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Bautzen: Zu wenig Treffpunkte für junge Leute?

In der Stadt gibt es zwar verschiedene Angebote - aber nicht alle fühlen sich davon angesprochen.

Marie und Richard freuen sich über den Garten des Jugendclubs Kurti in Bautzen. Trotzdem treffen sie sich im Sommer abends lieber auf dem Theaterplatz.
Marie und Richard freuen sich über den Garten des Jugendclubs Kurti in Bautzen. Trotzdem treffen sie sich im Sommer abends lieber auf dem Theaterplatz. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Zu viel Lärm in der Nacht, zu viel Müll, zu viele Glasscherben auf dem Boden: Immer wieder ist der Theaterplatz Thema in der Stadt Bautzen. Gruppen von Jugendlichen treffen sich abends dort, um Frisbee zu spielen, zu quatschen, vielleicht gemeinsam etwas zu trinken – eben um zusammen den Abend zu verbringen. Was für die einen ein Szene-Treffpunkt ist, erfreut die Anwohner nicht so sehr. „Wo sollen wir uns denn sonst treffen?“, hatte ein Jugendlicher kürzlich im Gespräch mit Sächsische.de gefragt. Welche Angebote gibt es eigentlich in der Stadt für junge Menschen?

Diese Angebote gibt es für Jugendliche

Wer danach fragt, wo in Bautzen junge Leute zusammenkommen können, der hört immer wieder bestimmte Namen: Tik, Kurti, Steinhaus. Aber was steckt dahinter? Das Tik – Treff im Keller – am Stadtwall ist das Kinder- und Jugendzentrum der Evangelischen Kirchgemeinde St. Petri Bautzen. Im Außenbereich gibt es eine kleine Skaterrampe und ein Trampolin, es gibt Angebote wie Pizzabacken, Graffiti-Workshops, Henna-Tattoo-Gestaltung oder auch gemeinsames Nähen. „Bei uns sind prinzipiell alle Jugendlichen willkommen“, sagt Sozialarbeiterin Carolin Dittrich, „aber es kommen vor allem Jüngere – zwischen acht und 14 Jahren.“

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Auch das Steinhaus an der Steinstraße hat ein Angebot für junge Leute. Es gibt den offenen Treff, Billard- und Kickertisch warten auf die Jugendlichen. Dazu kommen Workshops wie die offene Bühne, Skate-Kurse und Graffiti-Sprühen. Ähnlich ist das Angebot des Mehrgenerationenhauses (MGH) Bautzen Gesundbrunnen in der Otto-Nagel-Straße. „Wir verleihen Skooter und Skateboards“, berichtet Toni Lange vom MGH. Und auch dort gibt es einen offenen Kinder- und Jugendtreff.

Etwas anders ist das Konzept des Kurtis an der Kurt-Pchalek-Straße: Hier haben sich die Jugendlichen selbst ein kleines Refugium errichtet. Es gibt Clubräume mit Sofas, Palettenbar und Tischtennisplatte sowie Hochbeete und eine Sitzecke im Garten.

Das sind die Schwierigkeiten

Die Tomaten glänzen in der Sonne, viele sind schon rot geworden. Und auch die Zucchini sind reif. Die 19-jährige Marie hebt das Gemüse an, zeigt es hoch: „Boah, sind die groß“, freut sie sich. Sie steht im Garten des Kurtis, gemeinsam mit ein paar anderen Jugendlichen. „Zur Romantica bieten wir hier immer Küfa an, also Küche für alle“, erzählt Richard. Den Jugendclub verwalten die Jugendlichen selbst. „Hier können wir uns frei ausleben, entfalten, mitgestalten“, sagt Richard. Sicher, nun hat Corona einen Strich durch viele Pläne gemacht – aber an Ideen mangelt es nicht. „Wir wollten Workshops zum Herstellen von Jugger-Utensilien anbieten, das ist ein Team-Spiel“, zählt Richard auf. „Themenkinos und ein Instrumentenbau-Workshop waren auch geplant“.

Das Kurti ist ein Ort, an dem die Jugendlichen gerne zusammenkommen. Und doch: Eine echte Alternative zum Treffen auf dem Theaterplatz ist es nicht. Denn dort treffen sich die Jugendlichen vor allem abends. „Selbst wenn man sich nur unterhält im Kurti-Garten, schallt es so sehr, dass wir Nachbarn stören würden“, erklärt eine 19-Jährige, die sich mit dem Namen Neltje vorstellt. „Nachts können wir hier also nicht draußen sein; im Sommer sitzt man ja aber lieber draußen.“ Im Winter, wenn es kalt wird und der Theaterplatz seinen Reiz verliert, „sind wir sicher viel hier“, sagt auch Richard.

Und das Tik, das Steinhaus, das MGH? „Das sind vor allem Angebote für Jüngere“, findet Richard. „Es ist auch ziemlich unentspannt, wenn man immer nur dann kommen kann, wenn auch Sozialarbeiter vor Ort sind“, sagt Neltje. Zudem schließen diese Treffs am späten Nachmittag oder frühen Abend – zu früh, findet die Gruppe.

Auch die offenen Jugendtreffs wissen um dieses Problem. Sicher, die Abendangebote im Steinhaus werden gerne angenommen – aber die gibt es nicht so häufig. Und ein Treffen in einer Bar? „Da muss man ja immer etwas bestellen“, sagt Marie, „und kreativ ausleben kann man sich da auch nicht.“

Das wünschen sich die Jugendlichen

Schon länger im Gespräch ist der Bau einer neuen Skateranlage. Eine gute Idee, findet die Gruppe Jugendlicher vom Kurti, die sich regelmäßig auch auf dem Theaterplatz trifft. „Es wäre wünschenswert, dass es auch in anderen Stadtteilen Jugendtreffs gibt“, sagt Richard. Und noch mehr: „Auch die geplante Bürgerwiese am Protschenberg würde im Sommer Entlastung bringen, weil wir da draußen sitzen könnten“, findet der 22-Jährige.

Das sagt der Oberbürgermeister dazu

„Obgleich wir eine sehr kostengünstige Lösung für die Stadt gefunden haben, ist die Finanzierung des niedrigen vierstelligen Jahresbudgets nicht unumstritten“, sagt Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) in Bezug auf das Kurti. „Das Kurti wird aber gut angenommen“; die Stadt wolle das Projekt weiter unterstützen. Und auch die Bürgerwiese am Protschenberg soll kommen – auch, wenn die neue Fußgängerbrücke über die Spree, mit der das Projekt oft in einem Atemzug genannt wird, nicht gebaut werden sollte. Aber: „Ein Zeitplan“, so Ahrens, „steht noch nicht fest.“

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