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Droht Bautzen die Corona-Pleitewelle?

Bisher hält sich in Bautzen das Geschäfte- und Kneipensterben infolge der Corona-Pandemie in Grenzen - doch das könnte sich noch ändern.

Häufen sich infolge von Corona jetzt die leeren Schaufenster wie hier von ehemals Sympatico im Bautzener Kornmarkt-Center?
Häufen sich infolge von Corona jetzt die leeren Schaufenster wie hier von ehemals Sympatico im Bautzener Kornmarkt-Center? © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Es wird von Tag zu Tag wieder voller im Bautzener Kornmarkt-Center. Mehr und mehr Kunden strömen durch das größte Einkaufszentrum der Region. Die "Fressmeile" und einige Geschäfte wie Apollo-Optik oder die Drogerie Rossmann hatten auch während der gesamten Corona-Zeit geöffnet. Jetzt machen nach und nach alle anderen Läden wieder auf.

Alle? Nein, fast alle, sagt Center-Manager Christian Polkow. Fünf der 60 Läden stehen leer: der ehemalige Käsestand, die Bäckerei Emil Reimann im Obergeschoss sowie der Schmuckanbieter Imago und die Modegeschäfte Garcia und Sympatico. In drei Fällen - bei Garcia, Imago und Reimann - sind laut Polkow im vergangenen Jahr die Mietverträge ausgelaufen. Sympatico ist insolvent und hat sich nicht nur von der Bautzener Filiale verabschiedet. Und eine geplante Nachvermietung des 2020 geschlossenen Käsestandes hat noch nicht geklappt.

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"Mit Sicherheit hat auch Corona bei den Schließungen eine Rolle gespielt", ahnt Polkow. Sympatico, ansässig in Lichtenau bei Chemnitz, hatte schon im Herbst mitgeteilt, die Umsatzeinbußen durch die Pandemie nicht länger verkraften zu können. Emil Reimann hatte seine Filiale im Kornmarkt-Center nach der Zwangspause im vergangenen Jahr zwar wieder geöffnet, den auslaufenden Mietvertrag aber dann nicht verlängert.

Center-Chef hofft auf zügige weitere Lockerungen

Der Center-Manager will "nicht ausschließen, dass in den kommenden Monaten und Jahren es noch zu weiteren Geschäftsaufgaben im Center kommt. Am wichtigsten ist aktuell, dass sich die Marktlage stabilisiert, dass die noch geltenden Beschränkungen wie die Testpflicht wegfallen und dass es dann mittel- und langfristig zu keinen Lockdowns mit Schließung des Einzelhandels mehr kommt." Bei einer dauerhaften Stabilisierung ist er optimistisch, dass die allermeisten Geschäfte im Center die Krise überstehen "und wir auch schon innerhalb der nächsten zwölf Monate wieder sinnvolle Nachvermietungen realisieren können".

Außer den fünf geschlossenen Geschäften im Center sind in Bautzen vereinzelt Läden von der Bildfläche verschwunden. Ein großes Ladensterben hat bisher aber nicht eingesetzt. Dem Handelsverband Sachsen sind noch keine Beispiele bekannt, dass Geschäfte in der Spreestadt wegen Corona aufgaben.

Zahl der Abmeldungen von Gewerbe nicht gestiegen

Sabine Gotscha-Schock, die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft, kennt keine Handwerksbetriebe, die Corona zum Opfer fielen. Und in der aktuellen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Dresden heißt es nur, dass Unternehmer in der Oberlausitz etwas pessimistischer sind als ihre Kollegen in der Landeshauptstadt, in Meißen oder Pirna - aber das waren sie auch schon vor Corona.

An der Zahl der An- und Abmeldungen von Gewerbe in der Kreisstadt lässt sich ebenfalls kein besorgniserregender Trend ablesen. In den ersten fünf Monaten des Vorjahres wurden in Bautzen 99 Gewerbeanmeldungen registriert, von Januar bis Mai 2021 nur sieben weniger. Die Zahl der Abmeldungen blieb mit 81 gleich. Stadtsprecher Markus Gießler kann nicht mit Sicherheit sagen, ob die Abmeldungen auch immer unbedingt auf Corona zurückzuführen sind: "Wenn jemand sein Gewerbe wegen fehlender Rentabilität abmeldet, lässt das keinen sicheren Schluss auf die Pandemie zu."

Kellner und Köche suchen sich andere Jobs

Bislang kein Kneipensterben in Bautzen verzeichnet der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga. Doch das kann noch kommen, ahnt Philipp Haupt, Juniorchef des Gasthauses "Lusatia" an der Löbauer Straße. Schon vor Corona hätten viele Gastronomen kaum noch ausgebildetes Personal gefunden. "Arbeit am Wochenende und abends ist nicht jedermanns Sache, das wollen viele nicht mehr machen", weiß der 31-Jährige.

Die Krise habe den Mangel an Personal noch verstärkt, erläutert Haupt. Im vergangenen und in diesem Jahr hätten die Gaststätten insgesamt zehn Monate lang nur Essen zum Mitnehmen anbieten können. Das lässt sich mit weniger Mitarbeitern stemmen, als wenn die Gaststuben voller Gäste säßen. Die Folge: Zahlreiche Köche und Kellner mussten in Kurzarbeit gehen. "In dieser Zeit haben sich viele einen anderen Job gesucht", erklärt Haupt. "Und wer dann dort einmal Gefallen gefunden hat, kehrt in der Regel nicht in die Gastronomie zurück."

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Die "Lusatia" habe auf diese Weise zwar noch keinen Koch oder Kellner verloren, doch der Juniorchef kennt andere Gastronomen, denen es so geht. Ein Wirt, der namentlich nicht genannt sein will, kürzt deshalb jetzt seine Öffnungszeiten: Er hat nur noch Personal für Freitag bis Montag. Dienstag bis Donnerstag bleibt sein Lokal zu. Philipp Haupt ahnt: "So makaber das klingt - aber es kommt noch soweit, dass sich der eine Gastronom über das Aus des Anderen freut, weil er dann vielleicht dessen Personal übernehmen kann."

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