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Bautzen: Mehr Müll durch Corona

Essenbox statt Gaststätte, Paket statt Einkauf, neue Möbel statt Urlaub - da kommt einiges an Abfällen zusammen. Das spüren die Entsorger im Kreis Bautzen.

Seit Beginn der Corona-Pandemie wandert im Landkreis Bautzen mehr Müll als zuvor in die gelbe Tonne, auch fällt viel mehr Pappe an.
Seit Beginn der Corona-Pandemie wandert im Landkreis Bautzen mehr Müll als zuvor in die gelbe Tonne, auch fällt viel mehr Pappe an. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Schon wieder ist ein Container voller Pappe. "Das geht Schlag auf Schlag", sagt der Staplerfahrer im Wertstoffhof an der Bautzener Zeppelinstraße. Hier nimmt das Entsorgungsunternehmen Veolia nahezu alles an, was früher den Sammelbegriff Sekundärrohstoffe trug. Für Altpapier zahlt Veolia einen kleinen Obolus, für Pappe gibt es nichts. Müsste der Konzern auch für Pappe zahlen, würde er vermutlich schnell arm.

Das gleiche Bild wie im Wertstoffhof zeigt sich auch an den gelben Behältern für Verpackungen, den Tonnen für Hausmüll und den Containern für Pappe und Knüllpapier: Sie füllen sich schneller als gewohnt. Der Bundesverband der Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE) hat errechnet, wie viel Müll deutsche Privathaushalte seit Corona mehr produzieren. Demnach stieg 2020 die eingesammelte Menge von Plaste, anderen Leichtverpackungen sowie Glas um jeweils rund sechs Prozent.

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Zehn Prozent mehr Sperrmüll in der Oberlausitz

Zahlen des Regionalen Abfallverbandes Oberlausitz-Niederschlesien (Ravon) bestätigten das. Demnach fielen 2020 in der Region fast 2.200 Tonnen mehr Hausmüll an als 2019, ein Plus von rund 3,6 Prozent. Die Menge an Sperrmüll stieg gar um gut zehn Prozent, rund 2.000 Tonnen mehr als 2019, berichtet Geschäftsführer Roman Toedter.

Die Gründe liegen auf der Hand. Statt auch mal in der Gaststätte essen die Leute nur noch zu Hause. Essen wird in Wegwerfbehältern angeliefert oder geholt. Möbel, Mode und mehr kommen im Versandhauskarton, statt aus dem Geschäft nebenan. Und wenn schon keine Urlaubsreise geht, dann wenigstens eine neue Anschaffung für den Haushalt. Dafür fliegt dann etwas anderes in den Sperrmüll.

Das spürt Veolia im Landkreis Bautzen ganz genau, berichtet Unternehmenssprecherin Nadine Schaer. Der Konzern mit Sitz in Hamburg erledigt in Großteilen des Landkreises und in der Stadt Bautzen die Abfuhr von Restabfall, Bioabfall, Altpapier und Sperrmüll sowie die Leerung der Gelben Tonnen.

"Bei der Sammlung der Abfälle aus privaten Haushalten haben wir in den vergangenen Monaten generell einen Anstieg der Mengen festgestellt", erklärt Nadine Schaer. "Vor allem bei Sperrmüll und Altpapier sowie bei den Abfällen aus der Gelben Tonne ist die Mengensteigerung besonders deutlich ausgefallen."

So fielen im vergangenen Jahr im Landkreis Bautzen allein rund 330 Tonnen mehr Sperrmüll an als 2019. Mitarbeiter von Veolia rückten 2020 etwa 670-mal mehr zu Sperrmüllsammlungen aus als im Jahr davor. "Im Januar 2021 wurden noch einmal deutlich mehr Sperrmülltouren gefahren", sagt die Sprecherin.

Zu Hause mehr Abfall, keiner bei Veranstaltungen

Das Abfallamt des Landkreises bestätigt den Trend. Hier gehen die Karten aus dem Abfallkalender ein, mit denen Einwohner die Abholung von Sperrmüll beantragen können. "Einen stetigen Anstieg beim Thema Sperrmüll verzeichnen wir schon länger, sowohl bei der Anzahl der Karten als auch bei der eingesammelten Menge", sagt Pressesprecherin Mandy Noack vom Bautzener Landratsamt. "Der Unterschied 2020 zu 2019 ist jedoch deutlich größer als der Unterschied bei Vorjahresvergleichen."

Vom Sperr- zum Restmüll: Auch hier sind die Mengen im Landkreis 2020 gestiegen, bestätigt Mandy Noack. Sie lägen jedoch unter der Menge von 2017. Das Landratsamt sieht Corona deshalb "nur sehr eingeschränkt als Ursache" für den Anstieg im vergangenen Jahr. "An einigen Stellen fällt vielleicht mehr Abfall an, zum Beispiel durch geschlossene Gastronomie und die Mitnahme von Speisen und Getränken in Wegwerfverpackungen. An anderen Stellen ist er dafür nicht entstanden - zum Beispiel bei abgesagten Veranstaltungen, Weihnachtsmärkten oder Silvesterpartys." Statistisch erfassen lasse sich das aber nicht.

Weggeworfene Verpackungen verschandeln das Stadtbild

Sorgen Privathaushalte jetzt für mehr Müll, so fällt gleichzeitig im gewerblichen Bereich weniger an. Nadine Schaer von Veolia erklärt das damit, dass "Geschäfte, Restaurants und produzierende Unternehmen zeitweise schließen mussten oder im reduzierten Betrieb gelaufen sind. Dort sind weniger Abfälle angefallen."

Die Gesamtmenge aller Abfälle sei somit etwa konstant geblieben - aber die Herkunft habe sich auf den privaten Bereich verschoben. "Sobald Geschäfte wieder öffnen können, Unternehmen den Normalbetrieb aufnehmen und weniger Menschen von zu Hause aus arbeiten, rechnen wir damit, dass sich das Aufkommen im privaten und gewerblichen Bereich jedoch wieder langsam normalisieren wird", sagt die Veolia-Sprecherin.

Zusätzliche Abfuhrtouren erachtet Veolia nicht als nötig. Bisher sei es noch immer gelungen, die zusätzlichen Mengen mit zu entsorgen.

Dafür hat die Stadtreinigung jetzt mehr zu tun, berichtet Linda Krause von der Beteiligungs- und Betriebsgesellschaft Bautzen (BBB). Im Stadtbild fänden sich "zunehmend Abfälle wie Einwegverpackungen für Lebensmittel. Die Entsorgung von Biomüll in städtischen Abfallbehältern steigt ebenfalls deutlich an, aber auch Abfälle von Hygieneprodukten landen vermehrt in den städtischen Abfallbehältern."

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