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Bautzen: Für neue Feuerwache fehlt das Geld

Die Kameraden in Salzenforst warten schon seit Jahren auf ein neues Gerätehaus - jetzt steht das gesamte Projekt auf der Kippe.

Die Feuerwache in Salzenforst ist viel zu klein und entspricht schon lange nicht mehr den aktuellen Sicherheitsvorschriften, sagt Ortswehrleiter Olaf Steinborn.
Die Feuerwache in Salzenforst ist viel zu klein und entspricht schon lange nicht mehr den aktuellen Sicherheitsvorschriften, sagt Ortswehrleiter Olaf Steinborn. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Es sind die Einsätze an der A 4, die Einsätze an einer gefährlichen Kreuzung in Salzenforst – oder auch die Großeinsätze, bei denen die Bautzener Berufsfeuerwehr an ihre Grenzen kommt. So einen gab es im Februar 2020 in der Bautzener Spreegasse. Dort brannte es im Keller eines Industriegebäudes, siebeneinhalb Stunden lang dauerte der Einsatz. „Bei diesen Einsätzen“, so erklärt Markus Bergander, Leiter der Bautzener Berufsfeuerwehr, „ist die Freiwillige Feuerwehr in Salzenforst wirklich wichtig.“

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Bei den Einsätzen, die in der Nähe der Salzenforster Feuerwehr stattfinden, sind die Kameraden oft als erste am Einsatzort. Leisten schnell erste Hilfe; die Berufsfeuerwehr allein könnte in den Randlagen Bautzens gar nicht so schnell ankommen, erklärt Markus Bergander. Und die Großeinsätze, die könnte die Berufsfeuerwehr alleine auch gar nicht bewältigen. Bei der Bedarfsplanung der Berufsfeuerwehr werden die Ehrenamtlichen fest mit einkalkuliert.

Um zu erklären, warum die Salzenforster Feuerwehr wichtig ist für die Stadt, muss Markus Bergander also nicht lange überlegen. Doch es gibt ein Problem: Die Wache ist veraltet – und eine Lösung ist in weite Ferne gerückt.

Gesundheits-Gefahr für die Kameraden

Seit Jahren drängen die Kameraden auf eine neues Gerätehaus. Und schon lange will die Stadt Bautzen auch in ein modernes Gebäude investieren. Der Haken: Die Stadt hat dafür auf Fördermittel aus dem Fond, der zur Abfederung des Kohleausstiegs bereit steht, gesetzt. Und dafür gab es in diesem Sommer nun eine Abfuhr. Das Projekt der neuen Feuerwache steht damit auf der Kippe.

Dabei wäre das neue Gebäude wirklich wichtig, erklärt der Salzenforster Ortswehrleiter Olaf Steinborn. „Das Gebäude entspricht nicht mehr den aktuellen Sicherheitsvorschriften“, sagt er. Da geht es zum Beispiel sogar um so wichtige Themen wie die Gesundheit der Ehrenamtlichen. Denn derzeit gibt es für jeden Kameraden nur einen Kleiderhaken – an dem wird die Alltagskleidung ebenso aufgehängt wie die Feuerwehrausrüstung.

Das Problem: Im Einsatz benutzte Feuerwehrkleidung gast oft aus. Durch die Giftstoffe steigt das Risiko für die Einsatzkräfte, an Krebs zu erkranken. Um sich etwas besser zu schützen, müssten die Kameraden Einsatz- und private Kleidung deshalb räumlich trennen. Das ist in dem Gebäude aber nicht möglich. Es mangelt schlichtweg an Platz.

So beengt ist es, dass die Feuerwehrkräfte das Feuerwehrauto erst einmal aus der Garage fahren müssen, bevor sie sich überhaupt für den Einsatz ankleiden können. „Dabei geht wichtige Zeit verloren“, sagt Olaf Steinborn.

Für ein neues Feuerwehrauto wäre die Halle zu klein

Aber nicht nur das bereitet dem Feuerwehrmann, der in seiner Arbeitszeit Einsätze für die Berufs- und in seiner Freizeit für die Freiwillige Feuerwehr fährt, Sorge. Denn gerade, so erzählt er, fühlt es sich für ihn ein bisschen an, wie ein Rennen gegen die Zeit. Das Feuerwehrauto stammt aus dem Jahr 2005. „Wir hoffen, es hält noch eine Weile durch“, sagt er. Denn moderne Feuerwehrautos sind größer als dieses. Sie würden nicht mehr ins Gebäude passen. „Wir hoffen, dass wir nicht, während wir noch in diesem Gebäude sind, ein neues Fahrzeug anschaffen müssen – und wegen der Halle nur ein kleineres nehmen können“, sagt er.

Von der Geschichte der Feuerwache weiß der Salzenforster Ortsvorsteher Manfred Kieschnik (CDU) zu berichten. „Das Gebäude hier stammt aus den 80er-Jahren“, sagt er. Es habe sich damals um eine einfache Garage gehandelt. „Ende der 90er-Jahre war die Gemeinde pleite, aber die Feuerwehr brauchte dringend ein neues Gebäude.“ Damals sind die Feuerwehrleute von Bloaschütz nach Salzenforst umgezogen und haben das Gebäude in Eigenleistung eingerichtet.

Nun reicht die Stellfläche aber nur noch für ein Fahrzeug, statt für beide, die die Feuerwehr hat. Es gibt nur eine Dusche, nur zwei Toiletten für 24 Einsatzkräfte. Schon für das neue Fahrzeug im Jahr 2005 musste angebaut werden. Ein weiterer Anbau sei aber nicht mehr möglich.

Finanzbürgermeister: "Das Geld ist knapp"

Der Stadt sind diese Probleme bewusst. Versprochen hat sie der Feuerwehr Salzenforst deshalb ein modernes Gebäude nach dem Vorbild der Feuerwehr in Niederkaina. Die Fläche dafür hat die Stadt bereits gekauft; der Stadtrat hatte den Kauf der Fläche und auch den Bau des neuen Feuerwehrgerätehauses bereits beschlossen. Mit Kosten von etwa 1,6 Millionen Euro – ähnlich wie in Niederkaina – kalkuliert die Stadt derzeit.

Nur: Ob und wann es losgeht, ist eben völlig offen. Ursprünglich war von einem Baustart im Jahr 2022 die Rede. Die Fördermittelabfuhr aus dem Kohlefonds nun wirft die Stadt zurück. Begründet hat die Sächsische Agentur für Strukturentwicklung (SAS) die Absage damit, dass bei diesem – wie auch zwei anderen Bautzener Projekten – „noch nicht der jeweilige Beitrag und Nutzen für den Strukturwandel ausreichend dargelegt“ werden konnte.

„Ich finde das bedauerlich, uns wurden da falsche Hoffnungen gemacht“, sagt Bautzens Finanzbürgermeister Robert Böhmer. „Wir stehen vor umfangreichen Haushaltskonsolidierungen, das Geld ist knapp. Die Stadt muss nun Prioritäten setzen.“ Er erklärt: „Grundsätzlich bemühen wir uns um Fördermittel aus anderen Töpfen. Sicher ist aber, dass das Projekt nicht im selben Umfang gefördert werden kann.“

Im Zuge der Haushaltsdebatte müsse deshalb nun der Stadtrat entscheiden, wann und ob es weitergeht, so Böhmer. Die Planungsleistungen wird die Stadt trotzdem planmäßig ausschreiben – um die Kosten zu konkretisieren.

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