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Bautzener Südumfahrung: Diese Tiere leiden darunter

Anwohner kritisieren die Pläne zum Bau der Straße südlich von Bautzen. Sie argumentieren auch mit dem Eingriff in die Natur. Das sagt ein Gutachten dazu.

Die Zauneidechse, die Braune Langohr-Fledermaus, der Eisvogel und der Fischotter - sie alle wären vom Bau des zweiten Abschnitts der Bautzener Südumfahrung betroffen.
Die Zauneidechse, die Braune Langohr-Fledermaus, der Eisvogel und der Fischotter - sie alle wären vom Bau des zweiten Abschnitts der Bautzener Südumfahrung betroffen. © Fotos: SZ/Uwe Soeder, dpa, kairospress, Matthias

Bautzen. Statt Vogelgezwitscher Baulärm, statt dem leisen Plätschern der Spree das Rauschen von Autos – die Geräuschkulisse im Spreetal bei Bautzen könnte sich langfristig ändern. Denn sollte der zweite Bauabschnitt der Bautzener Südumfahrung tatsächlich gebaut werden, würde künftig bei Grubschütz eine Brücke über das Tal führen. Dass das dem Naturidyll nicht unbedingt zuträglich ist, darauf machen Anwohner schon lange aufmerksam. Sie sorgen sich um die Auswirkungen der Straße auf die Natur und auch auf die im Tal lebenden Tiere, darunter einige geschützte Arten. Aber welche genau? Sächsische.de hat das Artenschutzgutachten unter die Lupe genommen.

Wie schneidet das Projekt in dem Gutachten ab?

Im Artenschutzgutachten hat das Sächsische Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) analysiert, welche Tier- und Pflanzenarten durch den Bau der Straße beeinträchtigt würden. Für einige Tierarten, die dort leben, wo die Straße einmal verlaufen könnte, ist sich das Lasuv recht sicher: Wegen ihnen wird der Bau der Straße nicht verboten werden. Andere Tierarten wären jedoch stärker vom Bau der Straße betroffen. Das Lasuv hält in diesen Fällen Ausgleichsmaßnahmen für notwendig.

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Zwei mögliche Trassenvarianten für die Südumfahrung gibt es. Die stadtnahe Variante wäre aus Umweltsicht etwas günstiger, sagt das Lasuv.
Zwei mögliche Trassenvarianten für die Südumfahrung gibt es. Die stadtnahe Variante wäre aus Umweltsicht etwas günstiger, sagt das Lasuv. © SZ Grafik

Welche Probleme entstehen für die Tiere?

Laut Gutachten werden einige Arten besonders durch die Bauarbeiten beeinträchtigt. Gemeint sind Baulärm, Erschütterungen und Schadstoffe, die dabei in die Umwelt gelangen. Aber auch langfristig würden Umwelt und Tiere in der Region unter dem Straßenbau leiden. Das Gutachten nennt als Gründe die Neuversiegelung von Flächen und die Veränderung des Landschaftsbildes. Lebensräume der Tiere würden wegfallen. Außerdem würde die Straße den Naturraum quasi zerschneiden und damit ein Unfallrisiko für Tiere darstellen.

Welche Tierarten wären besonders betroffen?

Das Artenschutzgutachten ist lang. Es umfasst weit über 100 Tierarten. Bei knapp 40 davon hat das Lasuv Bedenken – und sie deshalb genauer analysiert.

Dem Gutachten zufolge wären zum Beispiel 31 Vogelarten besonders von dem Bau der Südumfahrung betroffen. Einige Namen klingen nach Fabelwesen. Der Flussregenpfeiffer wurde zum Beispiel in dem Baugebiet nachgewiesen. Auch die Turteltaube taucht in der Liste auf; sie gilt als gefährdete Art. Der Bienenfresser ist laut Sächsischer Roter Liste extrem selten, er könnte mit den fahrenden Autos zusammenstoßen.

Auch das Braunkehlchen gilt als extrem selten. Durch die Straße könnten seine Lebensräume verschwinden, heißt es im Gutachten. Es lebt zum Beispiel am Albrechtsbach. Dort ist auch der vom Aussterben bedrohte Kiebitz zu finden. Vor allem durch die südlicher verlaufende Trasse könnten die beiden Vogelarten beeinträchtigt werden. Der als gefährdete Art geltende Eisvogel könnte durch den Verkehrslärm in der Brutzeit gestört werden. Auch die Feldlerche gilt als empfindlich gegenüber dem Verkehr.

Aber nicht nur Vögel wären betroffen. So leben auch Fischotter im Spreetal. Auch sie gelten als gefährdet. Die Tiere wandern gerne nachts, heißt es in dem Gutachten. Sie würden vor allem dann leiden, wenn die Bauarbeiten für die Straße auch nachts durchgeführt werden.

Einige gefährdete Fledermausarten leben ebenfalls im Südumfahrungsgebiet. Darunter das Braune Langohr und die Fransenfledermaus, die auf der Vorwarnliste stehen. Außerdem das stark gefährdete Graue Langohr und die extrem seltene Teichfledermaus. Sie haben, so heißt es im Gutachten, sogenannte Zwischenquartiere im Spreetal, bei Preuschwitz, am Boblitzer Wasser. Ihre Quartiere könnten durch den Straßenbau zerstört werden. Außerdem könnten die Tiere mit dem Verkehr zusammenstoßen und sterben.

Auch die gefährdete Zauneidechse und der stark gefährdete Nachtkerzenschwärmer, eine Schmetterlingsart, leben dort, wo die Straße gebaut werden soll.

Was muss für die Tiere getan werden?

Um die Situation für die betroffenen Arten zu verbessern, müssten beim Bau der Südumfahrung einige Dinge beachtet werden. So müssten die Bauarbeiten streng überwacht werden, und sie sollten nur zu bestimmten Zeiten stattfinden. Bevor Bäume gefällt werden, müssten sie untersucht werden – um zu vermeiden, dass darin befindliche Tiere getötet werden. Es müssten Ersatz-Nisthilfen für diverse Tierarten geschaffen werden. Und es müsste Tabuzonen für die Bauarbeiten geben, beispielsweise am Boblitzer Wasser. Um die Unfallgefahr für die Tiere zu verringern, empfiehlt das Gutachten, am Straßenrand Schutzwände aufzustellen.

Was kritisieren die Anwohner?

Trotz der Ausgleichsmaßnahmen: Die Bürgerinitiative gegen die Bautzener Südumfahrung bleibt skeptisch. „Es gibt eine lange Reihe unterschiedlich stark geschützter Arten, die betroffen wären“, sagt Robert Matschie von der Bürgerinitiative. „Sorge bereitet uns besonders, dass das zusammenhängende Ökosystem des Spreetals zerschnitten wäre und damit für viele Arten nicht mehr als Lebensraum infrage kommt.“ Wirkungsvoller als Ausgleichsmaßnahmen, sagt er, „wäre es, die Straße einfach nicht zu bauen“.

Was sagt das Straßenbauamt dazu?

An den Planungen werde derzeit festgehalten, heißt es vonseiten des Lasuv. Die stadtnah verlaufende Trasse sei aus Umweltsicht etwas günstiger als die stadtferner verlaufende Trasse. Endgültig sei aber noch nichts. Auch die Artenschutzgutachten würden im Laufe des Planfeststellungsverfahren, mit dem Baurecht hergestellt werden soll, noch einmal aktualisiert.

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