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Er hatte Corona – und hilft nun in der Klinik

Seit er wieder gesund ist, arbeitet Lars Hartig aus Großpostwitz ehrenamtlich im Krankenhaus auf der Coronastation. Vor allem eins macht ihn wütend.

Lars Hartig aus Großpostwitz hilft ehrenamtlich im Bischofswerdaer Krankenhaus auf der Coronastation.
Lars Hartig aus Großpostwitz hilft ehrenamtlich im Bischofswerdaer Krankenhaus auf der Coronastation. © Steffen Unger

Bautzen. Als er in Quarantäne war, sagt Lars Hartig, hatte er ja nun einmal viel Zeit. Da hat er die ganzen Kommentare in den sozialen Netzwerken gelesen. Und was er gelesen hat, hat ihn immer wütender gemacht. Wie die Leute die Masken verweigern, zum Beispiel. Oder wie sie mit Reichskriegsflaggen am Rande der B 96 protestieren, gegen Corona-Schutz-Maßnahmen. Oder noch viel mehr: Wie einige leichtfertig die älteren Menschen, die an Corona erkranken, einfach sterben lassen wollen.

„Viele Leute denken nur an sich“, sagt Lars Hartig. Der 43-Jährige sitzt im Feuerwehrhaus in Ebendörfel, wo er seit einiger Zeit freiwillig aktiv ist. Er ist hier, um über ehrenamtliches Helfen zu reden – nicht bei der Feuerwehr, sondern in Zeiten der Coronapandemie.

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Auf einmal war der Geschmackssinn weg

Lars Hartig war selber, so ist er überzeugt, an Corona erkrankt. Mit einem Mal waren Geschmacks- und Geruchssinn weg, erinnert sich der Großpostwitzer. „Das kann ja manchmal auch ganz praktisch sein“, sagt er, lacht kurz, wird dann aber wieder ernst. Testen lassen habe er sich zwar nicht – aber seine Frau und seine Kinder waren zu diesem Zeitpunkt bereits an Corona erkrankt, die Familie befand sich in Quarantäne. Auch sein über 70 Jahre alter Vater hatte das Virus; er bekam Fieber und litt unter Antriebslosigkeit. Für Lars Hartig war die Sache deshalb klar, als der Geschmackssinn schwand: Er hatte sich ebenfalls infiziert.

Der Verlauf blieb bei ihm mild. Dennoch: Bis Mitte Dezember musste er eben in Quarantäne bleiben. Danach konnte er etwa eine Woche lang arbeiten – in einem Bautzener Modegeschäft, in dem er bereits seit etwa 20 Jahren beschäftigt ist. Dann kam der Lockdown – und mit ihm die Kurzarbeit.

Aber schon wieder herumsitzen? Das wollte Lars Hartig nicht. Zu sehr hatte ihn aufgewühlt, was er an Kommentaren gelesen hatte – zu sehr hatte er sich über die Proteste an der B96 geärgert. „Wenn die Krankenschwestern und Ärzte das sehen“, dachte er sich immer wieder, „muss sich das doch anfühlen wie ein Schlag in die Magengrube“.

„Jeder hat doch ein Recht, zu leben!“

Sicher, ihn habe es nicht so schlimm erwischt. „Es sind aber auch nicht so sehr die Jüngeren, um die ich mich sorge“, sagt er, „es sind eben gerade die Älteren und eben die mit Vorerkrankungen.“ Eine Sorge, von der er das Gefühl hat, dass sie viele nicht ernst genug nehmen: „Ich habe den Eindruck, dass viele kein Verständnis haben, worum es eigentlich geht“, sagt Lars Hartig. Eben darum, andere zu schützen – die Eltern und Großeltern. „Ich habe den Eindruck, dass viele undankbar sind und egoistisch. Viele Leute vergessen, dass wir den älteren Menschen zu verdanken haben, dass wir heute so leben können, wie wir es jetzt tun“, sagt er. „Jeder hat doch ein Recht, zu leben!“

Und er findet, dass einige auch kurzsichtig handelten: „Die Leute, die die Schutz-Maßnahmen verweigern, tun der Heimat nichts Gutes – und auch nicht der Gastronomie und dem Handel in der Region.“

Er wollte das anders machen: „Ich wollte helfen“, erklärt Lars Hartig bestimmt. Also schrieb er, der im Zivildienst eine Ausbildung zum Rettungssanitäter gemacht hat, kurzerhand eine Mail an das Pflegemanagement des Bischofswerdaer Krankenhauses – und bot seine Hilfe an. Seit vergangener Woche streift er sich nun regelmäßig Maske und Ganzkörperschutzanzug über; er arbeitet ehrenamtlich den Pflegekräften auf der Coronastation zu.

Er füttert Patienten und desinfiziert Utensilien

Er desinfiziert Zimmer oder Utensilien. Er reicht Tabletts an, er füttert Patientinnen und Patienten. Kurzum: Er erfüllt Aufträge, die ihm die Pflegekräfte geben. „Die machen dort alle einen guten Job“, sagt er. Die Stimmung sei aber angespannt – helfende Hände würden immer gebraucht.

Dreimal war er nun schon auf der Station. Er bekam mit, wie die Erkrankten leiden; wie einige auch starben. Am Dienstag ist sein nächster Dienst. Immer, wenn seine Frau sich um das Kind kümmern kann, fährt er los in Richtung Krankenhaus.

Schon im Lockdown im Frühjahr hatten viele Leute im Kreis Bautzen Älteren ihre Hilfe angeboten - beim Einkaufen oder in Form eines offenen Ohres am Telefon oder mit Abstand am Gartenzaun. „Die Malteser suchen zum Beispiel Leute, die in den Impfzentren mitarbeiten“, sagt Lars Hartig, „und auch Pflegeheime im Landkreis“. Er hofft nun, dass sich auch andere ein Herz fassen – und ebenfalls helfen.

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