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Bautzen: So funktioniert das Handyparken

App herunterladen, Kennzeichen eingeben, Parkvorgang starten: So kann man in Bautzen jetzt ohne passendes Kleingeld parken. Aber es gibt einen Haken.

Sächsische.de-Reporterin Theresa Hellwig testet das neue Angebot in Bautzen: Handyparken.
Sächsische.de-Reporterin Theresa Hellwig testet das neue Angebot in Bautzen: Handyparken. © Steffen Unger

Bautzen. Es ist Dienstagmorgen in Bautzen. Ein Mann steigt am Lauengraben aus seinem Auto aus, wirft eine Münze in den Parkautomaten. Letzterer steht erst seit Kurzem da – im vergangenen Jahr reichte hier noch eine Parkuhr hinter der Frontscheibe aus. Nun hat die Stadt neue Automaten aufgestellt und kassiert auch hier ab. Der Mann nickt in Richtung Reporterin, tippt auf einen blauen Aufkleber am Automaten und fragt: „Wissen Sie, wie das geht?“

Was er meint? Mit den neuen Automaten ist auch ein neues Angebot nach Bautzen gekommen: das Handyparken. Das ist auf allen städtischen Bezahlparkplätzen möglich. Wie das funktioniert, hat sich Sächsische.de einmal angeschaut.

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Bezahlung: So wird abgerechnet

Beginnen wir mit etwas Positivem: Der Vorteil des Handyparkens ist, dass die Abrechnung minutengenau erfolgt. Nur ein Zwei-Euro-Stück parat, obwohl man eigentlich nur wenige Minuten parken möchte? Bisher bedeutete das in Bautzen, dass man eben zwei Euro zahlen musste. Wechselgeld gab es nicht. Beim Handyparken ist das nicht nötig. Auch müssen Parkende vorher nicht abschätzen, wie lange sie ihr Auto abstellen wollen – anders als beim Parken mit Münzgeld.

Wo ein Vorteil ist, gibt es meist auch einen Nachteil: Das Handyparken kostet – bei den meisten Anbietern – zusätzliche Gebühren. Wie viel genau, hängt von der App ab, für die der oder die Parkende sich entscheidet.

App herunterladen: Mehrere Anbieter zur Auswahl

Angeboten wird das Handyparken von „Smartparking“, einem Dachverband der verschiedenen Handypark-App-Anbieter. In Bautzen stehen derzeit sieben Apps zur Auswahl. Welche das sind, ist auf einem blauen Aufkleber aufgelistet, der an den Parkautomaten klebt. Konkret sind das momentan: ParkNow, Easypark, Mobilet, Yellowbrick, PayByPhone, Parkster und Parco.

Die Apps unterscheiden sich in ihren Angeboten. So bieten einige zum Beispiel zusätzliche Services, wie das Finden freier Parkplätze, an. Andere haben bessere GPS-Ermittlungen.

Und die Anbieter unterscheiden sich auch in den Bezahlmöglichkeiten. So kann bei der App „Parco“ zum Beispiel nur mit Kreditkarte gezahlt werden. „Parkster“ erlaubt nur die Zahlung per Kreditkarte und per Rechnung. „Yellowbrick“ funktioniert über Kreditkarte und Sepa-Lastschrift. Andere bieten mehr und einfachere Optionen an, wie das Bezahlen über die Mobilfunkabrechnung oder Paypal. Dazu zählen zum Beispiel „EasyPark“ und „ParkNow“.

Insbesondere die servicereichen Apps sind es allerdings auch, die besonders hohe zusätzliche Gebühren verlangen. Sächsische.de hat zum Beispiel „ParkNow“ getestet. Das ist die App, die auf der Liste, die an den städtischen Parkautomaten aufgeklebt ist, ganz oben steht.

Die negative Überraschung folgte prompt: Für jeden einzelnen Parkvorgang werden 25 Cent zusätzliche Transaktionsgebühren verlangt. Die gehen nicht an die Stadt, erklärt Smartparking, sondern an den App-Anbieter. Denn für die Stadt sei das zusätzliche Angebot kostenlos.

