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Das kleinste Rockfestival Deutschlands

In einem Dorf bei Bautzen treffen am Wochenende Dorfbewohner auf Metal-Fans.

Axel Matz (vorn rechts) und sein Team organisieren das Los Pampos Festival in Zschorna, einem kleinen Ort bei Bautzen. Es ist das kleinste Rockfestival Deutschlands.
Axel Matz (vorn rechts) und sein Team organisieren das Los Pampos Festival in Zschorna, einem kleinen Ort bei Bautzen. Es ist das kleinste Rockfestival Deutschlands. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Kilometerweit ist der Sound zu hören. Knatternd fährt der Trecker auf den Vierseithof in Zschorna bei Hochkirch im Landkreis Bautzen. Ein großes „Hallo“ begrüßt die Neuankömmlinge mit der Gulaschkanone im Schlepptau. „Da machen wir heute Abend schon einen Probelauf“, sagt Sebastian Knöschke.

Es ist nur einer von zahlreichen Handgriffen, die noch nötig sind, bis die Regler am Verstärker an diesem Freitag beim „Los Pampos“ hochgedreht werden. Dann beginnt die fünfte Auflage des vielleicht kleinsten Heavy-Metal-Festivals Deutschlands, und es heißt wieder: Lachen, Tanzen und Abrocken in der Pampa.

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Die Geschichte des Rockfestivals im Irgendwo zwischen Bautzen und Löbau beginnt mit einer Band, einem Kasten Bier und einer Dorfjugend-Freundschaft. „Wir kennen uns zum Teil schon seit der Schulzeit, sind immer schon gern gemeinsam auf Konzerte und Festivals gegangen“, sagt Axel Matz vom Pampanauten-Team. Ihre Musikbegeisterung geht soweit, dass sie seinerzeit sogar eine Band über ein Crowdfunding unterstützen. Es wird später die erste Gruppe sein, die sich für ihren Auftritt zum improvisierten Konzert in die Pampa verirrt.

250 Besucher pilgern ins 115-Seelen-Dorf

Die Zeit des Ausprobierens gehört inzwischen der Vergangenheit an. Stattdessen findet sich nun auf dem Hof in Zschorna, der den Festivalmachern durch eine Erbengemeinschaft zur Verfügung gestellt wird, eine Profi-Bühne und ein Programm mit Workshops zu Siebdruck, Löten und Programmieren. „Wir sind weg vom reinen Konsumieren zum Agieren. Unser Publikum ist total gemischt, der Nachbar aus dem Dorf, Familien mit Kindern, Leute aus der Gemeinde Hochkirch, den umliegenden Landkreisen und Fans mit weiterer Anreise“, sagt Axel Matz.

Dabei musste die Los-Pampos-Fangemeinde in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie ganz schön bibbern. Die meisten Festivals sind abgesagt, sogar Deutschlands größtes Heavy-Metal-Treffen in Wacken fand nur als virtuelle Sause statt. Doch mit einem Hygienekonzept und einer etwas kleineren Auflage als im Vorjahr hat das Orga-Team alle Hürden genommen. 

In das 115-Seelen-Dorf werden so am Wochenende 250 Besucher pilgern. Der Kartenverkauf lief in diesem Jahr ausschließlich über das Internet. Wer kein Ticket bekommen hat, muss sich bis nächstes Jahr gedulden. Es gibt keine Abendkasse. Seit einem Monat ist die Party ausverkauft.

Garderoben im ehemaligen Kuhstall

Allerdings werden die harten Gitarrenriffs und stampfenden Rhythmen weit über das Festivalgelände hinausschallen. Am Freitagabend teilen sich sieben Gruppen die Bühne, am Sonnabend rocken nochmals sechs Bands zwischen Grunge, Noise- und Stoner-Rock auf dem Vierseithof. Ihre Garderoben im Backstage befinden sich im ehemaligen Kuhstall.

„Wir versuchen, für die Konzerte regionale Bands zu bekommen. Manche davon haben wir selbst gesehen, andere melden sich bei uns“, sagt Axel Matz. Denn in der Metal-Szene hat sich herumgesprochen, dass es sich lohnt ins ostsächsische Rockfestival-Niemandsland zu kommen.

Die GPS-Daten bekommen die Bands trotzdem noch für die Anreise, schließlich gibt es in Sachsen gleich mehrere Zschornas – und die Musiker sollen ja auf der richtigen Bühne stehen. Für ihren Auftritt bekommen sie selbstverständlich eine Gage. Das Los-Pampos-Festival wird durch den Kulturraum und die Kulturstiftung Sachsen gefördert. Die Anträge für das kommende Jahr sind schon auf dem Weg. Schließlich soll dann das rockende Festwochenende in die nächste Runde gehen.

Der Koch kommt fürs Festival extra aus Berlin

Doch das ist Zukunftsmusik. Jetzt geht es erstmal um das aktuelle Los Pampos. Gleich mehrere Helfer zwischen 17 und 50 Jahren stehen bereit. Es müssen noch Zäune gestellt, der Backstage- und Workshop-Bereich eingerichtet und die Bühne zu Ende aufgebaut werden. Damit beim Headbangen niemand hungern muss, kümmert sich Sebastian Knöschke mit seinem Team um Wildschwein-Burger, Gulaschsuppe und „Mischwurst“ aus dem Kessel. „Es ist ein Oberlausitzer Wildschwein, frisch geschossen“, sagt der Koch, der normalerweise in Berlin stellvertretender Küchenleiter ist.

Wie Sebastian Knöschke nimmt sich auch der feste Kern der alten Dorfjugend-Clique fürs „Los Pampos“ ein paar Tage frei. Neben ihrer Leidenschaft für Musik und dem Wunsch, etwas gemeinsam auf die Beine zu stellen, bedeuten die Festival-Tage in Zschorna immer Erinnerungen, und der Geschmack der Unbeschwertheit kehrt zurück. „Eigentlich machen wir das hier alles ein bisschen für uns“, sagt der Festival-Verpflegungschef. Dann steht er auf. Seine Aufmerksamkeit bekommt nun die neue Gulaschkanone. Das Holz zum Anheizen liegt bereit. Jetzt fehlen nur noch die harten Gitarrenriffs.

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