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Bautzen: Ist die Südumfahrung überflüssig?

Prognosen zeigen, wie viele Autos einmal auf der Straße unterwegs sein könnten - und sorgen für Kritik an ihrem Bau.

An der Neukircher Straße endet der erste Bauabschnitt der Bautzener Südumfahrung. Ob hier weitergebaut wird, ist unklar.
An der Neukircher Straße endet der erste Bauabschnitt der Bautzener Südumfahrung. Ob hier weitergebaut wird, ist unklar. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Die Worte, die Claus Gruhl wählt, sind deutlich: „Die Zahlen führen das ganze Projekt ad absurdum“, sagt der Fraktionschef der Grünen im Bautzener Stadtrat. Was er meint? Ihm geht es um die Bautzener Südumfahrung. Genaugenommen um die Verkehrsprognosen. Aus denen geht hervor, wie viele Autos einmal auf der Straße fahren könnten – und welche Auswirkungen das für die Stadt Bautzen haben könnte.

Wie viel Verkehr wird für die Südumfahrung erwartet?

In einem Satz zusammengefasst: Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) geht davon aus, dass auf einer neuen Südumfahrung für Bautzen zwischen 2.900 und 7.000 Autos am Tag fahren könnten.

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Aber konkret: Zur Debatte stehen für den zweiten Bauabschnitt, der von der Neukircher Straße bis zur B 96 führen soll, zwei Trassenvarianten. Die bereits länger bekannte Variante verläuft stadtferner und führt nach Ebendörfel. Die zweite könnte stadtnäher verlaufen und bei Oberkaina auf die B 96 treffen.

Zwei mögliche Trassen für die Bautzener Südumfahrung gibt es.
Zwei mögliche Trassen für die Bautzener Südumfahrung gibt es. © SZ Grafik

Für die stadtferne Variante prognostiziert das Lasuv für das Jahr 2030 auf dem Straßenabschnitt zwischen der Neukircher und der Wilthener Straße zwischen 6.500 und 7.000 Fahrzeuge am Tag. Für den Abschnitt von der Wilthener Straße bis zur B 96 geht das Lasuv von rund 2.900 Autos am Tag aus.

Etwas mehr könnten es auf der stadtnäheren Trasse sein. Zwar geht das Lasuv hier für 2030 auf dem ersten Straßenabschnitt von ähnlichen Zahlen aus, nämlich auch nur von 6.000 bis 7.000 Fahrzeugen am Tag. Auf dem Abschnitt zwischen Wilthener Straße und B96 rechnet das Lasuv aber mit etwa 4.000 Fahrzeugen am Tag.

Welche Wirkung hätte die Südumfahrung für die Stadt?

Ein Kernargument für den Bau der Straße ist, die Stadt Bautzen zu entlasten. Das betont auch das Lasuv. Vor allem geht es dabei um die Westtangente. Laut Modellanalysen fuhren dort in den Jahren 2015 und 2019 etwa 12.100 Fahrzeuge am Tag. Auffällig: Auch ohne den Bau der Südumfahrung nimmt der Verkehr laut Lasuv-Prognosen um mehr als 1.000 Autos pro Tag ab, zum Beispiel wegen des allgemeinen Bevölkerungsrückgangs. 2030 rechnet das Landesamt nur noch mit 11.000 Fahrzeugen am Tag.

Wird die Südumfahrung gebaut, könnte es auf der Westtangente noch leerer werden. Bei der stadtferner verlaufenden Variante rechnet das Lasuv für die Westtangente im Jahr 2030 mit 8.500 Autos pro Tag, bei der stadtnäher verlaufenden Trasse mit etwa 7.600 Fahrzeugen.

Schon in der Vergangenheit hatten sich Bürger mit diesem Argument zu Wort gemeldet: Auf der Westtangente würden doch ohnehin schon viel weniger Autos fahren, als beim Bau prognostiziert. Tatsächlich hatten Fachleute damals für die Westtangente 12.000 bis 17.000 Fahrzeuge am Tag prognostiziert. Für die Südumfahrung kalkulierte der Freistaat in seinem Landesverkehrsplan zwischen 5.500 und 9.500 Autos am Tag.

Was kritisieren die Grünen an dem Projekt?

„Die Zahlen rechtfertigen den Bau der Südumfahrung keinesfalls“, ist Claus Gruhl überzeugt. „Erst recht nicht, wenn man bedenkt, dass die Prognose unabhängig vom Bau der Südumfahrung bis 2030 rückläufig ist.“ Gruhl empfindet das Projekt als „überflüssig“ – vor allem, weil „in etwa 500 Meter Entfernung die Westtangente verläuft“. Die Kosten für den Bau und die Folgen für die Umwelt und auch für Anwohner wären unverhältnismäßig, sagt er. Wie schon einige Anwohner und Stadträte vor ihm ärgert auch er sich über den geplanten Bau einer etwa 200 Meter langen Brücke über das Bautzener Spreetal. Ohne diese wäre die Südumfahrung nicht möglich.

Auch eine Bürgerinitiative gegen die Südumfahrung kritisiert die Zahlen. „Der Verkehr nimmt auch ohne das letzte Stück der Südumfahrung bis 2030 um mehr als etwa zehn Prozent ab, etwa auf der B 96 in Oberkaina oder auf der Westtangente“, sagt Robert Matschie. Wie auch die Grünen fordert er, dass die Prognosen veröffentlicht werden.

Was sagt das Landesamt für Straßenbau und Verkehr?

Aus Sicht des Lasuvs rechtfertigen die Verkehrszahlen, die aus den Prognosen hervorgehen, den Bau weiterhin. Aber: „Der Neubau der Straße“, teilt Lasuv-Sprecher Franz Grossmann mit, „ist nicht allein von den Verkehrszahlen abhängig.“ Stattdessen gehe es um viele Faktoren. Zum Beispiel um „die gewünschte Verkehrsverlagerung, die Anbindung und Entwicklung von Standorten, um Platzverhältnisse“.

Außerdem könnte es bald noch einmal andere Prognosen geben. Denn gerade laufen neue Straßenverkehrszählungen, teilt Franz Grossmann mit. Mit denen werden dann Prognosen für die Zeit nach 2030 erstellt.

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