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„Den Gesang zu Weihnachten werde ich sehr vermissen“

Bautzens Superintendent Tilmann Popp erklärt, wie die Weihnachtsgottesdienste in diesem Jahr ablaufen, was ihm dabei fehlt - und dass er auch Positives darin sieht.

Von Timotheus Eimert
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Bautzens Superintendent Tillmann Popp blickt dem zweiten Weihnachtsfest während der Corona-Pandemie trotz aller Einschränkungen und Regeln zuversichtlich entgegen.
Bautzens Superintendent Tillmann Popp blickt dem zweiten Weihnachtsfest während der Corona-Pandemie trotz aller Einschränkungen und Regeln zuversichtlich entgegen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Es ist das zweite Weihnachtsfest in der Pandemie. Doch anders als im vergangenen Jahr dürfen diesmal Gottesdienste stattfinden - allerdings nur für Geimpfte, Genesene und Getestete. Tilmann Popp, Superintendent des Kirchenbezirkes Bautzen-Kamenz, findet das richtig und erklärt im Interview mit Sächsische.de, welche Regeln zu Weihnachten außerdem gelten.

Herr Superintendent Popp, es ist bereits das zweite Weihnachtsfest während der Pandemie. Wie sehr haben Sie sich an Gottesdienste unter Corona-Regeln gewöhnt?

Wenn ich daran denke, dass wir Heiligabend nur das Schlusslied singen dürfen, dann kann ich mich nicht daran gewöhnen. Den Gesang werde ich sehr vermissen, einzustimmen in die Freude über die Geburt Christi. Natürlich wünsche ich mir da, wieder zur Normalität zurückkehren zu können.

Was vermissen Sie außerdem?

Dass ich den Besuchern nach dem Gottesdienst die Hand geben kann. Ich habe Sorge, dass die Menschen künftig automatisch auf Abstand gehen. Wir sind eigentlich auf Nähe aus.

Dennoch sind derzeit wegen der Pandemie bestimmte Regeln notwendig. Oder sehen Sie das anders?

Nein, auf keinen Fall. Natürlich strengt mich das Thema Corona an, weil es mit Einschränkungen verbunden ist. Kein Mensch lässt sich gern einschränken, selbst wenn es notwendig ist. Ich erlebe aber auch, dass in unseren Gemeinden ein sehr starkes Verantwortungsbewusstsein vorhanden ist. Das macht mir Mut.

Die Regeln zu Weihnachten: 3G, Maske, Abstand

Welche Regeln gelten Weihnachten in den Kirchen?

Jeder kann die Gottesdienste besuchen, aber wer nicht genesen oder geimpft ist, muss sich testen lassen. Teilweise werden auch vor Ort Tests angeboten, damit die Schwelle möglichst niedrig ist. Wir sitzen nach wie vor auf Abstand. Es muss eine Maske getragen werden. Um die Menschen besser auf die verschiedenen Gottesdienste verteilen zu können, bieten einige Gemeinden ein Anmeldeverfahren an, damit niemand weggeschickt werden muss, wenn die Kirche voll ist. Und dann gibt es aufgrund von Corona auch ganz neue Formate. Das empfinde ich als Bereicherung.

Welche Formate sind das?

Zum Beispiel werden wieder zahlreiche Livestreams angeboten. In der Maria-und-Martha-Kirche in Bautzen haben wir mit der Jungen Gemeinde ein Krippenspiel aufgezeichnet. Eine Form ist auch die Offene Kirche, bei der Menschen kommen und gehen können, wann sie wollen. Dabei wird Orgelmusik gespielt, und es werden kurze Texte passend zur Weihnachtsgeschichte vorgelesen. Ich sehe dieses Prinzip sehr positiv, weil es ähnlich ist wie bei der Krippe. Auch da sind die Gäste gekommen und wieder gegangen, wann sie wollten.

„Wir können Unsicherheiten vor Gott bringen“

Ist das auch Ihre Weihnachtsbotschaft in diesem Jahr?

Ja, unter anderem. An der Krippe kommen die unterschiedlichsten Menschen zusammen: Hirten, Weise, Maria und Josef. Es ist eine sehr breite Vielfalt und trotzdem verbindet sie etwas. Das brauchen wir jetzt in dieser sehr bewegten Zeit. Bei aller Klarheit müssen wir verstärkt auch wieder das Verbindende in den Blick nehmen. Aus meiner Sicht ist das zum Beispiel, dass wir alle von Jesus Christus so angenommen werden, wie wir sind.

Die Gesellschaft ist derzeit sehr gespalten. Wir sehen es jeden Montag, unter anderem in Bautzen. Wie kann trotzdem Weihnachtsfrieden einkehren?

Wir leben in einer Zeit, in der viele Menschen sehr unsicher sind. Auch viele Politiker und Entscheidungsträger wissen derzeit nicht, was der beste Weg aus der Krise ist. Auch das ist ein verbindender Punkt. Wir Christen können unsere Unsicherheiten vor Gott bringen. Außerdem bieten der Glaube und die Art, wie Jesus gelebt hat, Orientierung.

„Die 3G-Regel bei den Gottesdiensten ist richtig“

Wir müssen die Menschen in den Blick nehmen, die schwach sind in der Gesellschaft. Das sind im Moment diejenigen, die an Corona erkrankt sind, die in Quarantäne sind. Schwach sind auch diejenigen, die Last tragen müssen. Das sind die Menschen in den Krankenhäusern, in den verantwortlichen Positionen. Deswegen ist es richtig, dass wir bei Gottesdiensten die 3G-Regel anwenden. Ich persönlich halte auch das Impfen für einen guten und entscheidenden Weg, aus dieser Situation herauszukommen. Im Moment gibt es keinen besseren. Wir wollen niemanden gefährden, aber dennoch Gottesdienste feiern.

Warum sind Präsenzgottesdienste denn so wichtig?

Kirchen, besonders in den kleineren Gemeinden, sind besondere Orte. Die Menschen haben dort über Generationen hinweg das Weihnachtsfest erlebt und die Nähe Gottes gespürt. Dennoch denke ich, dass man auch zu Hause im Wohnzimmer am Fernseher die Nähe Gottes spüren kann. Trotzdem ist es für viele Menschen ein Bedürfnis, an den besonderen Ort der Kirche zu gehen. Hinzu kommt, dass Gottesdienst auch immer ein Gemeinschaftsgeschehen ist.