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Trauer um Renate Bohot

Die langjährige Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Bautzen ist gestorben. Sie bleibt in Erinnerung mit ihrer Herzlichkeit und ihrem Engagement für die Region.

Die langjährige Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Bautzen, Renate Bohot, ist gestorben.
Die langjährige Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Bautzen, Renate Bohot, ist gestorben. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Ihre Fröhlichkeit war ansteckend. Zu jeder noch so zufälligen Begegnung brachte Renate Bohot ihr Herz und ein ehrliches Lachen mit – egal, ob man sie beim Spazierengehen an den Niederguriger Teichen direkt vor ihrer Haustür traf oder beim Glühwein-Verkauf in der Rotary-Hütte auf dem Bautzener Wenzelsmarkt oder einfach irgendwo in der Stadt. Ihr Wirken verbanden viele weit über ihren Ruhestand hinaus mit ihrer Tätigkeit als Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Bautzen. Sie war nicht nur die Chefin, sie war auch das Gesicht des kommunalen Kreditinstituts. Mit 68 Jahren ist Renate Bohot jetzt plötzlich und unerwartet gestorben.

Mit Bestürzung haben Freunde und Wegbegleiter die Nachricht aufgenommen. Neben ihrer Lebensfreude wird Renate Bohot mit ihrer Verlässlichkeit in Erinnerung bleiben. Ihr Wort galt. Als Bank-Chefin hat sie zwischen 2002 und 2013 ein Jahrzehnt lang das Profil der Kreissparkasse Bautzen geprägt. Besonders lag der Betriebswirtin die Unterstützung regionaler Initiativen und Vereine am Herzen. Unter ihrer Verantwortung wurde 2005 die Sparkassen-Stiftung für den Landkreis Bautzen gegründet, deren Erträge in die Förderung von Kunst, Kultur, Jugend, Sport und soziale Zwecke fließen. Schon vier Jahre vorher entstand auf ihre Initiative hin der Talente-Wettbewerb „Lampenfieber“ für Kinder und Jugendliche.

Berufsstart in Großdubrau

Renate Bohot stand für die Kreissparkasse Bautzen, und die Kreissparkasse stand für ihr Berufsleben. Durch Zufall beginnt die 16-Jährige 1969 eine Ausbildung zum Bankkaufmann in der Sparkasse. Die weibliche Berufsbezeichnung wird erst sehr viel später eingeführt. Ihre erste Station ist die Filiale in Großdubrau. Ihr damaliger Ausbilder prägt sie: „Er fühlte sich für die Kunden verantwortlich“, erinnerte sie sich später in einem Gespräch an ihn. Nach der Lehre beginnt sie ein Finanzökonomie-Studium an der Fachschule Gotha. Nach der Geburt des ersten Sohnes wechselt sie zum Fernstudium, während sie als junge Mutter bereits wieder in der Kreditabteilung arbeitet.

Dann kommt die politische Wende. Die Zeit nach 1989 gehörte wohl zu Renate Bohots spannendsten Berufsjahren. Auf einmal brauchen alle ein Konto, um aus Ostgeld Westgeld zu machen. Zur Währungsunion stapelt sich bergeweise die wertlose DDR-Währung in der Kreditabteilung. Doch die Mitarbeiter müssen nach vorn schauen, sofort am Markt agieren. Die Zeichen stehen auf Aufbruch – auch für Renate Bohot.

Sie lernt von Heidelberger und Wormser Sparkassen-Kollegen, die nach Bautzen abgeordnet werden. 1991 wird sie in den Vorstand der Kreissparkasse berufen. „Es hat in meinem Leben immer Leute gegeben, die mir vertraut haben. Ich hatte dazu Glück, war zur rechten Zeit am rechten Ort und bekam zusätzlich noch eine Riesenchance“, berichtete sie später in einem SZ-Interview.

In der Bankenwelt eine Seltenheit

Für den Beruf bei der Bank brauche es Menschenkenntnis, ein gutes Einschätzungsvermögen und Interesse für das Gegenüber – das war Renate Bohots Credo. Im April 2002 wurde die Mutter von zwei mittlerweile erwachsenen Söhnen Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse. Frauen in Führungspositionen - das ist auch damals noch eine Seltenheit in der Bankenwelt. Es ging mit Mut ins kalte Wasser. Ihr Job habe ihr aber „immer Spaß gemacht“ bis zum Ruhestand.

Ihre Karriere war begleitet vom Wissen, dass die Familie oft zu kurz gekommen ist: zwischen Kreisgebietsreform und der Zusammenführung von zwei Sparkassen, zwischen Euro-Umstellung und täglichem Bank-Geschäft. Sie konnte diesen Weg gehen, das wusste sie, weil ihre Lieben ihr immer den Rücken freigehalten haben.

Den Ruhestand wollte die begeisterte Radfahrerin und Wanderin deshalb vor allem im Kreis der Familie verbringen. Auch ihr soziales Engagement setzte die frühere Sparkassenchefin fort. Während ihrer Präsidentschaft kümmerte sich der Rotary Club Bautzen-Budyšin 2014 unter anderem um die Restaurierung des Abendmahlbilds im Dom St. Petri. Ihr Optimismus, ihr Lebensmut waren mindestens genauso ansteckend wie ihre Fröhlichkeit. Renate Bohot würde es mögen, wenn ihre Freunde und Wegbegleiter sie genauso in Erinnerung behalten.

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