Über diese sieben Apps ist derzeit das Handyparken in Bautzen möglich.
Über diese sieben Apps ist derzeit das Handyparken in Bautzen möglich. © SZ/Uwe Soeder
Auf den Automaten sind Nummern aufgedruckt; diese Parkzonen gilt es, in der App oder per SMS einzugeben.
Auf den Automaten sind Nummern aufgedruckt; diese Parkzonen gilt es, in der App oder per SMS einzugeben. © SZ/Uwe Soeder
So sieht das bei der App "ParkNow" aus: Oben ist zu sehen, wie der Parkplatz angewählt wird. Links wird das Kennzeichen eingegeben. Unten: So wird der Parkvorgang gestartet.
So sieht das bei der App "ParkNow" aus: Oben ist zu sehen, wie der Parkplatz angewählt wird. Links wird das Kennzeichen eingegeben. Unten: So wird der Parkvorgang gestartet. © Screenshot: SZ
In der App können sich Parkende die Kosten auf dem Parkplatz anzeigen lassen.
In der App können sich Parkende die Kosten auf dem Parkplatz anzeigen lassen. © Screenshot: SZ
Dieser Parkvorgang dauerte nur zwölf Sekunden - dann klickte die Reporterin auf "beenden".
Dieser Parkvorgang dauerte nur zwölf Sekunden - dann klickte die Reporterin auf "beenden". © Screenshot: SZ
Zahlen musste sie dafür 31 Cent: sechs Cent für die erste Minute, 25 Cent Transaktionsgebühr.
Zahlen musste sie dafür 31 Cent: sechs Cent für die erste Minute, 25 Cent Transaktionsgebühr. © Screenshot: SZ

Wie Smartparking mitteilt, bieten einige Apps auch Abo-Modelle an. Einige Anbieter sind in bestimmten neuen Auto-Modellen bereits installiert und zuweilen deshalb kostenlos. Und: Eine App verlangt derzeit keine zusätzlichen Gebühren, das ist „Parkster“. Laut Smartparking bietet diese App allerdings entsprechend auch den geringsten Service – und eben nur wenige Zahloptionen. Und: Es sei unklar, ob das Angebot kostenlos bleibt.

Parkvorgang: Das ist dabei zu beachten

Die Apps sind in den gängigen App-Stores verfügbar; sowohl für das Apple-Betriebssystem iOS als auch für Android. In den Apps müssen sich Parkende registrieren und das Kennzeichen ihres Autos angeben. Angegeben werden muss dann der Parkort, also die Parkzone. Die entsprechende Nummer ist auf den Aufklebern an den Parkautomaten vermerkt.

Bei „ParkNow“ können sich die Parkenden die Kosten in der jeweiligen Tarifzone anzeigen lassen. Die minutengenaue Abrechnung funktioniert dann über den Button „Parkvorgang starten“. Achtung: Bei der Rückkehr zum Auto nicht vergessen, „Parkvorgang beenden“ zu klicken. Der Akku war leer, beenden vergessen, Handy verloren: Kann der Parkvorgang nicht beendet werden, wird der Preis für die Höchst-Parkdauer berechnet. Im Zweifel ist es bei Problemen auch möglich, beim Anbieter anzurufen, um den Parkvorgang zu beenden.

Älteres Handymodell: Diese Alternative gibt es

Auch ohne Smartphone oder ohne die App herunterzuladen, ist Handyparken möglich. Das geht per SMS an die Nummer 44077. In Bautzen ist diese Option noch nicht freigeschaltet – das soll aber in diesen Tagen noch passieren.

In der SMS muss die Parkzone eingegeben werden, das Kennzeichen und – mit einem Punkt getrennt – die gewünschte Parkdauer. Dabei gehen auch krumme Ziffern, wie zwölf oder 27 Minuten. Aussehen könnte das dann, mit der Parkzone vom Lauengraben (026200) und mit einem fiktiven Kennzeichen, so: 026200BZSZ1234.27. Darauf erfolgt eine Bestätigungsnachricht.

Per SMS muss der Parkvorgang nicht noch einmal beendet werden; bezahlt wird die angegebene Minutenzahl. Abgerechnet wird dabei über die Handyrechnung. Achtung: Das muss der Mobilfunkanbieter zulassen. Bei der Telekom und bei Vodafone ist das möglich, sagt Smartparking – bei anderen Anbietern gibt es manchmal Probleme.

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