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Warum bekommt ein junger Syrer in Bautzen keine Wohnung?

Er hat ein festes Einkommen – und freie Wohnungen gibt es auch. Trotzdem wurde Mohammad Alhamoud bei zwei Vermietern abgelehnt.

Mohammad Alhamoud lebt seit 2016 bei einer deutschen Familie in Neschwitz - und würde jetzt gern auf eigenen Füßen stehen. Dafür sucht er in Bautzen eine Wohnung. Bisher erfolglos.
Mohammad Alhamoud lebt seit 2016 bei einer deutschen Familie in Neschwitz - und würde jetzt gern auf eigenen Füßen stehen. Dafür sucht er in Bautzen eine Wohnung. Bisher erfolglos. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Für einen Vermieter müsste sich es eigentlich recht gut anhören, wenn sich ein potenzieller Mieter so vorstellt: vergangene Jahre in Arbeit gewesen, jetzt eine Festanstellung als Pflegekraft im Bautzener Krankenhaus. Das Gehalt kommt zuverlässig – und der Grund für die Suche nach einer Wohnung ist der kürzere Weg zur Arbeit. Doch da ist eine Sache, von der Mohammad Alhamoud ausgeht, dass sie ihm zum Nachteil ausgelegt wird: Er stammt aus Syrien. Der 28-Jährige hat es auf dem Bautzener Wohnungsmarkt offensichtlich nicht leicht. Er fühlt sich rassistisch behandelt.

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Seine Geschichte erzählt der junge Mann, der seit Juni 2016 bei einer deutschen Familie in Neschwitz lebt, im Bautzener Stadtteil Gesundbrunnen. Konkret: Er erzählt sie in einem Hauseingang in der Friedrich-Ebert-Straße in Bautzen. Mohammad Alhamoud fährt mit dem Finger die Namensschilder auf den Briefkästen ab, seine Hand verharrt auf einem ohne Namen. „Die Wohnung scheint noch frei zu sein“, sagt er.

Nach wenigen Tagen kam per Post eine Absage

Mohammad Alhamoud hat sich diesen Ort ausgesucht, um die Geschichte zu erzählen, weil das Haus, vor dem er steht, ihm zunächst als eines mit freien Wohnungen offeriert wurde. Bei der Wohnungsbaugenossenschaft (WBG) Einheit aus Bautzen hatte er sich vorgestellt und mitgeteilt, dass er eine Wohnung sucht. Gleich zwei Angebote habe die WBG ihm gemacht. Die Zahl der Zimmer stimmte, der Preis auch. „Aber dann habe ich einfach so eine Absage erhalten, dass sie keine Wohnung für mich haben“, erzählt Mohammad Alhamoud. Das Schreiben liegt Sächsische.de vor.

Gründe für die Ablehnung werden darin nicht genannt. Es heißt lediglich, die WBG müsse ihm leider mitteilen, dass sein „Antrag nicht berücksichtigt wurde“ und man ihm „keine Wohnung vermieten“ werde. Daraufhin sei er noch einmal ins Büro der WBG Einheit gegangen, sagt Mohammad Alhamoud – um nach den Gründen zu fragen. „Sie haben mir gesagt, dass sie Probleme mit einem anderen syrischen Mann in Bautzen hatten“, so erzählt er von dem Erlebnis. Als Monika Weferling, bei der der 28-Jährige lebt und die er als „Mutti“ bezeichnet, noch einmal nachhakte, habe sie die Antwort bekommen, dass Vermieter keine Begründung abgeben müssten.

Deutsche "Mutter" bekam ein Angebot - er eine Absage

Für Mohammad Alhamoud blieb es nicht bei diesem einen Vorfall. Auch bei der Bautzener Mietergenossenschaft Gaia bewarb er sich. Dort wählten er und seine deutsche Ersatz-Familie aber eine andere Taktik. Monika Weferling rief an, fragte nach Wohnungen. Es hieß, in der Frederic-Joliot-Curie-Straße sei Einiges frei. Mohammad Alhamoud füllte eine Selbstauskunft aus, dann passierte eine ganze Weile lang nichts. „Ich habe nichts gehört, deshalb habe ich angerufen und nachgefragt“, sagt er. „Da hieß es: Sie hätten keine Wohnungen frei“, ärgert er sich. Und als Monika Weferling anrief, bekam sie abermals zu hören: Vermieter müssten eine Absage nicht begründen.

Auf Anfragen von Sächsische.de reagierte die Bautzener Mietergenossenschaft Gaia eine ganze Woche lang nicht. Anders die WBG Einheit. Erklären könne er sich das Ganze nicht, sagt André Hassa vom Vorstand. Die zuständige Mitarbeiterin sei im Urlaub; die WBG wolle das Ganze aufarbeiten, wenn sie zurück ist. Fest stehe: „Wir stehen Wohnungsbewerbungen ausländischer Personen offen und vorurteilsfrei gegenüber“, sagt André Hassa. „Wir verwahren uns gegen jedwede Rassismusvorwürfe.“ Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft leben in den Häusern der Wohnungsbaugenossenschaft, berichtet Hassa. Darunter seien Menschen aus Georgien, Afghanistan, Polen, Pakistan und anderen Ländern. Auch Syrer.

Willkommens-Verein erlebt häufiger Probleme

Ohne die Mitarbeiterin, die im Urlaub ist, könne er wenig zum Fall Mohammad Alhamoud sagen. Nur soviel: „Nach vorläufiger Sichtung war das Suchraster für Wohnungen in unserem Bestand durch die Wünsche und finanziellen Voraussetzungen von Herrn Alhamoud bereits erheblich eingeschränkt.“ Außerdem seien stets Faktoren zu berücksichtigen, die das Zusammenleben in den Hausgemeinschaften beeinflussen.

Tatsächlich berichtet auch Eckart Riechmann vom Verein „Willkommen in Bautzen“, dass es Menschen aus dem Ausland oftmals nicht sonderlich leicht haben auf dem Bautzener Wohnungsmarkt. Bei privaten Vermietern liege die Chance, ob sie an Migranten vermieten oder nicht, bei etwa 50 zu 50. Bei den größeren Vermietern sehe es besser aus. „Mit der Wohnungsbaugenossenschaft Einheit klappt es gut“, sagt Eckart Riechmann. Bei der Gaia indes versuche man es dagegen gar nicht mehr, da es dort meistens sowieso nicht klappe, Leute aus dem Ausland unterzubringen.

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Mohammad Alhamoud will es weiter versuchen. Er möchte bei seiner deutschen Familie ausziehen, um näher am Arbeitsort zu wohnen – und nicht immer fahren zu müssen. Außerdem möchte er gerne auf eigenen Beinen stehen. Etwas Neues in Aussicht hat er noch nicht. Immerhin erklärt André Hassa von der WBG Einheit: „Gern berücksichtigen wir Herrn Alhamoud in Zukunft bei neuen Wohnungsangeboten. Soweit er seine Suchkriterien weiter fächert, könnten auch mehr potenzielle Wohnungsangebote gefunden werden.“

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