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Bautzen: Steht dieses Klo bald am Stausee?

Die Gemeinde Boxberg will ein Toilettenhäuschen für wenig Geld abgeben. Es gab Gespräche mit der Stadt Bautzen – doch die hat eine Frist verstreichen lassen.

Der Toilettencontainer am Klittener Ufer des Bärwalder Sees könnte schon bald der Stadt Bautzen gehören - aber sie will ihn nicht.
Der Toilettencontainer am Klittener Ufer des Bärwalder Sees könnte schon bald der Stadt Bautzen gehören - aber sie will ihn nicht. © Constanze Knappe

Bautzen. Die sonnigen Herbsttage laden zum Spaziergang am Bautzener Stausee ein. Vielleicht mit einer Packung Kekse und einer Thermoskanne im Gepäck – für ein kleines Picknick. Unschöner ist, was folgt, wenn die Teetasse vielleicht ein wenig zu groß war – und die Blase drückt. Denn ein öffentliches Klo am Stausee gibt es nicht. Immer wieder ist der Wunsch danach geäußert worden – aber passiert ist noch nichts, bislang verweist die Stadt auf die Toiletten der Ocean Beach Bar und des Hochseilgartens.

Und das, obwohl sich die missliche Lage jetzt hätte ändern können. Bereits bei der vergangenen Stadtratssitzung hatte FDP-Stadtrat Mike Hauschild angesprochen, dass die Stadt einen Toilettencontainer vom Bärwalder See bekommen könnte, den die Gemeinde Boxberg nicht mehr benötigt.

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Bautzener ließen sich das Klohäuschen zeigen

Es handelt sich dabei um einen mobilen Toilettencontainer mit Urinal, Herrentoilette und einer kombinierten Toilettenkabine für Damen und Menschen mit Behinderung. Zur Zeit steht das Klohäuschen an einem Radweg, ist öffentlich zugänglich. Es ist etwa zehn Jahre alt. Weil die Gemeinde Boxberg an der Stelle, wo jetzt die Toilette steht, 2021 ein neues Funktionsgebäude mit Klos und Duschen errichten will, wird das andere nicht mehr benötigt.

„Wenn ein entsprechendes Angebot eingeht, wollen wir dieses bewerten und in den kommunalen Gremien diskutieren“, heißt es vonseiten der Gemeinde Boxberg. Und weiter:„Die Stadtverwaltung Bautzen zeigt Interesse an der mobilen WC-Anlage. Wir stehen dazu im intensiven und konstruktiven Kontakt, ein konkretes Angebot gibt es aktuell noch nicht.“

Die Bautzener Stadtverwaltung bestätigt, dass sie den Toilettencontainer zu einem symbolischen Preis bekommen könnte. Mitarbeiter der Stadtverwaltung sind gemeinsam mit Mike Hauschild nach Klitten am Bärwalder See gefahren und haben sich die Toilette zeigen lassen. „Sicher, man müsste da ein bisschen umbauen und Sanierungsarbeiten durchführen“, sagt Mike Hauschild. Er ist aber überzeugt: Es würde sich dabei nicht um horrende Summen handeln. „Das wäre doch toll – wir könnten die kommende Stauseesaison dann mit einer Toilette einleiten“, sagt Hauschild. „Und diese Variante wäre sicher günstiger als ein Neubau.“

Container entspricht nicht den Vorstellungen der Stadt

Das Problem: Nach diesem Besuch ist nicht viel passiert. Die Frist für das Angebot ist Ende Oktober verstrichen, gemeldet hat sich die Stadt nicht bei der Gemeinde Boxberg. Warum?

„Die Verwaltung hat entschieden, kein Angebot zum Erwerb des Containers abzugeben“, teilt Laura Ziegler, Pressesprecherin der Bautzener Stadtverwaltung, mit. Die Entscheidung sei bereits im Oktober gefallen.

Weshalb? Der Container entspreche nicht den Vorstellungen der Stadt – in Bezug auf die Größe und auch auf die Raumaufteilung. Die Verwaltung sorgt sich zum Beispiel um Vandalismus; die Keramik-Toiletten und die Fenster im Container böten dafür Angriffsflächen. Außerdem laufen an dem Container Rohre entlang, die ebenfalls anfällig für Vandalismus sein könnten. All das würde die Unterhaltungskosten des Klohäuschens steigen lassen, so die Stadt.

Für neue Anlage könnte Fördergeld fließen

Und auch die Renovierungs- und Umbauarbeiten, die an dem Container nötig wären, schrecken die Stadt ab. „Die im Container befindliche Dusche müsste in eine weitere Toilette umgebaut werden“, teilt Laura Ziegler mit. Die hohen Kosten dafür scheut die Stadt. „Für den zehn Jahre alten Container würden für Transport sowie Renovierungs- und Umbauarbeiten nach ersten Schätzungen mindestens 26.000 Euro anfallen“, so Laura Ziegler.

Im Haushalt hatte Bautzen zwar alleine für dieses Jahr 100.000 Euro für die Stauseetoilette veranschlagt. Dennoch könne die Stadt mit dem Neubau einer Toilette günstiger wegkommen als mit dem Angebot der Gemeinde Boxberg, erklärt die Verwaltung. „Eine neue Toilette ist zu 90 Prozent förderfähig“, sagt Laura Ziegler. Der Anteil, den die Stadt dann noch selber zahlen müsste, würde zwischen 16.000 Euro und 20.000 Euro maximal liegen. Das sei mittlerweile recht sicher: „Die Fördermodalitäten sind durch die Verwaltung geklärt, die Leistungsbeschreibung liegt vor.“

Bedeutet das jetzt also, dass das Projekt Stausee-Toilette auf Eis liegt? Noch in diesem Dezember, erklärt Laura Ziegler, will die Stadt eine Entscheidung fällen, die Toilette am Stausee nun endlich zu errichten.

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