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„In Bautzen geht wenig voran"

Schulleiter Karsten Vogt will 2022 zur Oberbürgermeister-Wahl antreten. Was er an der derzeitigen Stadtpolitik kritisiert und wie er es besser machen will.

Von Theresa Hellwig
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Karsten Vogt ist in Bautzen als Schulleiter des Melanchthon-Gymnasiums bekannt, und er war auch einige Jahre CDU-Stadtrat. Nun möchte er Oberbürgermeister werden.
Karsten Vogt ist in Bautzen als Schulleiter des Melanchthon-Gymnasiums bekannt, und er war auch einige Jahre CDU-Stadtrat. Nun möchte er Oberbürgermeister werden. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Die Bundestagswahl ist durch – aber in Bautzen geht der Wahlkampf weiter. Im kommenden Jahr findet in der Stadt die nächste Oberbürgermeisterwahl statt. Für die SPD geht erneut Amtsinhaber Alexander Ahrens ins Rennen – für die CDU möchte Karsten Vogt, Schulleiter des Philipp-Melanchthon-Gymnasiums, zur Wahl antreten. Nominiert ist er noch nicht; der CDU-Stadtverband will das bis Mitte Januar per Briefwahl tun. Sächsische.de sprach mit Karsten Vogt über seine Ideen und Pläne für die Stadt.

Herr Vogt, Sie haben vor ziemlich genau zwei Jahren den Stadtrat verlassen. Nun wollen Sie sich zur OB-Wahl stellen. Woher der Sinneswandel?

Ich habe mich 2019 aus der Stadtpolitik zurückgezogen, weil für mich Ehren- und Hauptamt, also Stadtrat und Schulleitung, angesichts des Lehrermangels und der vielen notwendigen Umplanungen nicht mehr miteinander vereinbar waren. Ich hatte das Gefühl, ich würde auf zwei Hochzeiten tanzen – und konnte dem nicht mehr gerecht werden. Jetzt merke ich aber tief in mir, dass ich noch die ganze Zeit über Stadtpolitik und Stadtentwicklung nachdenke. Mir liegt unsere Stadt sehr am Herzen, deshalb habe ich mich für die Kandidatur entschieden.

Es hieß damals, dass es interne Querelen in der CDU gebe, als Sie aus der Fraktion ausgetreten sind…

Das wurde damals kolportiert. Die Querelen gab es aber nicht.

Haben Sie die CDU-Fraktion jetzt hinter sich?

Zu der Nominierung bin ich seit Monaten unter Einbeziehung der Fraktion mit dem CDU-Stadtverband im Gespräch.

"Der Stadt mangelt es derzeit an Prioritäten"

Was wollen Sie in der Stadt bewegen?

Viele Bürger sind mit der Stadtentwicklung nicht zufrieden: In Bautzen geht wenig voran. Wir stellen beispielsweise viele Anträge im Strukturwandel – sind da aber wenig erfolgreich. Das Problem ist: Der Stadt mangelt es derzeit an Prioritäten. Es laufen gerade ganz viele Themen, und es werden alle gleichrangig geführt. Das ist für die Entwicklung einer Stadt schädlich. Das will ich angehen – gemeinsam mit dem Stadtrat.

Welche Themen sind Ihnen da wichtig?

Wir müssen für die Stadt dringend vielfältige Gewerbeflächen und Wohnstandorte entwickeln, um das weitere Schrumpfen von Bautzen zu verhindern.

Sie kritisieren, dass in Sachen Strukturwandel wenig vorangeht in Bautzen. Was hätten Sie anders gemacht?

Nehmen wir doch einmal das Beispiel Sanierung der Schiller-Kita. Oder auch die Feuerwache in Salzenforst. Beides hat die Stadt als Strukturwandelprojekt eingereicht. Die Projekte haben aber nichts mit dem Strukturwandel zu tun. Anstehende Sanierungsmaßnahmen müssen anders gelöst werden. Es geht darum, dass wir Arbeitsplätze in der Region schaffen. Dafür dürfen wir uns nicht nur auf die Stadt Bautzen beschränken, sondern müssen dies überregional denken. Uns vernetzen, sowohl im Bereich Tourismus als auch im Bereich der Wirtschaft.

Die Schiller-Kita, die Allendeschule, die Feuerwache in Salzenforst, eine neue Turnhalle – alles wichtige Projekte, die auf Eis liegen. Wie wollen Sie die voranbringen?

Die Stadt muss priorisieren. Ich verbreite nicht die Illusion, dass wir das alles schnell lösen können. Selbst wenn wir Fördertöpfe finden, um die Projekte zu finanzieren – wir brauchen dafür auch Planungskapazität in der Verwaltung. Zu lange haben wir uns hier verzettelt, weil die Themen parallel laufen.

"Die Stadt muss Bauflächen auch selbst entwickeln"

Was sind Ihre Prioritäten?

Neben den bereits angesprochenen wichtigen Themen möchte ich, dass die notwendige Dreifeldhalle für Schul- und Vereinssport endlich gebaut wird. Auch ein aktiver Bürgerdialog ist mir besonders wichtig, denn die Bautzenerinnen und Bautzener sollen ihre Stadt gemeinsam mit gestalten.