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Bautzen: Bürger gegen den Bau der Südumfahrung

Anwohner in Grubschütz lehnen die Pläne wegen der Eingriffe in die Natur des Spreetals ab. Aber auch an anderer Stelle formiert sich Protest.

Andreas Beesdo und Anne Pawolski sorgen sich um das Spreetal. Sollte der zweite Bauabschnitt der Bautzener Südumfahrung gebaut werden, müsste etwa in diesem Bereich eine Brücke errichtet werden.
Andreas Beesdo und Anne Pawolski sorgen sich um das Spreetal. Sollte der zweite Bauabschnitt der Bautzener Südumfahrung gebaut werden, müsste etwa in diesem Bereich eine Brücke errichtet werden. © Steffen Unger

Bautzen. Die Sonne bahnt sich ihren Weg durch die Äste der Bäume, eine Ente platscht durch das Wasser. Überall in den Baumkronen zwitschert es an diesem Morgen im Spreetal in Grubschütz. Ja, fast laut ist es, wenn man einen kurzen Moment innehält und dem Treiben der Natur lauscht. „Ich gehe hier jeden Tag mit dem Hund entlang“, sagt Anne Pawolski. „Und ich finde immer wieder etwas Neues. Die Wildbienen, die in einem alten Baum wohnen, eine Blindschleiche, Vögel“, zählt sie auf. „Das ist intakte Natur hier.“

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Gemeinsam mit Andreas Beesdo, der ebenfalls in Grubschütz wohnt, läuft sie durch das Spreetal. Das Anliegen der beiden ist jedoch weniger idyllisch. Sie sorgen sich, dass die Natur hier schon bald zerstört wird. Denn die Planungen für den zweiten Bauabschnitt der Bautzener Südumfahrung nehmen konkretere Konturen an. Die Vorplanungen sind mittlerweile abgeschlossen. Zwei Trassen stehen zur Auswahl: Eine führt von der Neukircher Straße bis zur B 96 bei Ebendörfel, eine neuere Variante verläuft näher an Bautzen, sie könnte in Oberkaina auf der B 96 ankommen.

Viel näher zur Stadt Bautzen als ursprünglich geplant könnte der zweite Abschnitt der Südumfahrung verlaufen.
Viel näher zur Stadt Bautzen als ursprünglich geplant könnte der zweite Abschnitt der Südumfahrung verlaufen. © SZ Grafik

Welche Trasse es auch wird – gemeinsam haben beide Varianten eines: Eine Brücke müsste über das Spreetal gebaut werden, und zwar in etwa dort, wo Anne Pawolski und Andreas Beesdo gerade spazieren gehen. Etwas, womit sich die beiden nicht einfach so zufriedengeben wollen. Sie engagieren sich in einer Bürgerinitiative gegen den Bau der Straße.

„Es ist doch Wahnsinn, was man hier gerade hört und sieht“, sagt Andreas Beesdo. Er meint die Bäume, die Tiere. „Wenn hier“, sagt er und deutet in die Luft über der Spree, „eine Brücke entlangführen würde, dann würden wir nur noch Rauschen hören – und das Klappern der Lager, wenn die Autos über die Brücke fahren.“ Ein „wahnsinniger Einschnitt in die Natur“ wäre das, sagt er. „Die Vögel wären dann ganz sicher nicht mehr zu hören.“

Im Spreetal leben Biber und Fledermäuse

Anne Pawolski und Andreas Beesdo berichten von vielen Tieren, die in dem Tal leben – teils geschützte Arten. „Acht Fledermausarten gibt es hier“, sagt Anne Pawolski, sie hat ein entsprechendes Gutachten dabei. „Es gibt hier auch Eisvögel und Biber.“

Andreas Beesdo zeigt Pläne, die das mögliche Ausmaß einer solchen Brücke darstellen. Fünf Pfeiler würden die Straße dann tragen. „Und es müsste wohl auch ein Damm aufgeschüttet werden, um die Unebenheiten auszugleichen“, sagt Beesdo. „Immer wieder heißt es, wir müssen mehr für die Natur tun – es gibt Fördermittel für Projekte, die das unterstützen“, sagt Anne Pawolski, „und hier wollen wir sie kaputtmachen.“

