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Hat er die Lösung für die Bautzener Spreebrücke?

Die bisherigen Modelle der Stadt stoßen beim Landesamt für Denkmalpflege auf Kritik. Ein Radiborer präsentiert eine neue Variante - mit einigen Besonderheiten.

Ludwig Sachße aus Radibor hat sich schon vor vielen Jahren eine Idee für eine Brücke über die Spree in Bautzen ausgedacht. Ist sie die Lösung für das Problem mit dem Denkmalschutz?
Ludwig Sachße aus Radibor hat sich schon vor vielen Jahren eine Idee für eine Brücke über die Spree in Bautzen ausgedacht. Ist sie die Lösung für das Problem mit dem Denkmalschutz? © Steffen Unger

Bautzen. Das erste Mal hat er sich 2009 an die Stadt gewendet, an den damals noch amtierenden Bautzener Oberbürgermeister Christian Schramm (CDU). 2013 versuchte es Ludwig Sachße über einen Leserbrief in der Sächsischen Zeitung. 2015 wendete er sich, so erzählt er es, an Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD), wenig später an zwei Stadträte verschiedener Fraktionen. „Auch beim CDU-Stammtisch war ich mit meiner Idee“, sagt der Radiborer. Dass er lockergelassen hat, kann man also wirklich nicht behaupten.

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Kein Wunder: Ludwig Sachße ist überzeugt von seiner Idee. Der studierte Bergbauingenieur hat in seiner Freizeit ein Modell für eine Fußgängerbrücke über die Spree entworfen. Er glaubt, seine Idee wäre auch mit dem Denkmalschutz vereinbar. Deshalb hat er sich jetzt noch einmal an die Zeitung gewendet.

Denkmalamt hat Bedenken bei bisherigen Modellen

Denn vor etwa zwei Wochen war bekannt geworden, dass das sächsische Landesamt für Denkmalschutz an allen Spreebrückenvarianten, so wie sie bisher vorgeschlagen worden sind, etwas auszusetzen hat. Zwar können Ansätze davon weiter verfolgt werden – aber eins zu eins ist keines der Modelle, die die Stadt vorgestellt hatte, umsetzbar. Ein filigraneres, unauffälligeres Modell müsse her – so die Kernaussage.

Das ist der Gedanke, bei dem Ludwig Sachße ansetzt. Seine Idee ist es, die Spreebrücke deutlich tiefer zu bauen. Was er meint, lässt sich am besten vor Ort zeigen, sagt er – und schlägt deshalb als Treffpunkt die Straße Unterm Schloß in Bautzen vor. Dort angekommen, deutet er auf das Gestein oberhalb der Häuser, neben dem Burgwasserturm. „Wenn man die Brücke nur etwa auf Höhe der Hausdächer bauen würde“, sagt er, „würde sie aus der Ferne kaum auffallen.“

Die Idee von Ludwig Sachße: Die Brücke könnte tiefer gebaut werden, Zugänge durch Tunnel bekommen. Optisch solle sie zur alten Stadtbefestigung passen.
Die Idee von Ludwig Sachße: Die Brücke könnte tiefer gebaut werden, Zugänge durch Tunnel bekommen. Optisch solle sie zur alten Stadtbefestigung passen. © Entwurf: Ludwig Sachße, Foto: Steffen Unger

Wie man das schaffen soll? „Zu der Brücke müsste es einen Zugang über einen Tunnel geben“, sagt er. Ins Erdreich starten sollte der am Schliebenplatz, und zwar auf Höhe der Toiletten. „Dann ist das Gefälle nicht so stark“, sagt Ludwig Sachße. Auf der gegenüberliegenden Seite könnte es ebenfalls einen Tunnel geben. „Es gibt erschütterungsarme Sprengverfahren, so könnte man in das Gestein kommen“, berichtet der Bergbauingenieur. „Der zweite Tunnel könnte dann auf dem Ortenburghof wieder ans Licht kommen.“

Diese Zugänge durch Tunnel wären bei seinem Modell barrierefrei. Aber es wären nicht die einzigen Zugänge. Auch Treppen soll es geben.

Und selbst eine Gestaltung für die Brücke hat sich Ludwig Sachße bereits ausgemalt. „Man könnte eine Fachwerkbrücke aus Stahl bauen, die mit Holz verkleidet wird“, erklärt er. „Sie könnte ein rotes Ziegeldach bekommen – ähnlich denen der Häuser in dieser Ecke.“ Der Gedanke dahinter: Die Brücke sollte sich optisch möglichst gut einfügen. „Vielleicht ein bisschen aussehen wie ein Stück der alten Stadtbefestigung“, überlegt Ludwig Sachße.

Vorbild: eine Brücke in der Schweiz

„In der Mitte der Brücke, also im Tal, könnte es noch ein Türmchen geben“, erklärt er weiter, „ebenfalls mit rotem Spitzdach.“ In dem Türmchen könnte so auch ein Zugang Richtung Altstadt oder Schliebenparkplatz geschaffen werden, von der Straße Unterm Schloß aus.

Auch ein Vorbild hat Ludwig Sachße für sein Brückenmodell: „Die Kapellbrücke in Luzern in der Schweiz sieht ähnlich aus“, sagt er. Viele Details hat der Radiborer weiter ausgearbeitet. Er hat sich weitere Ideen für Zugänge ausgedacht und überlegt, was das Ganze an Wartungsarbeiten benötigen würde. Über die Parkplatzsituation des Theaters hat er sich Gedanken gemacht und über die Beleuchtung der Brücke. Warum er sich in das Thema vertieft hat? Er zuckt mit den Achseln. „Man macht sich halt so seine Gedanken“, sagt er.

Stadt: "Idee scheint nicht umsetzbar"

So euphorisch er von seinem Brückenentwurf spricht – so geknickt klingt Ludwig Sachße, als er davon erzählt, dass seine Idee bislang nicht diskutiert worden ist. „Ich sage ja gar nicht, dass alle meine Idee toll finden müssen“, sagt er, „ich wollte nur, dass mal darüber diskutiert wird.“

Das Landesamt für Denkmalpflege äußerte sich zu den Vorschlägen bislang nicht. Vonseiten der Stadtverwaltung heißt es: „Grundsätzlich finden wir es gut, wenn sich Bürgerinnen und Bürger mit dem Thema Spreebrücke auseinandersetzen.“ Aber: „Wir können nicht zu jeder Idee, die uns erreicht, Stellung beziehen.“ Derzeit benötige die Stadt keine Alternativideen – das Büro, das die Stadt gerade mit den Planungen beauftragt hat, arbeite nun Pläne aus.

Dennoch hat sich die Stadt die Idee von Ludwig Sachße zumindest kurz angesehen. Zum Denkmalaspekt sagt die Stadt nichts – aber sie äußert auch so Bedenken. „Hierfür müsste eine detaillierte Untersuchung stattfinden“, erklärt der kommissarische Stadtsprecher Markus Gießler. „Diese Idee erscheint bei der vorgelegten Skizze schon aufgrund der Beschaffenheit des Felsens auf der Ortenburgseite nicht als umsetzbar.“

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