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Bautzen: Neue Idee für eine Rodelbahn

Seit Tagen wird in der Stadt über einen Vorschlag der FDP debattiert. Jetzt hat sich auch ein CDU-Stadtrat zu Wort gemeldet - mit einer Kindheitserinnerung.

FDP-Stadtrat Mike Hauschild wünscht sich in Bautzen einen Rodelberg auf Porsches Wiesen. Ein CDU-Stadtrat macht einen anderen Vorschlag.
FDP-Stadtrat Mike Hauschild wünscht sich in Bautzen einen Rodelberg auf Porsches Wiesen. Ein CDU-Stadtrat macht einen anderen Vorschlag. © Steffen Unger

Bautzen. Es ist ein frostiges Thema, das in Bautzen gerade die Gemüter erhitzt: Sollte in der Stadt ein Rodelberg errichtet werden? Der Vorschlag der FDP hat für viele Diskussionen gesorgt. Nun macht Bodo Thiemann, der gerade in die CDU-Fraktion nachgerückt ist, einen Vorschlag. Er meint: Man müsse nicht unbedingt einen neuen Berg zum Rodeln errichten. Stattdessen fordert er, den Hang hinter dem Schützenplatz freischneiden zu lassen.

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Der ist derzeit von kleinen Bäumen und Wildwuchs bewachsen. „Als ich Kind war, sind wir dort alle gerodelt“, sagt Thiemann. „Nach der Wende ist dort aber nichts mehr passiert.“ Und das Freischneiden, denkt er, wäre sicherlich kostengünstiger als das Errichten eines neuen Berges. „Man könnte mit kleinen Mitteln viel Freude machen“, ist Bodo Thiemann überzeugt.

Viele Bautzener hatten sich bereits zu dem Vorschlag der FDP geäußert, nicht alle ganz ernst gemeint. So kommentierte einer: „Ich fordere einen schönen Ostseestrand in Bautzen! Damit ich nicht immer bis an die Ostsee fahren muss.“ Ein anderer meinte: „Die Berge nicht vergessen, dann müssen wir nicht immer nach Österreich fahren.“ Und einer fand: „Was ist mit Angeln? Bis zum Bärwalder See ist es ziemlich weit...“ und ein vierter forderte: „Weg mit den Alpen, freie Sicht aufs Mittelmeer!“

All diese Facebook-Kommentare bezogen sich auf den Vorschlag, den die Bautzener FDP-Stadtratsfraktion kurz zuvor öffentlich gemacht hatte. Die Idee, die bei vielen zur Erheiterung führte, ist aber durchaus ernst gemeint.

Im Winter Rodelberg - im Sommer Festivalgelände

„Der Rodelhang ist für uns ja nur der Aufhänger, angesichts des Schnees“, sagt Fraktionschef Mike Hauschild. „Unser Gedanke dahinter ist aber, dass wir in Bautzen Freizeitflächen schaffen müssen.“ Seine Idee: Bautzen sollte einen Berg aufschütten, der im Winter zum Rodeln genutzt werden kann. Davor sollte es eine Fläche zum Schlittschuhlaufen geben. Und im Sommer sollten diese Fläche und der Berg als Wiese zum Picknicken oder auch für ein Konzert oder Festival genutzt werden können.

Das Ganze sollte nicht allzu teuer sein, sagt Hauschild. „Man könnte den Bodenaushub von Baumaßnahmen verwenden“, schlägt er vor. „Der muss sonst teuer entsorgt werden. Die Kosten, die anfallen würden, könnte man in die Transportkosten zum Rodelberg stecken“, findet er.

Ähnliche Modelle habe es in anderen Städten bereits gegeben, sagt Mike Hauschild. Er erinnere sich an Kindheitstage, als er auf Baustellenaushub in Hoyerswerda gerodelt sei. Und auf Porsches Wiesen in Bautzen habe es auch schon einmal eine Schlittschuhfläche gegeben. Und die Stadt Zittau hat gerade Schnee mitten auf dem Markt zu einem Rodelberg aufgeschichtet.

