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Bautzen: Ärger über fehlenden Gehweg

Seit Bauarbeiten gibt es an der Hoyerswerdaer Straße keinen Streifen für Fußgänger mehr. Das sorgt für Probleme. Stadträte haben ein Lösungsvorschlag.

Ärger auf der Hoyerswerdaer Straße in Bautzen: Thea Zahn und andere Anwohner sind frustriert, weil es seit Straßenbauarbeiten auf der Häuserseite keinen Gehweg mehr gibt.
Ärger auf der Hoyerswerdaer Straße in Bautzen: Thea Zahn und andere Anwohner sind frustriert, weil es seit Straßenbauarbeiten auf der Häuserseite keinen Gehweg mehr gibt. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Der Boden am Rande der Hoyerswerdaer Straße in Bautzen, kurz vor dem Ortsausgangsschild, ist nass geregnet. Grashalme in zartem Grün haben ihren Weg an die Oberfläche gefunden. Aber ansonsten ist da nicht viel auf dem Boden. Vor allem eines ist da jedenfalls nicht: ein Gehweg. Und seine Abwesenheit stört die Anwohner schon seit Längerem.

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Thea Zahn steht in der Einfahrt zu ihrem Grundstück. Sie sagt: „Wir Anwohner fühlen uns hier ziemlich im Stich gelassen.“ Denn vergangenes Jahr ist auf der Straße gebaut worden. In dem Zuge wurde auch die Bushaltestelle barrierefrei umgestaltet. Das Problem ist: Im Zuge der monatelang andauernden Bauarbeiten ist kein Fußweg auf der Seite der Wohnhäuser gebaut worden.

Zwar gab es dort auch vorher keinen klassischen Fußweg, aber es gab einen befestigten Pfad in Richtung Haltestelle und darüber hinaus. Der fehlt jetzt. „Wenn wir dort zu der Haltestelle gelangen und stadteinwärts mit dem Bus fahren wollen“, sagt Thea Zahn, die nur wenige hundert Meter entfernt davon steht, „müssen wir zweimal die Straßenseite wechseln. Oder hier durch den Matsch laufen.“

Für den einen lästig, für den anderen ein echtes Problem

Das mag für den ein oder anderen eine etwas lästige Angelegenheit sein; etwas seltsam wirken, vielleicht. Nicht mehr, nicht weniger. Aber für Leute, die beispielsweise auf einen Rollator angewiesen sind, ist es ein echtes Problem. Auch ein Ehepaar, das wenige Häuser weiter wohnt, stellt es vor Schwierigkeiten. Sächsische.de hatte im April über die beiden berichtet. Monika Eckhardt sitzt im Rollstuhl. Seit den Bauarbeiten kann sie ihr Grundstück ohne Auto nicht mehr verlassen. Den Bordstein auf der gegenüberliegenden Seite kommt sie nicht hinauf. Und am Straßenrand entlangzufahren, ist keine Option, weil die Lastwagen so schnell in den Ort brausen.

Die Anwohner hatten sich deshalb einen neuen Gehweg auf ihrer Seite der Straße gewünscht. Oder aber eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 km/h. Vielleicht, fragten sie, wäre es ja auch eine Option, das Ortsschild zu versetzen und die schweren Lastwagen so etwas auszubremsen?

Die Stadt hatte den Anwohnern die Hoffnung jedoch genommen. Mit dem Tempolimit, das sei nicht so einfach. Das wollte die Stadt zwar prüfen – passiert ist seither aber noch nichts. Und der Streifen neben der Straße, auf dem einst der Trampelpfad war – und nun nur noch unbefestigter Boden ist? Der gehöre nicht der Stadt, sondern dem Bund. Im Haushaltsjahr 2022 seien aber finanzielle Mittel vorgesehen, um das Projekt anzugehen.

Anwohnerin: "Wir sind hier alle enttäuscht"

Die Antworten der Stadt – für Thea Zahn waren sie ernüchternd. „Wir sind hier alle enttäuscht, dass nichts passiert“, sagt sie. Mit ihrem Unmut hat sich die 79-Jährige an die Bautzener Stadträte Mike Hauschild (FDP) und Heinrich Schleppers (CDU) gewandt. Und die wollen die Sache jetzt angehen, sagen sie. Vor Ort haben sie sich das Ganze sogar schon mit Thea Zahn angesehen.

Ihre Idee: „Wir haben uns Gedanken gemacht, dass eine Schotterschicht mit einer Breite von etwa einem Meter doch eigentlich ausreichen sollte“, sagt Mike Hauschild. „Das wäre bezahlbar und sofort umsetzbar“, ist er überzeugt. Er habe sich mit einer Fachfirma unterhalten. „Dort hieß es, man müsse dafür mit Kosten von etwa 100 Euro pro Meter rechnen.“ Er schätze die Länge, die der Gehweg etwa haben müsse, auf etwa 250 Meter. „Die Variante, die die Stadt gerne umsetzen würde, wäre teurer“, sagt Hauschild. Die beiden Stadträte wollen die Idee der Verwaltung vortragen.

Stadt nimmt den Anwohnern erneut die Hoffnung

Und was sagt die dazu? Die nimmt – abermals – den Anwohnern erst einmal die Hoffnung. Der Stadt sei das Anliegen der Bürger zwar wichtig. Aber mittlerweile sei auch die Grasnarbe verfestigt. Die Situation habe sich also bereits verbessert. Weil die Grasnarbe eine wichtige Funktion erfülle, komme eine temporäre Aufschüttung nicht in Frage.

Zuständig sei dafür aber ohnehin das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv), heißt es vonseiten der Stadtverwaltung. Lasuv und Stadt stünden miteinander im Gespräch – und seien sich „einig, dass es keine schnelle Lösung geben kann.“ Abermals verweist die Stadt auf Haushaltsmittel, die im Jahr 2022 für das Problem vorgesehen sind. Die Bagger sollen aber selbst dann noch nicht anrollen. Vielmehr solle der Gehweg dann erst einmal geplant werden. „Eine gewisse Komplexität der späteren Baumaßnahme und damit auch der Planung“, heißt es, „zeichnen sich bereits jetzt ab.“

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