merken
PLUS Bautzen

Bautzen verliert Bäcker-Ausbildung

Nun steht fest: Ab kommenden Schuljahr gilt die Berufsschulreform in Sachsen. Was das jetzt für die Azubis bedeutet – und wie der Landkreis Bautzen reagiert.

Marc Schleichert (l.), Jonas Menzel lassen sich derzeit in Bautzen zum Bäcker ausbilden, unter anderem von Rüdiger Bär (r.). Sie gehören damit zu den Letzten, die das hier vor Ort tun können.
Marc Schleichert (l.), Jonas Menzel lassen sich derzeit in Bautzen zum Bäcker ausbilden, unter anderem von Rüdiger Bär (r.). Sie gehören damit zu den Letzten, die das hier vor Ort tun können. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Lange hatten der Landkreis Bautzen und Politiker aus der Region dagegen gekämpft – nun ist es beschlossene Sache. Der Landkreis verliert seine Bäcker- und seine Friseurlehre. Das passiert im Zuge der Berufsschulreform, die das Sächsische Kultusministerium nun auf den Weg gebracht hat.

Was bedeutet die Berufsschulreform für den Kreis Bautzen?

Der Kreis Bautzen verliert eine ganze Reihe an Ausbildungsgängen. So zum Beispiel die Bäckerlehre und die Ausbildung für Bäckerei-Fachverkäufer. Beide Ausbildungsgänge werden künftig in Görlitz gelehrt. Auch seine Friseurlehre verliert der Kreis Bautzen. Köche und Fachkräfte für das Gastgewerbe werden künftig ebenfalls woanders ausgebildet, nämlich in Görlitz. Restaurant- und Hotel-Fachkräfte sollen künftig in Zittau ausgebildet werden. Und die Lehre zum Bankkaufmann oder zur Bankkauffrau soll nach Dresden umziehen.

Gesundheit und Wellness
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de

Immer gerne informiert? Nützliche Informationen und Wissenswertes rund um das Thema Gesundheit und Wellness haben wir in unserer Themenwelt zusammengefasst.

Aber Bautzen gewinnt auch. Neu bekommt der Kreis die Ausbildungen zum Elektroniker oder zur Elektronikerin für Betriebstechnik, zum Industrieelektriker und zum Mechatroniker.

Ab wann gilt die Berufsschulreform und was bedeutet das praktisch?

Die Berufsschulreform tritt zum 1. August 2021, also zum kommenden Schuljahr in Kraft. Ab dann finden viele Lehren andernorts statt. Für die Lehrlinge, die sich dann mitten in der Ausbildung befinden, bedeutet das zunächst keine große Änderung. Wie das Kultusministerium mitteilt, wird die Reform schrittweise durchgeführt. Im kommenden Schuljahr betrifft der Wechsel die Lehrlinge im ersten Ausbildungsjahr. „Alle bisherigen Auszubildenden können ihre Ausbildung am festgelegten Beschulungsort beenden“, sagt Ministeriumssprecherin Susann Meerheim.

Linke und AfD forderten, die Entscheidung zu vertagen. Was ist daraus geworden?

An der Reform gab es im Vorderfeld viel Kritik. Gleich zwei Landtagsfraktionen hatten Anträge eingereicht. Die AfD hatte gefordert, das Thema für ein Jahr auszusetzen. Die Linken wollten ebenfalls das Aufstellungsverfahren zum Schulnetzplan für die Berufsschulen ein Jahr aussetzen. Außerdem forderte die Fraktion einen runden Tisch. Wie Frank Peschel von der AfD-Landtagsfraktion mitteilt, habe seine Fraktion am Freitag im Landtag für den Antrag der Linken gestimmt. Der Antrag erhielt jedoch keine Mehrheit und ist somit abgelehnt worden.

Der Kreis versagte sein Einvernehmen. Wie ging das Ministerium damit um?

Der Kreis Bautzen und auch der Kreis Mittelsachsen haben ihr Einvernehmen zu der Reform versagt. Darüber hat sich das Kultusministerium aber hinweggesetzt, teilt es auf Anfrage von Sächsische.de mit. Zuvor seien die vom Kreis Bautzen vorgetragenen Argumente geprüft worden. Der Landkreis stelle sich mit seinen Forderungen gegen die Planungsziele des Sächsischen Schulgesetzes, erklärt eine Sprecherin des Kultusministeriums. Darin werde eine ausgeglichene Entwicklung des städtischen und ländlichen Raumes gefordert. Genauer erläutert das Ministerium dies nicht.

Wie reagiert der Landkreis Bautzen jetzt?

Der Landkreis hat gerade erst erfahren, dass sich das Kultusministerium über seine Stellungnahme hinweggesetzt hat. "Das haben wir zur Kenntnis genommen“, sagt Sabine Rötschke, Sprecherin des Bautzener Landratsamts. In den kommenden Tagen wollen Landrat Michael Harig und Vize-Landrat Udo Witschas (beide CDU) mit dem Sächsischen Kultusminister Christian Piwarz (CDU) sprechen. „Nach Abschluss der Gespräche wird zu entscheiden sein, welcher weitere Weg für den Landkreis Bautzen zu gehen ist“, sagt Sabine Rötschke. Ob der Kreis klagen wird, ist unklar.

Indes hat die AfD-Fraktion des Bautzener Kreistags einen Eilantrag für die Kreistagssitzung am kommenden Montag eingereicht. Die Fraktion fordert, dass der Landkreis gegen den neuen Teilschulnetzplan für Berufsschulen in Sachsen klagt.

Was ist heute im Landkreis Bautzen wichtig? Das erfahren sie täglich mit unserem kostenlosen Newsletter. Jetzt anmelden.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Bautzen