Auf dem Zittauer Markt erfreut derzeit ein spontan aufgeschütteter Rodelberg aus Schnee die Kinder.
Auf dem Zittauer Markt erfreut derzeit ein spontan aufgeschütteter Rodelberg aus Schnee die Kinder. © Matthias Weber/photoweber.de

Apropos Porsches Wiesen: Das ist der Ort, der Mike Hauschild für seine Idee vor Augen schwebt. Die Fläche an der Bleichenstraße sei ohnehin für nichts Anderes vorgesehen. Dass dort vor zwei Jahren von den Rotariern Bäume gepflanzt worden sind, zeige, dass die Wiesen als Aufenthaltsort beliebt sind. Auch Picknick-Treffen habe es dort schon gegeben.

Ihm sei klar, dass sich so ein Projekt nicht innerhalb von wenigen Tagen realisieren lässt, sagt Mike Hauschild. Sprich: Wohl auch nicht mehr in diesem Winter. Dennoch: Darüber zu reden, sei ihm wichtig.

Die Stadt sieht andere Themen als wichtiger an

Doch die Bautzener Stadtverwaltung hat dazu wenig Lust. „Die Stadt kann nicht zu jeder Idee – ob sinnvoll oder nicht – Stellung beziehen“, sagt der kommissarische Pressesprecher Markus Gießler. Es gebe derzeit wichtigere Themen. „Aktuell stehen die Erarbeitung des Haushaltes 2021 sowie die weitere Entwicklung des Logistikzentrums Süd, die Bewältigung der Auswirkungen der Corona-Pandemie, die Sanierung der Allende-Oberschule und Turnhalle und vieles mehr auf der Agenda.“

Ganz unkommentiert lässt die Stadt die Idee der FDP dennoch nicht. „Rodelberge gibt es in der Stadt und innerhalb der Region – auch im 15-Kilometer-Radius – mehr als genug“, sagt Gießler. Er verweist auf den Hang vom Schützenplatz zum Kupferhammer, den Berg in Niedergurig „Am Staudamm“, den Humboldhain, den Naturpark Bautzen, den sogenannten Katzenbuckel an der Goethestraße und den Mönchswalder Berg. Außerdem sei ein solches Projekt „nicht ohne hohe Investitionskosten stemmbar“.

Stadträte: "Gibt genügend Berge in der Region"

Ähnlich skeptisch wie die Stadtverwaltung äußern sich auch die meisten Stadtratsfraktionen. Als „PR-Nummer“ empfindet Claus Gruhl von den Grünen die Idee. „Rodel-Gelegenheiten gibt es in Bautzen jede Menge“, sagt auch er.

Steffen Tech vom Bürgerbündnis sieht das ähnlich: „Der Aufwand wäre viel zu groß, um einen Berg aufzuschütten, der mit denen in Sohland oder Neukirch konkurrieren könnte.“ Auch müsse man bedenken, dass es in Bautzen eher selten vorkomme, dass genügend Schnee fällt, um rodeln zu können. „Der Vorschlag passt in die Faschingszeit! Die FDP will uns wohl aufs Glatteis führen“, sagt Roland Fleischer von der SPD-Fraktion. Es gebe derzeit andere Probleme für die Stadt.

Eisbahn stößt auf mehr Interesse

Nicht ganz so abgeneigt klingt hingegen die CDU-Fraktion. Zwar erwähnt auch Katja Gerhardi, dass in Bautzen bereits vielerorts gerodelt werden kann. Dennoch sagt sie im Namen der Fraktion: Auch die CDU könnte sich einen solchen Berg auf Porsches Wiesen vorstellen.

Und auch Claus Gruhl von den Grünen klingt bereits weniger skeptisch, als es um die Eisbahn geht. „Eine Eisbahn hatten wir schon, auf Porsches Wiesen, zuletzt in den 1990ern. Die Feuerwehr könnte sofort loslegen, aber wer weiß, was für Verwaltungshürden da erst wieder zu überwinden sind.“ Und auch Steffen Tech vom Bürgerbündnis sagt: „Eine Eisbahn auf einer Wiese in Spreenähe wäre da eher sinnvoll. Der Aufwand dafür wäre deutlich geringer.“ Und Frosttage seien immerhin häufiger als schneereiche Tage.

Die Linken und die AfD-Fraktion haben die Anfrage von Sächsische.de, wie sie zu dem FDP-Vorschlag stehen, nicht beantwortet.

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