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Bautzen: Kita teurer – trotz Corona?

Eltern kritisieren, dass in der Stadt über die nächste Beitragserhöhung diskutiert wird. Müssten die Kosten nicht sinken, wenn wochenlang nur Notbetreuung möglich ist?

Christin Wegner (vorn) und Kerstin Lawan vom Stadtfamilienrat kritisieren, dass die Stadt Bautzen im Herbst erneut die Kitagebühren erhöhen will.
Christin Wegner (vorn) und Kerstin Lawan vom Stadtfamilienrat kritisieren, dass die Stadt Bautzen im Herbst erneut die Kitagebühren erhöhen will. © Steffen Unger

Bautzen. Ein oder auch mehrere kleine Kinder zu Hause und parallel arbeiten - das macht sich nicht gut. „Ich musste auf der Arbeit die Stunden kürzen, um das hinzubekommen“, sagt Christin Wegner, die sich im Bautzener Stadtfamilienrat engagiert. Denn wegen Corona sind die Kitas derzeit wieder geschlossen, es gibt nur eine Notbetreuung. Auch im vorigen Jahr war das viele Wochen lang so.

Vor diesem Hintergrund trifft es Christin Wegner sehr, dass die Stadt bereits angekündigt hat, dass im Herbst wieder eine Erhöhung der Gebühren beschlossen werden könnte. Die Stadt begründet das mit steigenden Betriebskosten in den Einrichtungen.

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Bereits im vergangenen Jahr hatte der Bautzener Stadtrat über das Thema Kitagebühren diskutiert. Damals forderte die Stadtverwaltung eine drastische Erhöhung der Beiträge; wegen gestiegener Energiepreise, höheren Gehältern der Erzieher, besseren Betreuungsschlüsseln. Am Ende beschloss der Stadtrat nur eine moderate Erhöhung. Mit der Bedingung, nun jährlich ein bisschen zu erhöhen – und die Beiträge so an die steigenden Betriebskosten anzugleichen. Das Ziel: vermeiden, dass es noch einmal solch große Preissprünge gibt.

Weniger Kinder = weniger Betriebskosten?

„Da die Kitas wegen Corona lange Zeit zu waren“, fragt Christin Wegner nun: „Müssten die Betriebskosten nicht eigentlich gesunken sein?“ Weniger Kinder – müsste das nicht auch bedeuten, dass weniger Wasser verbraucht worden ist, weniger Betreuer nötig waren, weniger geheizt werden musste? „Die Erhöhung der Betriebskosten erschließt sich mir da nicht“, sagt Wegner. Vor allem eine Frage beschäftigt sie: „Wie hoch war denn die Auslastung der Kitas in der Corona-Zeit überhaupt?“ Sie wünsche sich mehr Transparenz.

Auch Kerstin Lawan vom Stadtfamilienrat wundert sich. Ihr Kind geht nicht in die Kita, sondern zu einer Tagesmutter. Die Erhöhung betrifft sie aber gleichermaßen. „Als die Kitas wieder geöffnet worden sind, gab es ja den Aufruf, wir sollen die Kinder möglichst trotzdem zu Hause lassen“, erzählt sie. „Mein Sohn war freiwillig drei Wochen zu Hause, das Geld bekommen wir nicht zurück.“ Sie finde es schade, dass es wenig Entgegenkommen gegenüber den Eltern gebe.

Stadt: "Größter Posten sind die Personalkosten"

Etwas anders bewertet die Bautzener Stadtverwaltung die Lage. Weniger Kinder in der Betreuung – weniger Kosten? „Das ist ein Trugschluss“, heißt es vonseiten der Verwaltung. „Den wesentlichen Anteil an den Betriebskosten machen die Personalkosten aus“, teilt die Stadt mit. Die seien während der Pandemie aber nicht gesunken: „Da es während der Pandemie in städtischen Einrichtungen keine Entlassungen gegeben hat, ändert sich hier der finanzielle Aufwand nicht.“ Im Gegenteil: In den vergangenen Jahren sei der Betreuungsschlüssel zugunsten der Kinder verbessert worden. Die Stadt müsse mehr Personal vorhalten; die Kosten seien also gestiegen.

Und auch die anderen Betriebskosten seien nicht unbedingt gesunken, heißt es. Es sei zum Beispiel nicht davon auszugehen, dass in den Kitas während der Notbetreuung weniger geheizt worden ist.

Trotz Notbetreuung nicht viel weniger Kinder in Kitas

Generell sei die Argumentation mit der Notbetreuung deshalb auch nicht zielführend. Zahlen, wie viele Kinder in Bautzen etwa die Notbetreuung in Anspruch genommen haben, nennt die Stadt nicht. Aber sie betont: „Wir möchten darauf verweisen, dass nach aktuellen Notbetreuungsmöglichkeiten durch den Freistaat Sachsen nicht erheblich weniger Kinder betreut werden.“

Wie sehr die Kitagebühren erhöht werden, ist derweil nach Angaben der Stadt noch offen. Angepasst wird nicht der Anteil, den die Eltern gemessen an den Gesamtkosten zahlen müssen – hier hat die Stadt einen festen Prozentsatz beschlossen. Die Zahlungen werden aber an die Höhe der Betriebskosten angeglichen. Bis zum 30. Juni will die Stadt ausgewertet haben, inwieweit diese Kosten gestiegen sind. „Auf dieser Grundlage entscheidet der Stadtrat, ob die Betriebskostenabrechnung Auswirkungen auf die Elternbeiträge hat“, teilt die Stadt mit.

Stadt: "Eltern zahlen nur einen kleinen Teil"

Zudem betont die Stadtverwaltung, dass die Kitakosten durch die Stadt und den Freistaat finanziert werden – und „nur zu einem geringen Teil durch die Eltern“. Haushaltslücken könne die Stadt dadurch nicht stopfen.

Christin Wegner und Kerstin Lawan haben beide auch Verständnis dafür. „Uns Eltern ist ja bewusst, dass Betreuung subventioniert wird“, sagt Kerstin Lawan. „Dennoch“, findet sie, „ist das ein harter Brocken. Wir hatten ja gerade erst eine Erhöhung.“ Gerade im Corona-Jahr bringe das für einige Eltern Schwierigkeiten mit sich. „Ich zum Beispiel habe einen Job nicht bekommen wegen Corona“, sagt sie. „Es wäre schön, wenn die Erhöhung wenigstens so gering wie möglich gehalten wird.“

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