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Sorbisches Ensemble probt bald für alle sichtbar

Für zweieinhalb Millionen Euro wird das Domizil der Künstler in Bautzen modernisiert und erweitert. Davon profitieren auch die Besucher.

In die noch offenen Wände hinter Stefan Zuschke vom Sorbischen National-Ensemble werden bald Glasscheiben eingesetzt. Spaziergänger sollen dann dem Ensemble beim Proben zuschauen können.
In die noch offenen Wände hinter Stefan Zuschke vom Sorbischen National-Ensemble werden bald Glasscheiben eingesetzt. Spaziergänger sollen dann dem Ensemble beim Proben zuschauen können. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Noch ist wenig Auffälliges zu spüren, wenn man sich über den Betonboden im neuen Anbau am Gebäude des Sorbischen National-Ensembles SNE in Bautzen bewegt. Auch die Schritte sind deutlich zu hören, als Stefan Zuschke, der beim SNE für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, und Seraphine Paschke von der Stiftung für das sorbische Volk durch den Raum gehen. Kein Wunder: Das, was den Boden in Zukunft so besonders macht, ist auch noch nicht eingebaut.

„Hier wird bald ein Tanzboden verlegt“, erklärt Seraphine Paschke. Er soll die Stöße abfangen, wenn die Ballett-Tänzer des Ensembles hier über den Boden gleiten, schweben, tanzen. Ihre Gelenke schonen.

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Der Raum, der hier entsteht, ist einer von mehreren neuen für das Sorbische National-Ensemble in Bautzen. Seit Herbst 2020 werkeln hier die Bauarbeiter. Für insgesamt 2,55 Millionen Euro wird das alte Gebäude umgebaut und bekommt einen Anbau. Einen Großteil davon finanziert der Freistaat, auch Teile der sogenannten SED-Millionen aus dem Vermögen von Parteien und Massenorganisationen der DDR sind in das Projekt geflossen. Dazu kommt für die Stiftung ein Eigenanteil von etwa 396.000 Euro.

So sah das Sorbische National-Ensemble vor dem Umbau aus.
So sah das Sorbische National-Ensemble vor dem Umbau aus. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder
So sieht es dort jetzt aus: Unten probt schon bald der Chor, oben die Ballett-Tänzer.
So sieht es dort jetzt aus: Unten probt schon bald der Chor, oben die Ballett-Tänzer. © SZ/Uwe Soeder
In die offenen Seiten des Ballettsaals sollen schon bald große Scheiben eingesetzt werden.
In die offenen Seiten des Ballettsaals sollen schon bald große Scheiben eingesetzt werden. © SZ/Uwe Soeder
So soll das Sorbische National-Ensemble dann aussehen, wenn alles fertig ist.
So soll das Sorbische National-Ensemble dann aussehen, wenn alles fertig ist. © Visualisierung: Stefan Mundt

Der neue Ballettsaal entsteht dabei in der zweiten Etage des neuen Anbaus. Und nicht nur der Tanzboden ist an ihm besonders. Auch die Wände sind es – oder besser gesagt: Sie werden es sein. Noch ist der Raum zu zwei Seiten offen, der Wind zieht durch den Saal. Aber schon in den nächsten Wochen sollen hier Scheiben eingebaut werden. Der Ballettsaal wird an diesen beiden Seiten komplett verglast.

Vom Lauengraben aus werden Spaziergänger den Tänzern beim Proben zusehen können. „Die Idee ist: Die Leute sollen sehen, dass hier etwas passiert. Es soll einladend wirken und neugierig machen“, erklärt Seraphine Paschke. Auch eine Etage tiefer werden die beiden Seiten verglast. Dort werden in Zukunft die Sängerinnen und Sänger des Chors proben.

Bis es so weit ist, vergeht aber noch einiges an Zeit. Ende 2022 sollen die Arbeiten abgeschlossen werden. Gerade werkeln die Arbeiter noch am Rohbau des Anbaus. Im August sollen die großen Scheiben und Fenster eingesetzt werden. Im September geht es an die Fassadenarbeiten des Südtraktes.

Platzprobleme werden beseitigt

Und nicht nur der Chor- und der Ballettsaal werden neu gemacht. Denn hinter den beiden Sälen warten noch viele kleinere Räume auf die Bauarbeiter. Räume, in denen sich die Musiker einspielen können; Masken- und Umkleideräume; Instrumentenlager. Es gibt noch einiges zu tun.

Auch im Bereich des großen Saals werden Arbeiten vorgenommen – wenn auch nur kleineren Ausmaßes. „Er bekommt einen neuen Haupteingang“, sagt Seraphine Paschke. Denn wenn früher Gäste zu einer Vorstellung zu spät kamen, standen sie quasi direkt vor der Bühne, waren für alle Leute zu sehen, störten die Vorstellung. Das soll durch die neue Lösung besser werden.

Überhaupt wird alles etwas geräumiger. Das war auch das Ansinnen des Sorbischen National-Ensembles und der Stiftung für das sorbische Volk, als es an die Planung der Bauarbeiten ging. Fehlender Platz war vorher ein großes Problem, berichtet Stefan Zuschke. „Es war alles zu eng“, sagt er. Das betrifft die Proberäume, das betrifft aber auch den Eingangsbereich des Theaters.

Kein Stau mehr an der Jackenausgabe

„Früher hat es sich bei der Jackenausgabe immer gestaut“, erklärt er. Zwar hätte es an der Ausgabe zwei Mitarbeiter gegeben, es war aber nur für eine Schlange Platz. Jetzt wird der Eingangsbereich vergrößert – um den ehemaligen Chorprobenraum. Und er wird ebenfalls verglast. „Es soll alles etwas ansehnlicher und moderner werden“, sagt Zuschke. „Man soll uns als Theater wahrnehmen.“

Noch klafft dort, wo bald ein Eingangsbereich entsteht, ein Loch im Boden. Ein Gerüst steht vor dem neuen Anbau. Kahler Betonguss ziert den Boden der Instrumentenräume und der Maske. Rohre und Kabel hängen und ragen aus Decke und Wänden. Um die Tänzer, Sänger und Musiker vor dem inneren Auge zu sehen, bedarf es noch einiges an Fantasie.

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Dennoch: Die Künstler können es kaum erwarten, berichtet Stefan Zuschke. Gerade proben das Ballett und das Orchester in den ehemaligen Theaterstätten auf der Wilthener Straße. Der Chor singt seine Lieder im Ballettsaal des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters. „Die Übergangslösung ist für einige Künstler schwer“, sagt Stefan Zuschke. „Die Künstler der unterschiedlichen Sparten sehen sich nicht viel – und sie proben immer nur im fremden Haus.“ Sicher, es handele sich beim Sorbischen National-Ensemble ohnehin auch um ein Reise-Ensemble. „Wir sind schon immer viel unterwegs“, sagt Zuschke. „Aber wir freuen uns ungemein auf unsere eigene Spielstätte, unsere eigene Bühne.“

Vor allem auf eines freut sich das Ensemble: Die Einrichtung ist 1952 gegründet worden. Kommendes Jahr feiert sie also 70-jähriges Bestehen. „Wir hoffen“, sagt Stefan Zuschke, „dann erste Konzerte im neuen Haus spielen zu können.“

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