Hier an der Neukircher Straße endet der erste Abschnitt der Bautzener Südumfahrung, der 2007 freigegeben wurde. Von hier soll der zweite Abschnitt bis zu B 96 führen.
Hier an der Neukircher Straße endet der erste Abschnitt der Bautzener Südumfahrung, der 2007 freigegeben wurde. Von hier soll der zweite Abschnitt bis zu B 96 führen. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Und noch aus einem anderen Grund ärgern sich die beiden über die Pläne: „Die Straße soll die Bautzener Innenstadt, zum Beispiel die Westtangente, entlasten“, sagt Anne Pawolski, „aber die wird ja jetzt schon weniger befahren als prognostiziert.“

Konkrete Fragen zum Projekt beantwortet das Landesamt für Straßenbau und Verkehr noch nicht. Doch Prognosen legen nahe - davon erzählt Anne Pawolski, und die Pläne liegen Sächsische.de vor -, dass der Verkehr auch ohne den Bau der Südumfahrung weiter abnehmen wird.

Die Grubschützer sind nicht die einzigen, die sich gegen den Bau der Straße auflehnen. Auch in Oberkaina machen sich Anwohner Gedanken. Allerdings sind die Bewohner des Bautzener Ortsteils nicht gegen die Straße an sich, sondern vor allem gegen den stadtnahen Trassenverlauf. Enrico Schiller aus Oberkaina hatte deshalb bereits mit anderen Anwohnerinnen und Anwohnern Kontakt. „Mehr als 30 Leute“, berichtet er, „haben sich nach einem Rundschreiben gemeldet.“

Auch in Oberkaina formiert sich Protest

Er und die anderen Oberkainaer befürchten, dass durch die stadtnahe Südumfahrung mehr Autos und auch Lastwagen durch den Ortsteil fahren. „Vor allem für Kinder wird es dann schwerer, die Straße zu überqueren“, vermutet Schiller. „Wenn die Südumfahrung nach Ebendörfel führt, könnte sie den Verkehr in Oberkaina senken“, sagt er. Tatsächlich geht auch das aus Prognosen des Landesamts für Straßenbau und Verkehr hervor, die Sächsische.de vorliegen.

Enrico Schiller und einige andere aus Oberkaina planen deshalb eine Unterschriftenaktion. Und Schiller hat sich auch an den Bautzener Oberbürgermeister und den Stadtrat gewendet - mit dem Wunsch, dass sich die Stadt für die stadtfernere Trasse einsetzt.

Bautzener OB will stadtnahe Variante der Südumfahrung

Tatsächlich hat Bautzens OB Alexander Ahrens (SPD) das aber eher nicht vor. Er setzt sich schon länger für die Südumfahrung ein - und zwar für die stadtnähere Trasse. Es geht ihm vor allem darum, das geplante neue Gewerbegebiet Süd anzubinden. „Gerade die im Spreetal wohnhaften Bürger sehen die Südumfahrung mit großer Skepsis“, sagt Alexander Ahrens, „die Sorgen sind verständlich.“ Er sehe aber den „großen Nutzen für die Stadt Bautzen sowie die Oberland-Kommunen“, den die Straße haben könnte. Er meint: „Für die Stadt und die umliegenden Kommunen würde die Südumfahrung eine enorme Verkehrsentlastung bringen.“

In der jüngsten Stadtratssitzung hatte Ahrens allerdings mitgeteilt, er habe erfahren, dass die Planungen für den zweiten Bauabschnitt der Südumfahrung zurückgestellt werden könnten. Nähere Infos seien Ende des Jahres zu erwarten. Ob das tatsächlich so ist, dazu gibt das sächsische Verkehrsministerium keine Auskunft. „Der zweite Bauabschnitt der Bautzener Südumfahrung ist Teil des Landesverkehrsplanes“, teilt eine Sprecherin nur mit, „und gehört damit zu insgesamt 25 Neubauvorhaben, die bis 2030 realisiert werden sollen.“

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