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Alarmstufe rot für Bautzens Feuerwehr

Stadtbrandmeister Markus Bergander sorgt sich um die Einsatzbereitschaft, weil den freiwilligen Wehren Leute fehlen. Aber er hat Ideen, wie sich das ändern lässt.

Markus Bergander ist seit 2015 Bautzens oberster Feuerwehrmann. Er sorgt sich um die Einsatzbereitschaft der freiwilligen Wehren in den Ortsteilen.
Markus Bergander ist seit 2015 Bautzens oberster Feuerwehrmann. Er sorgt sich um die Einsatzbereitschaft der freiwilligen Wehren in den Ortsteilen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Markus Bergander kommt immer wieder ins Schwärmen, wenn er zwischen den Einsatzfahrzeugen der Bautzener Berufsfeuerwehr am Gesundbrunnenring umher geht. "So tolle und moderne Technik zu bedienen, davon träumt doch jeder Junge." Die Begeisterung ist Bergander nicht abhanden gekommen, seit er vor zehn Jahren sein Hobby zum Beruf gemacht hat. Als er dann vor fünfeinhalb Jahren Stadtbrandmeister wurde, war er mit gerade mal 29 einer von Deutschlands jüngsten Feuerwehrchefs.

Der mittlerweile 35-Jährige kann "seine" Fahrzeuge an diesem Vormittag ganz in Ruhe zeigen. Doch das könnte sich jede Sekunde ändern. Jederzeit, rund um die Uhr, kann sich die Rettungsleitstelle Ostsachsen aus Hoyerswerda melden. Dort gehen alle Notrufe aus der ganzen Region ein.

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In acht Minuten am Ort des Geschehens

Schlägt die Rettungsleitstelle Feueralarm für Bautzen, bleiben den Kameraden ganze acht Minuten. Dann müssen die ersten zehn Feuerwehrleute am Einsatzort sein, so lautet die Regel für alle Wehren im Land, und so fordert es auch der Brandschutzbedarfsplan für Bautzen. Den hat der Stadtrat vor drei Jahren beschlossen. Dabei ist es ganz egal, ob die ersten Zehn von der Berufsfeuerwehr kommen oder von einer der Freiwilligen Feuerwehren Bautzen-Mitte, Kleinwelka, Niederkaina, Salzenforst oder Stiebitz.

Wenn es zum Beispiel in Kleinwelka brennt, sind die dortigen Kameraden wohl schneller vor Ort als die Hauptamtlichen vom Gesundbrunnenring. Wem gerade der Dachstuhl abfackelt, den interessiert ohnehin wenig, welches Feuerwehrauto die Leiter ausfährt.

Vergangenen Montag brannte kein Dachstuhl, sondern die Luft im Bautzener Stadtrat. Es ging heiß her, als sich die Diskussion um den Stellenplan der Stadt drehte. Unter anderem sieht der Plan vor, drei Auszubildenden der Berufsfeuerwehr, die demnächst auslernen, einen festen Arbeitsvertrag zu geben. Müsse denn das sein?, fragten einige Abgeordnete angesichts knapper Stadtfinanzen.

Zu wenig Junge rücken nach

In dieser Diskussion sagte der Stadtbrandmeister einen Satz, der die ganze Tragweite der Situation auf den Punkt bringt: Bautzens Feuerwehr ist nicht mehr so leistungsfähig, wie es das Gesetz erfordert. Das liegt nicht an der Berufsfeuerwehr am Gesundbrunnenring, die rund um die Uhr besetzt ist. Und es liegt auch nicht an der Einsatzbereitschaft der etwa 170 Angehörigen der fünf Freiwilligen Feuerwehren.

Aber ausrücken kann nur, wer auch da ist. Und wenn beispielsweise ein Angehöriger der Kleinwelkaer Wehr in Dresden arbeitet, hört er dort nicht einmal den Ruf der Sirene. Deshalb kann die Feuerwehr jede frische Kraft brauchen. Und deshalb sind auch drei neue Mitarbeiter der Berufsfeuerwehr höchst willkommen, sagt Markus Bergander. 48 Feuerwehrleute stehen bei der Stadt in Lohn und Brot, mindestens 50 wären besser, sagt der Chef.

"Die Arbeitswelt hat sich gewandelt, und das hat auch Auswirkungen auf die Feuerwehren", erklärte Markus Bergander den Stadträten. Seit 1990 sind viele junge Leute der Arbeit oder Ausbildung hinterher gezogen und fehlen nun hier. Es geht den Feuerwehren wie vielen Unternehmen: Ältere scheiden aus, aber nicht genügend Junge rücken nach.

Einpendler könnten der Feuerwehr helfen

Aber Bautzens oberster Feuerwehrmann sieht Chancen, das zu ändern. Zum einen durch noch mehr Öffentlichkeitsarbeit. Markus Bergander denkt an die Begeisterung, die er jedes Jahr am 1. Mai zum Tag der offenen Tür bei vielen Besuchern sieht. In diesem Jahr sollte übrigens der 240. Geburtstag gefeiert werden: Im August 1780 wurde die Freiwillige Bürger-Feuer-Compagnie Budissin gegründet, womit die Bautzener Feuerwehr zu den ältesten in ganz Deutschland gehört. Wegen Corona wurden die Feierlichkeiten allerdings auf 2021 verschoben.

Eine weitere Möglichkeit, den hiesigen Wehren zu helfen, sieht Bergander bei den Tausenden Einpendlern, die jeden Tag nach Bautzen zur Arbeit kommen. "Wenn beispielsweise jemand aus Sohland der dortigen Freiwilligen Feuerwehr angehört und in Bautzen arbeitet, könnte er dann doch auch hier helfen." Natürlich mit Einverständnis des Arbeitgebers - aber auch der könne ja jederzeit die Feuerwehr brauchen.

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