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Wird Bautzens Hochhauscafé wiederbelebt?

Einst war es Bautzens höchstgelegenes Lokal – mittlerweile steht das Café im Allendeviertel seit Jahren leer. Aber die Wohnungsbaugesellschaft hat große Pläne.

Kirsten Schönherr, Chefin der Bautzener Wohnungsbaugesellschaft, würde das Café im Hochhaus im Allendeviertel gern wiederbeleben.
Kirsten Schönherr, Chefin der Bautzener Wohnungsbaugesellschaft, würde das Café im Hochhaus im Allendeviertel gern wiederbeleben. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Die warme Luft hat sich drückend in den Raum gelegt, gelüftet wurde hier sicher schon eine ganze Weile nicht mehr. Kabel hängen aus der Wand, und als Kirsten Schönherr die Tür öffnet, muss sie erst einmal über Schutt steigen. In einem Raum verliert ein künstlicher Baum seine Blätter. In einem anderen hängen Waschbecken an den Wänden, hinter den Rohren braune Spuren. Wo sich die Geschäftsführerin der Bautzener Wohnungsbaugesellschaft (BWB) gerade umsieht, existierte einst das höchstgelegene Lokal der Stadt: das Café im Hochhaus im Bautzener Allendeviertel.

Doch das ist lange her. Trotzdem bleibt das, was das Besondere einst ausmachte, nicht verborgen, im Gegenteil. Es wird deutlich, wenn der Staub in Gedanken vom Parkett gekratzt worden ist. Oder dann, wenn die Backsteinsäulen hinter den großen Fenstern von der Sonne angeschienen werden. Spätestens aber dann, wenn der Blick durch die vergilbten Fensterscheiben klarer wird und die Sicht auf das Oberlausitzer Bergland freigibt.

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Das Hochhaus im Bautzener Allendeviertel: Rechts oben befindet sich das Café, das seit Jahren leersteht. Die BWB sucht dafür einen neuen Betreiber - und möchte auch die Fassade des Hochhauskomplexes neu gestalten.
Das Hochhaus im Bautzener Allendeviertel: Rechts oben befindet sich das Café, das seit Jahren leersteht. Die BWB sucht dafür einen neuen Betreiber - und möchte auch die Fassade des Hochhauskomplexes neu gestalten. © SZ/Uwe Soeder
Auch die Stahlkonstruktion des Hochhauses soll erneuert werden.
Auch die Stahlkonstruktion des Hochhauses soll erneuert werden. © SZ/Uwe Soeder
In einem Raum des früheren Hochhauscafés befinden sich noch die alten Waschbecken an der Wand...
In einem Raum des früheren Hochhauscafés befinden sich noch die alten Waschbecken an der Wand... © SZ/Uwe Soeder
... in einem anderen verliert ein künstlicher Baum seine Blätter...
... in einem anderen verliert ein künstlicher Baum seine Blätter... © SZ/Theresa Hellwig
... und im nächsten stehen diese roten Backsteinsäulen.
... und im nächsten stehen diese roten Backsteinsäulen. © SZ/Uwe Soeder
Die Perle des Cafés: die Sicht aus den Fenstern.
Die Perle des Cafés: die Sicht aus den Fenstern. © SZ/Theresa Hellwig
Über eine Treppe, die sich um einen Schornstein windet, geht es hinauf zum früheren Gastraum.
Über eine Treppe, die sich um einen Schornstein windet, geht es hinauf zum früheren Gastraum. © SZ/Uwe Soeder

BWB-Chefin Kirsten Schönherr will nicht länger zusehen, wie in dem einstigen Café die Staubschicht weiter wächst. „Früher war es hier mal richtig schön, erzählen mir die Leute immer“, sagt sie. Die alte Heizung, der kaputte Fußboden, die Einbaumöbel – all das soll jetzt raus. Kirsten Schönherrs ehrgeiziges Ziel: Die Räume entkernen, die Fenster mit neuen Glasscheiben ausstatten – und einen neuen Betreiber finden.

„Das Haus hier hat eine Stadtteilzentrumsfunktion“, sagt Schönherr. Das ehemalige Hochhauscafé habe für die Anwohner eine besondere Bedeutung. Zu DDR-Zeiten ist es eins der beliebtesten Restaurants in Bautzen gewesen.

Doch das Hochhauscafé ist nur ein Baustein des Projekts, das die BWB jetzt angehen will. Denn nicht nur im früheren Café besteht Sanierungsbedarf. Auch andere Teile des Gebäudekomplexes sind in die Jahre gekommen. An einigen Stellen bröckelt Putz von der Außenwand, die Stahlträger müssen saniert werden, erklärt die BWB-Chefin. „Wir wollen die Fassade erneuern“, sagt sie. Eine Idee, die ihr gefällt: „Wir könnten das richtig schön machen, mit einer hinterleuchteten Lochblechfassade“, beschreibt sie. Die rund 140 Mieterinnen und Mieter sollen in der Bauzeit weiter im Gebäude wohnen können.

Vor dem Gebäude soll es grüner werden

Die Fassade des angrenzenden Flachbaus, in dem gerade der neue Edeka-Markt eingerichtet wird, würde Kirsten Schönherr gern ähnlich gestalten wie die des Hochhauses. Der Markt soll außerdem ein neues Dach bekommen. Zu den Arztpraxen im Gebäude soll ein barrierefreier Zugang geschaffen werden.

In das Hochhaus möchte die BWB einen neuen Fahrstuhl einbauen – und auch im Außenbereich vor dem Gebäude soll sich einiges tun. Kirsten Schönherr deutet aus dem Fenster, auf die Fläche hinter dem Edeka-Markt. Waschbetonplatten versiegeln den Boden, einzelne Autos parken darauf, dahinter ein kleiner Grünstreifen. „Wir würden das gerne umkehren“, erklärt sie. „Dort, wo jetzt der Grünstreifen ist, würden wir Parkflächen schaffen. Und dort, wo die Betonplatten liegen, würden wir gerne einen grünen Innenhof gestalten.“

Grüner soll es auch auf dem breiten Gehwegbereich vor dem Edeka-Markt werden. Die Idee: Sitzmöglichkeiten oder ein Café sollen den Bereich beleben.

BWB sucht Betreiber für das Hochhauscafé

Bis das alles umgesetzt ist, wird noch eine Weile vergehen. „Wir schreiben jetzt die Planungsleistungen aus“, berichtet Schönherr. „2022/2023 könnten dann die Fassadenarbeiten beginnen.“ Etwa zwei Jahre setzt sie dafür an, 2024 könnten die Arbeiten abgeschlossen sein.

Wenn Kirsten Schönherr von den Plänen erzählt, kommt sie ins Schwärmen. Allerdings, sagt sie, seien die ersten Überlegungen zu teuer. Deshalb wolle die Wohnungsbaugesellschaft das Hochhauscafé auch nicht komplett alleine sanieren, sondern nach dem Entkernen erst einmal ruhen lassen. „Wir hoffen, einen Betreiber zu finden. Dann sehen wir gemeinsam weiter.“

Ob ein Interessent alleine die Fläche nutzt oder mehrere zusammen, das sei offen. „Viele haben gar keine Vorstellung, wie groß das hier eigentlich ist“, sagt Schönherr. „Das sind etwa 700 Quadratmeter.“ Ob daraus wieder ein Café, ein Restaurant oder vielleicht ein kleines Kino oder auch ein Wellnessbereich mit Sauna und Fußpflege werden könnte – da gebe es keine Vorgaben. Schon jetzt könnten sich Interessenten melden.

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