merken
PLUS Bautzen

Ein Gewerbegrundstück – zwei Interessenten

Sowohl die Bautzener Firma Hentschke als auch ein Unternehmen aus Dresden wollen eine Fläche in Bautzen kaufen. Das sorgte für Debatten im Finanzausschuss.

Im Industriegebiet Nord in Bautzen gibt es ein freies Gewerbegrundstück - zwei Firmen wollen es haben.
Im Industriegebiet Nord in Bautzen gibt es ein freies Gewerbegrundstück - zwei Firmen wollen es haben. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Etwa 7.000 Quadratmeter ist die Fläche groß, die derzeit im Bautzener Industriegebiet Nord freisteht. Die Stadt will das Gelände verkaufen, etwa 57.000 Euro soll es kosten. Am Dienstagabend sollte der Finanzausschuss des Bautzener Stadtrates die Sache dingfest machen, dem Verkauf zustimmen. Soweit, so gut. Das Problem: Gleich zwei Firmen interessieren sich für die Fläche.

Da ist zum einen die Firma Hentschke, die ihren Sitz bereits in Bautzen hat – und ihr Firmenareal vergrößern möchte. Das Unternehmen will auf der Fläche Parkplätze anlegen, unter anderem für das neue Bildungszentrum für die betriebseigene Lehrlingsausbildung, das das Unternehmen auf einem anderen Grundstück in dem Industriegebiet errichten will.

Anzeige
Spaß und Nervenkitzel pur
Spaß und Nervenkitzel pur

Im Laserland Dresden können auch Erwachsene mal wieder Kind sein: Ein einzigartiges Erlebnis für Kollegen, Freunde und Familie und ideales Geschenk!

Da ist aber auch noch eine andere Firma, die das Areal gerne kaufen möchte: Die Firma ABG Anlagen-, Bau- und Betriebsgesellschaft mbH Dresden. Die Firma mit derzeit 31 Angestellten produziert wasserbauliche Anlagen, ist 2015 gegründet worden – und will ihren Sitz nach Bautzen verlagern, teilte die Stadtverwaltung bei der Finanzausschuss-Sitzung mit. In dem Gewerbegebiet in Bautzen will die Firma im kommenden Jahr ein Verwaltungsgebäude mit integrierter Lagerhalle errichten.

Stadträte wollen Bautzener Unternehmen nicht die Erweiterung verwehren

Zu Beginn habe es sogar noch zwei weitere Interessenten gegeben – die seien aber mittlerweile vom Kaufinteresse zurückgetreten. Die Fläche, um die es geht, ist das einzige freie Gewerbegrundstück im Industriegebiet Nord, teilt die Stadt mit. Die neue Firma haben speziell für diese Fläche ihr Interesse bekundet.

Die Entscheidung, welche Firma sich nun ansiedeln darf, sorgte für Debatten im Finanzausschuss. „Wir wollen einer Bautzener Firma nicht die Erweiterung verwehren“, sagte Steffen Tech, Fraktionschef des Bautzener Bürgerbündnisses. Seiner Fraktion gehört auch Jörg Drews, Geschäftsführer der Firma Hentschke, an. „Wir wollen aber natürlich auch eine neue Firma nicht ablehnen“, so Tech.

AfD nennt Brandanschlag als Grund, für Hentschke zu stimmen

Zu Wort meldete sich auch Sieghard Albert, Fraktionschef der AfD. Er erklärte: „Die Firma Hentschke Bau hat viel Schaden durch linken Terror erlitten.“ Es sei „logisch, dass die Firma ein abgeschlossenes Grundstück für ihre Fahrzeuge haben will“. Albert spielt damit auf mehrere Brandanschläge an, die auf die Bautzener Baufirma verübt worden sind. So brannte zum Beispiel im September in Leipzig ein Bagger der Firma. Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) erklärte, von einem politisch motivierten Brandanschlag auszugehen. Im November vor einem Jahr brannten Hentschke-Fahrzeuge in Bautzen. „Wenn es das letzte freie Grundstück ist, ist die Firma Hentschke für uns die erste Wahl“, teilte Albert mit.

Andere Stadträte sprachen sich für die Dresdener Firma aus. "Die Anschläge in diese Debatte mit einzubeziehen, halte ich für falsch“, erklärte SPD-Fraktionschef Roland Fleischer. „Eine Neuansiedlung, die mit Arbeitsplätzen verbunden ist, klingt erst einmal wichtiger als Parkplätze“, sagte er. Auch der seit Kurzem fraktionslose Dirk Lübke sah das so – und schlug, wie auch Fleischer, vor, zu prüfen, ob für die Parkplätze der Firma Hentschke nicht auch eine andere Fläche gefunden werden könne. „Vielleicht ist es auch möglich, die Firma aus Dresden für ein anderes Gewerbegrundstück zu begeistern“, sagte Steffen Tech. „Das Problem ist: Die Signalwirkung in Richtung der Dresdener Firma à la ‚wir wollen dich nicht‘ ist schlecht“, befand er.

Die Mitglieder des Finanzausschusses – mit Ausnahme der AfD - sprachen sich dafür aus, die Entscheidung zu vertagen. Die Stadt soll nun noch einmal die Alternativen für beide Unternehmen prüfen. Eine Entscheidung soll dann bei der nächsten Sitzung des Ausschusses fallen. 

Mit dem kostenlosen Newsletter „Bautzen kompakt“ starten Sie immer gut informiert in den Tag. Hier können Sie sich anmelden.

Zum kostenlosen Newsletter „Kamenz kompakt“ geht es hier.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Bautzen