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Wenzelsmarkt: Bautzen leistet sich Luxushütte

Die Stadt will den Weihnachtsmarkt aufwerten – und für 35.000 Euro eine Märchenhütte errichten lassen. Ein umstrittenes Projekt.

Bautzens Wenzelsmarkt soll eine neue Märchenhütte bekommen. Die sorgte im Finanzausschuss des Stadtrates für eine Kontroverse.
Bautzens Wenzelsmarkt soll eine neue Märchenhütte bekommen. Die sorgte im Finanzausschuss des Stadtrates für eine Kontroverse. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Angesichts der sommerlichen Temperaturen gerade denken viele Bautzener sicher an den Stausee, den Sommerurlaub, an Wandern im Oberlausitzer Bergland oder ähnliches. Woran die meisten sicher gerade eher weniger denken, ist der Wenzelsmarkt. Jener hat aber am Dienstagabend dieser Woche im Finanzausschuss des Bautzener Stadtrats für Debatten gesagt. Genaugenommen eine Hütte, die die Stadt dort errichten möchte.

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Schon lange hat die Stadt vor, den Wenzelsmarkt auszubauen. Bei dem Projekt, das Katarzyna Kudzewicz vom Bautzener Kulturamt jetzt vorgestellt hat, handelt es sich um eine Märchenhütte. Aufgestellt werden soll sie auf dem Hauptmarkt. Ihre Gestaltung soll an die der Alten Wasserkunst angelehnt sein. Etwa 25 Leute sollen darin Platz finden. Sie soll zwölfeckig gebaut werden, in der Mitte eine Grillanlage haben.

So könnte Bautzens neue Märchenhütte laut erster Skizzen aussehen.
So könnte Bautzens neue Märchenhütte laut erster Skizzen aussehen. © Sabine Veit
Innen soll Platz für Märchenabende und Puppelspiel sein.
Innen soll Platz für Märchenabende und Puppelspiel sein. © Sabine Veit
In der Mitte der Hütte soll es einen Grill im skandinavischen Stil geben.
In der Mitte der Hütte soll es einen Grill im skandinavischen Stil geben. © Sabine Veit

In der Hütte möchte die Stadt Veranstaltungen stattfinden lassen. Plätzchenbacken für Familien, Puppenspiele und Weihnachtsliedersingen für Kinder, Märchen-Lesungen. Vieles, was sonst im Rathaus stattgefunden hat, könnte künftig in der Hütte durchgeführt werden. Und: Vereine oder Firmen sollen sie mieten können, beispielsweise für Weihnachtsfeiern.

Soweit so zauberhaft. Doch einen Knackpunkt an der Sache gibt es, und der sorgte im Finanzausschuss für Diskussionen. Gemeint ist die Summe, die die Hütte kosten soll. Mit 35.000 Euro ist das Projekt veranschlagt. Und dabei wird es wohl nicht bleiben: Für Bewirtschaftung, Betreibung und Unterhaltung der Hütte rechnet die Stadt mit etwa 9.000 Euro. Im Gegenzug geht sie von Einnahmen aus Eintritt und Vermietungen von etwa 6.500 Euro aus.

Stadträte skeptisch: neue Hütte trotz Haushaltsdefizit?

Zwar hatte die Stadtverwaltung sich schon vorher Gedanken gemacht, woher das Geld kommen könnte. Finanzieren will sie das Projekt mit dem Geld, das eigentlich für den Bautzener Frühling vorgesehen war – der aber wegen Corona abgesagt worden ist. Dennoch: „Als ich den Beschlussvorschlag gelesen habe, habe ich gedacht, ich bin im Märchen“, platzte es aus AfD-Stadtrat Udo Pillasch heraus. „Wir haben die Problematik, dass wir in der Stadtkasse kein Geld haben. Wir sollen helfen, Gelder einzusparen, die Ausgaben zu minimieren“, sagte er. Er meint damit das Defizit, das derzeit im Bautzener Haushalt besteht. Insgesamt geht es um eine Lücke von etwa 3,4 Millionen Euro.

Pillasch schlug vor, das Projekt erst einmal mit einer kostengünstigeren Jurte zu testen – bevor so viel Geld „für etwas ausgegeben wird, wo ein Geld-Verbrennen nicht ausgeschlossen ist“. Sein Fraktionskollege Sieghard Albert pflichtete ihm bei. „Es wird sicher in diesem Jahr keinen Wenzelsmarkt geben“, zeigte er sich überzeugt, mit Blick auf Corona. „Wenn ab Herbst alles zu ist, können wir die Hütte nicht nutzen.“

Der fraktionslose CDU-Stadtrat Dirk Lübke fragte, ob die Stadt sich für das Projekt nicht um Sponsoren bemühen könnte. Auch Steffen Tech vom Bautzener Bürgerbündnis verkündete Bedenken in Bezug auf die Finanzen der Stadt. Er fragte, ob man eine solche Hütte nicht erst einmal für einen Probelauf mieten könne – um herauszufinden, ob so etwas überhaupt angenommen wird.

OB: "Projekt wichtig für Familienfreundlichkeit"

Selbst die Verwaltung zeigte sich uneins. So gab der Finanzbürgermeister den Stadträten recht, dass die Stadt derzeit nun mal konsolidieren müsse. Um ein Projekt umzusetzen, müsse es schon ein dringendes sein.

Worte, die Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) missfielen. „Auch freiwillige Leistungen sind dringend“, erklärte er. Er wolle jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken, trotz der schwierigen Situation. Er gehe sehr wohl davon aus, dass auch im Herbst in Bautzen noch etwas zu erleben sei. „Bautzen wirbt damit, familienfreundlich zu sein“, sagte er. Da seien Projekte wie diese wichtig. „Wir müssen nach vorne blicken“, erklärte auch Roland Fleischer von der SPD.

Ein Argument, das offensichtlich zog – denn am Ende stimmten bis auf die AfD alle anwesenden Stadträte für das Projekt. Von den beiden AfD-Räten enthielt sich einer, der andere votierte gegen die Hütte. Damit ist beschlossen: Bautzen bekommt eine Märchenhütte für den Wenzelsmarkt.

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