, du Penner“, sagt er zu einem Presse-Fotografen. Es ist die typische Art des Mannes, der zwei Jahre lang seiner Ex-Freundin nachgestellt haben soll und sich deswegen seit Anfang September vor dem Amtsgericht Bautzen verantworten muss.

Auch in der Verhandlung am Freitag unterbricht der 40-jährige Autohändler aus Bautzen immer wieder den Richter, die Staatsanwältin und die Anwältin der Nebenklage. „Wenn ich eines nicht leiden kann, dann ist es, wenn Sie hier immer so herum proleten“, sagt schließlich der Richter. „Immer wieder unterbrechen Sie mich. So langsam müssen Sie sich an die Regeln vor Gericht halten.“

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Kein Handy in der Zelle gefunden

Bereits zum Prozessauftakt hatte Josef A. dieses Verhalten an den Tag gelegt. Er fühlt sich vom Gericht nicht fair behandelt. Immer wieder redet er von entlastenden Akten, die aber unterschlagen worden seien. Dabei sind sich sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung über viele Punkte der Anklageschrift einig. So soll Josef A. gegen Anordnungen nach dem Gewaltschutzgesetz verstoßen haben. Mehrfach soll er sich seiner Ex-Freundin Alice Hartmann genähert, ihren Kontakt gesucht und ihr zahlreiche Nachrichten, die größtenteils unbeantwortet blieben, geschrieben haben.

Selbst in der Untersuchungshaft soll er sich nicht an das Kontaktverbot gehalten haben. Mehrfach habe er sie über ein Fake-Profil auf Facebook von der Untersuchungshaft in Görlitz aus angeschrieben. Es sei aufgrund des Satzbaus und der Inhalte der Nachrichten eindeutig, dass dahinter der Angeklagte stecke.

Dennoch wurde bei einer Untersuchung der Zelle von Josef A. kein Handy gefunden. Das kann vor allem die Staatsanwaltschaft nicht verstehen. „Ich weiß nicht, warum es nicht möglich ist, ein Handy im Gefängnis sicherzustellen“, sagt die Staatsanwältin. Doch weil diese Tat bei der ohnehin langen Anklageschrift sich nicht aufs Strafmaß auswirken würde, wurde sie nicht weiter untersucht.

Angeklagter soll Ex-Freundin auch sexuell genötigt haben

Ex-Freundin Alice Hartmann, die im Prozess als Nebenklägerin auftritt, ist am Freitag nicht anwesend. „Sie befindet sich derzeit in Quarantäne“, gibt ihre Anwältin Gesa Israel zu Protokoll. 

Josef A. soll sie mehrfach so sehr verprügelt haben, dass sie ins Krankenhaus oder zum Arzt musste. Auch einen anderen Mann, der sich mit Alice Hartmann getroffen hat, soll er geschlagen haben. Josef A. ist deswegen in mehreren Fällen der Körperverletzung angeklagt. Auch soll er Alice Hartmann sexuell genötigt haben. In einem Fall soll er sie gepackt, dabei auf den Mund geküsst und ihr gesagt haben: „Ich wollte schmecken, ob du einen anderen Schwanz im Mund gehabt hast.“

Der Angeklagte bestreitet diese Tat. Generell zieht er in der Verhandlung am Freitag die Aussagen von Alice Hartmann immer wieder in Zweifel. „Warum hat sie mir immer wieder die Tür aufgemacht und mich empfangen, obwohl ich sie doch so oft geschlagen haben soll?“, fragt er in seinem Schlussplädoyer.

Urteil soll in einer Woche fallen

Uneinigkeit herrscht noch über die Frage, ob der Angeklagte und Alice Hartmann zum Zeitpunkt der Taten noch ein Liebespaar waren. So spricht die Verteidigung in ihrem Plädoyer von einer italienischen Beziehung, in der es eben auch einmal laut wird, dann aber auch wieder ruhig. Nicht nur der Angeklagte habe Kontakt zu Alice Hartmann gesucht. So ist die Rede von einem Brief, denn das Stalking-Opfer an Josef A. geschickt haben soll.

Die Staatsanwaltschaft sowie die Nebenklage stellen dagegen heraus, dass Alice Hartmann fast nie auf die Nachrichten des Angeklagten reagiert habe. Und wenn, dann habe sie sehr eindeutig zurückgeschrieben, dass er sie in Ruhe lassen soll. „Frau Hartmann hat immer wieder versucht, die Paarbeziehung zu beenden“, sagt die Staatsanwältin. Dabei habe sie sich nicht immer geschickt verhalten, aber „sie wollte einen geordneten Umgang mit dem Angeklagten“. Josef A. dagegen habe ein „machohaftes Verhalten gezeigt“.

Ein psychiatrisches Gutachten, was belegen sollte, dass der Angeklagte tatsächlich krankhaft eifersüchtig ist, wie er selbst behauptet, wurde im Vorfeld der Verhandlung abgelehnt. Dieses Gutachten hätte sich auf die Schuldfähigkeit des Angeklagten auswirken können. Dazu sagt die Staatsanwältin: „Jeder Straftäter müsste dann eine Schuldminderung bekommen, da die Taten alle krankhaft sind.“

Am Freitag, dem 20. November, soll das Urteil verkündet werden.

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