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Bautzen

Bautzen: 1.300 Stimmen gegen Bismarck-Denkmal

Eine Petition gegen die Wiedererrichtung des Denkmals auf dem Czorneboh wurde bereits vielfach unterzeichnet. Und es melden sich weitere Kritiker zu Wort.

Die Stadt Bautzen will das Bismarck-Denkmal auf dem Czorneboh im Stadtwald wieder errichten lassen. Das stößt auf immer mehr Kritik.
Die Stadt Bautzen will das Bismarck-Denkmal auf dem Czorneboh im Stadtwald wieder errichten lassen. Das stößt auf immer mehr Kritik. © SZ/Uwe Soeder, privat

Bautzen. Mehr als 1.300 Menschen haben bis zum Donnerstag eine Petition gegen die Pläne der Stadt Bautzen, das Bismarck-Denkmal im Stadtwald auf dem Czorneboh wiederaufzubauen, unterzeichnet. Gestartet wurde die Petition Anfang November.

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Die Initiative, das Denkmal wieder zu errichten, geht zurück auf den AfD-nahen Verein Bautzener Liedertafel. Er will das Denkmal auf eigene Kosten aufstellen lassen – und dann der Stadt schenken. Der Hauptausschuss des Bautzener Stadtrates hatte sein Okay dafür gegeben.

Seit das bekannt geworden ist, hagelt es Kritik. Im Stadtrat haben die Linken und die Grünen indes einen Antrag eingebracht, dass der Beschluss des Hauptausschusses wieder aufgehoben werden soll. Daran knüpfen die Petenten an – und unterstützen diese Forderung.

Kritik kommt auch von Sachsens SPD-Vorsitzender

Unterdessen melden sich weitere Kritiker zu Wort. So sagt die sächsische Landesvorsitzende der SPD und Bundestagsabgeordnete aus Kamenz, Kathrin Michel: „Mit Bismarck verbinde ich unter anderem Blut und Eisen, Zuckerbrot und Peitsche sowie die Sozialistengesetze.“ Bismarck habe „Andersdenkende mit gezielten Aggressionen diffamiert, wollte Minderheiten assimilieren und hat Katholiken genau wie Sozialdemokraten und Gewerkschafter verfolgt und ins Exil gepresst.“

Auch der sorbische Jugendverein Pawk kritisiert die Pläne. Bei der Hauptversammlung der Jugend europäischer Volksgruppen habe der Verein deshalb eine Resolution eingereicht, die sich gegen das Aufstellen des Denkmals ausspricht. Die sorbische und die polnische Minderheit in Deutschland seien unter Bismarck ständigen Repressalien ausgesetzt gewesen.

„Sorbischer und polnischer Schulunterricht wurden verboten, Vereine überwacht und Veranstaltungen untersagt. Diese Politik Bismarcks wirkt sich bis heute auf die Entwicklung der sorbischen Minderheit aus.“ Als sorbischer Verein finde man die Entwicklung besorgniserregend. Die Versammlung habe beschlossen, sich gegen die Pläne zu stellen – und stattdessen die Idee einer Würdigung des sorbischen Schriftstellers Jurij Brězan zu unterstützen.

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Auch aus frauenpolitischer Sicht „sendet die Neuerrichtung eines preußischen Feldherrendenkmals im Jahr 2021 ein fatales geschichtspolitisches Signal“, erklärt indes der sächsische Landesfrauenrat. „Das Bismarck'sche Kaiserreich zeichnete sich durch eine höchst illiberale, anti-emanzipatorische Frauenpolitik aus. Frauen waren vom Wahlrecht ausgeschlossen und durften sich nicht in politischen Parteien und Vereinigungen engagieren.“ Der Zugang zu höherer Bildung und Universitäten sei Frauen damals verwehrt geblieben. Der Landesfrauenrat schließe sich deshalb dem breiten gesellschaftlichen Widerspruch gegen die Denkmalpläne an.

Die Petition ist hier zu finden.

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