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Bautzen: Drei von vier Radlern fühlen sich gefährdet

Der Fahrradklimatest bescheinigt der Stadt ein dürftiges Ergebnis. Das sind die größten Probleme.

Wenn der Radweg einfach endet, trägt das nicht zum Sicherheitsgefühl für Radfahrer bei. Der Fahrradklimatest bescheinigt Bautzen einige Problempunkte.
Wenn der Radweg einfach endet, trägt das nicht zum Sicherheitsgefühl für Radfahrer bei. Der Fahrradklimatest bescheinigt Bautzen einige Problempunkte. © Symbolfoto: Steffen Unger

Bautzen. Sie werden zu knapp überholt, müssen abrupt bremsen, oder ein Schneeberg liegt im Weg: Wer in Bautzen lieber mit dem Rad unterwegs ist als mit dem Auto, hat immer wieder mit Widrigkeiten zu kämpfen. Am Dienstag sind die Ergebnisse des neuen Fahrradklimatests vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) veröffentlicht worden. 275 Bautzener haben teilgenommen – und bescheinigen der Stadt ein dürftiges Radfahrklima. 69 Prozent der Befragten gaben an, sich beim Radfahren gefährdet zu fühlen. Ein Blick auf die größten Knackpunkte für Bautzener Radler.

Viele Radwege zu schmal

Ein Großteil der Befragten – nämlich 79 Prozent – kritisieren in Bautzen zu schmale Radwege. Die Frage danach hat – in Schulnoten ausgedrückt – im Vergleich mit den anderen Fragen eine der schlechtesten Noten erhalten, nämlich eine 4,6. „Viele Radfahrstreifen in Bautzen haben nur die Minimalbreite“, erklärt Martin Ritscher, Sprecher des Bautzener Ablegers des ADFC. Besonders eng sei es zum Beispiel in der Jordan- und in der Tzschirnerstraße. „Das Problem ist“, erklärt er, „dass sich Autofahrer oft an der Linie auf der Straße orientieren und auch entsprechend dicht am Radfahrer vorbeifahren.“ Tatsächlich entspreche das aber nicht dem Mindest-Schutzabstand, den ein Auto zum Radfahrer halten muss – dafür muss es einen Bogen fahren. Vor allem ältere Leute fühlten sich dann besonders unsicher, sagt er.

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Radwege im Winter vernachlässigt

Ebenfalls sehr schlecht bewerten die Bautzener mit einer 4,5 den Winterdienst auf Radwegen. „Der Schnee wird immer wieder vom Fußweg oder von der Straße auf den Radweg gedrückt“, sagt Martin Ritscher. Ein Beispiel sei der Radstreifen auf der Wallstraße, der im Winter quasi verschwinde. „Da müssen Radfahrer dann auf der Straße fahren.“ Und auch auf der Friedensbrücke gebe es immer wieder Schwierigkeiten durch Schneehaufen. „Wenn der Untergrund ständig zwischen gestreut, Glatteis und Schnee wechselt“, sagt Martin Ritscher, „ist es schwer, den Boden richtig einzuschätzen.“ Es bestehe Unfallgefahr – auch deshalb, weil Radfahrer im Zweifel auf die Straße wechseln müssen und dabei von Autofahrern übersehen werden können.

Rad-Mitnahme im Nahverkehr zu teuer

Die Angst vor Unfällen ist nicht das einzige, was die Befragten bemängeln. Mit einer 4,7 bewerten sie auch die Möglichkeit, Fahrräder im Öffentlichen Nahverkehr mitnehmen zu können, als schlecht. Genaugenommen fast eine ganze Schulnote schlechter als im gesamtsächsischen Schnitt. Woran das liegt, ist Martin Ritscher klar: „Im VVO können Fahrgäste mit Zeitkarte ihr Rad kostenlos mitnehmen“, sagt er. „Im Zvon ist das anders.“ Es wäre zwar schön, findet er, wenn sich das ändert – das sei aber nicht das dringendste Problem.

Mangel an Abstellmöglichkeiten

Radwege breiter machen, wo doch die Straße nur begrenzten Raum hergibt – das ist nicht so einfach. Eine Sache, die sich hingegen leichter verbessern ließe, ist die der Abstellmöglichkeiten für Fahrräder in Bautzen. Denn die Frage danach benoteten die Bautzener mit einer Vier. „Am Bautzener Bahnhof geht es sogar noch – da gibt es einen Unterstand und eine Fahrradgarage“, so Martin Ritscher. „Am Dresdener Bahnhof sieht es schlechter aus.“ Dennoch könnte auch in Bautzen mehr getan werden – zum Beispiel vor Supermärkten, so Ritscher.

Wo Bautzen gut abschneidet

Es gibt auch Kategorien, in denen die Stadt punkten kann. Vor allem eine: Bautzen hat vor ein paar Jahren seine Einbahnstraßen für Radfahrer in die Gegenrichtung geöffnet. „Das honorieren die Radfahrer“, sagt Martin Ritscher. Hier benoten die Befragten die Stadt mit einer 2,1 – der Sachsendurchschnitt liegt bei 3,4. Außerdem freuen sich Bautzens Radler über die gute Erreichbarkeit des Stadtzentrums und darüber, dass sie in Bautzen zügig fahren können.

Das Fazit: Was der ADFC fordert

Der ADFC wünscht sich, dass das Fahrradfahren mehr in den Fokus rückt. „Dass sich so viele Radfahrer in Bautzen so unsicher fühlen, muss besser werden“, sagt Martin Ritscher. Sein Fokus liege dabei auch auf Älteren. „Es kann nicht sein, dass jemand, der kein Auto hat und deshalb mit dem Rad unterwegs ist, beim Fahren Angst haben muss“, sagt er. Generell wünsche er sich ein mutigeres Denken der Stadt. Was, zum Beispiel, wenn die Paulistraße zu einer reinen Fahrradstraße würde? Dennoch: Einiges habe sich getan, betont Ritscher. Da seien eben nicht nur die geöffneten Einbahnstraßen. Auch, die Radfahr-Ampeln am Postplatz seien ein Schritt in die richtige Richtung.

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