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Bautzen: Kreiselternsprecher lässt Amt ruhen

Nachdem Querdenker Marcus Fuchs als Elternrat an der Grundschule Arnsdorf zurückgetreten ist, gibt es nun auch Konsequenzen beim Kreiselternrat.

Marcus Fuchs lässt sein Amt als Vorsitzender des Kreiselternrates Bautzen ruhen. Er war unter anderem wegen seiner Auftritte bei corona-kritischen Demos, wie hier Anfang November in Bautzen, kritisiert worden.
Marcus Fuchs lässt sein Amt als Vorsitzender des Kreiselternrates Bautzen ruhen. Er war unter anderem wegen seiner Auftritte bei corona-kritischen Demos, wie hier Anfang November in Bautzen, kritisiert worden. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Marcus Fuchs lässt sein Amt als Vorsitzender des Bautzener Kreiselternrates (KER) bis auf Weiteres ruhen. Das bestätigt Nadine Eichhorn vom Landeselternrat Sachsen. Wie sie erklärt, handelt es sich dabei nicht um einen Rücktritt – wenn Fuchs sich überlegen würde, das Amt wieder aufzunehmen, sei dies möglich.

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Ein entsprechendes Statement hatte der Bautzener Kreiselternrat auf seiner Facebookseite veröffentlicht. Darin wird die Entscheidung mit Fuchs‘ Tätigkeit beim Dresdener Ableger der Gruppierung „Querdenken“ begründet. „Die in den Medien dargestellte Überschneidung dieser Funktionen hatte auch innerhalb des Kreiselternrates zu starker Kritik geführt, da in der Öffentlichkeit der Eindruck entstand, Herr Fuchs ist in seiner Funktion als Vorsitzender des KER bei Querdenken aktiv und er würde sein Amt missbrauchen“, heißt es in dem Statement, das Kreiselternrat-Vorstandsmitglied Mario Metzner veröffentlicht hat. „Dies war und ist aber nie die Absicht von Herrn Fuchs gewesen.“

Bei "Querdenken"-Demos als Redner auf der Bühne

Der Vorstand begrüße die Entscheidung, heißt es in dem Statement. Die Mitglieder des Vorstandes werden Fuchs‘ Aufgaben in Vertretung übernehmen.

Marcus Fuchs war ins Blickfeld der Öffentlichkeit geraten, weil er als führendes Mitglied von „Querdenken 351“, also der Dresdner Ortsgruppe, aufgetreten war. Er stand bei Kundgebungen als Redner und Moderator auf der Bühne.

Die corona-kritischen „Querdenker“ gerieten in der Vergangenheit deutschlandweit immer wieder in die Schlagzeilen, weil es zu Ausschreitungen kam. Rechtsextreme hatten zu den Demonstrationen mobilisiert. Nach einer Demo von „Querdenken“ in Dresden im Oktober ermittelte die Polizei unter anderem gegen einen Redner - weil er den Hitlergruß gezeigt haben soll. In Baden-Württemberg wird die Stuttgarter Gruppierung „Querdenken 711“ mittlerweile vom Landesamt für Verfassungsschutz beobachtet, weil dieses Hinweise für extremistische Bestrebungen erkennt.

Marcus Fuchs veröffentlichte Falschnachrichten

Marcus Fuchs hatte viel Kritik für seine Äußerungen geerntet. So hatte er auf einer Demonstration gegen die Corona-Schutzmaßnahmen vor dem Bautzener Landratsamt die Pandemie infrage gestellt. Auf seiner Facebook-Seite schrieb er von „Corona-Faschismus“, in einem anderen Beitrag von einer „Panik-Pandemie“.

Er teilte auf seinem Facebook-Profil auch einen Artikel des rechtspopulistischen Blogs „Journalistenwatch“, laut dem eine 13-Jährige wegen des Tragens einer Maske gestorben sein soll. Obwohl die Staatsanwaltschaft das laut einem Bericht des Recherchezentrums Correctiv widerlegte, korrigierte Fuchs die Falschnachricht nicht. Auch nicht, nachdem er in einem Interview mit dem MDR auf den Fehler aufmerksam gemacht wurde.

Rücktritt als Vorsitzender des Elternrates in Arnsdorf

Auch als Bautzener Kreiselternsprecher machte er mit kruden Thesen und Forderungen, die zu seiner Tätigkeit bei den „Querdenkern“ passen, auf sich aufmerksam. So schickte er im Namen der Eltern im Kreis Bautzen im Oktober einen offenen Brief an Medien und die sächsische Staatsregierung. Darin forderte er – gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Görlitzer Kreiselternrates –, dass Kinder keine Mund-Nasen-Bedeckungen tragen dürfen.

In ihrem Schreiben behaupten die beiden Kreiselternräte, dass es „keinen Beleg für die Wirksamkeit der Mund-Nasen-Bedeckung als Schutzmaßnahme vor einer Übertragung“ des Coronavirus gibt. Auch Maßnahmen wie ein Lockdown seien ihrer Ansicht nach wirkungslos. Damit verbreiten die beiden Verfasser Thesen, die vom Robert-Koch-Institut widerlegt worden sind. So gibt es Studien, die die Wirksamkeit von Maßnahmen wie ein Lockdown oder das Tragen von Masken beweisen.

Im Dezember war bereits bekannt geworden, dass Marcus Fuchs nach der Kritik von seinem Posten als Vorsitzender des Elternrates der Grundschule Arnsdorf zurückgetreten ist. Zu den aktuellen Entwicklungen waren Marcus Fuchs und Mario Metzner bislang für Sächsische.de nicht zu erreichen.

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