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Wird Bautzens Fußgängertunnel zugeschüttet?

Schmuddelig, stinkig und kaputte Aufzüge: Die Stadt will die Unterführung am Lauengraben abschaffen. Aber es gibt gleich mehrere Hürden.

Unangenehmer Geruch und Vandalismus: Immer wieder musste die Stadt Bautzen in den letzten Jahren Dreck und Vandalismusschäden am Fußgängertunnel am Kornmarkt beseitigen.
Unangenehmer Geruch und Vandalismus: Immer wieder musste die Stadt Bautzen in den letzten Jahren Dreck und Vandalismusschäden am Fußgängertunnel am Kornmarkt beseitigen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Wer regelmäßig durchs Bautzener Stadtzentrum läuft, der nimmt den Fußgängertunnel samt Fahrstuhl am Kornmarkt-Center kaum noch wahr. Kein Wunder: Der Fahrstuhl ist seit Jahren nicht mehr hoch- oder heruntergefahren. Wer ihn genauer betrachtet, der sucht vergeblich nach einem funktionsfähigen Knopf – und findet stattdessen Pflanzen, die am Glasgehäuse entlangranken.

Wem der Aufzug gehört, warum er nicht mehr fährt und warum sich niemand darum kümmert – all diese Fragen bleiben dem Suchenden unbeantwortet, ein Hinweisschild gibt es nicht. Am anderen Ende des Tunnels gibt ein zweiter Aufzug ein ähnliches Bild ab. Und auch der Fußgängertunnel wirft Fragen auf: Passanten sind dort selten zu sehen, stattdessen riecht es oft unangenehm.

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Sowohl der Tunnel als auch der Fahrstuhl vor dem Kornmarkt-Center gehören der Stadt Bautzen, erklärt die städtische Pressestelle auf Anfrage von Sächsische.de. Dass beide, also Fußgängertunnel und Fahrstuhl, in diesem Zustand wenig Nutzen haben, zu diesem Schluss ist auch die Stadtverwaltung bereits gekommen. Deshalb sollen beide perspektivisch zurückgebaut werden. Praktisch bedeutet das: Der Fahrstuhl soll abgebaut werden, der Fußgängertunnel zugeschüttet.

Tunnel verursacht jedes Jahr Kosten

Die Stadt begründet das mit den hohen Unterhaltungskosten, die der Tunnel verursacht. „In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass der Tunnel und die Aufzüge sehr anfällig für Vandalismus sind“, sagt Bautzens Pressesprecherin Laura Ziegler. „Die Möglichkeiten, dies dauerhaft zu verhindern, sind sehr beschränkt.“

Hohe Kosten kommen deshalb jedes Jahr auf die Stadt zu. Besonders viel musste sie 2018 für die Beseitigung von Vandalismusschäden zahlen, nämlich 3.100 Euro. Auch 2019 lagen die Kosten im vierstelligen Bereich, da waren es 1.700 Euro. In diesem Jahr musste die Stadt bislang knapp 600 Euro für Reparaturen in der Unterführung zahlen.

Dabei hatte die Stadt viel versucht: Die Beteiligungs- und Betriebsgesellschaft (BBB) machte regelmäßige Kontrollgänge durch den Tunnel; reinigte ihn häufig, um die Anreize für Vandalismus klein zu halten. Auch das verursachte dauerhafte Kosten.

Dass der Tunnel zugeschüttet werden soll, hängt auch damit zusammen, dass die Fahrstühle nicht funktionieren. Ohne sie ist die Unterführung nicht barrierefrei nutzbar.

Der zweite Aufzug am Ausgang zur Karl-Marx-Straße gehört laut Rathaus nicht der Stadt, sondern einer Bank. Welcher genau, ist unklar: Die dort ansässige Commerzbank verneint. Die Volksbank erklärt, Teileigentümer der Tiefgarage zu sein – was den Fahrstuhl anbelangt, will sie weitere Nachforschungen anstellen.

Aufzüge sind seit 2016 stillgelegt

Fest steht: Dieser Aufzug ist vor einigen Jahren als erster der beiden kaputtgegangen. Als kurz darauf auch der gegenüberliegende Aufzug kaputtging, reparierte die Stadt ihn nicht mehr. Zu hoch seien die Kosten gewesen, die Aufzüge betriebsbereit zu halten und immer wieder Vandalismusschäden zu beseitigen. Und: „Damit der Tunnel barrierefrei genutzt werden kann, müssen beide Aufzüge funktionieren. Sonst können Fußgänger nur barrierefrei auf der einen Seite nach unten, auf der anderen jedoch nicht nach oben gelangen“, so Laura Ziegler. Seit 2016 sind beide Aufzüge stillgelegt.

Sieht eher aus wie ein Gewächshaus: Der Aufzug am Kornmarktcenter ist zugewachsen und schon lange außer Betrieb.
Sieht eher aus wie ein Gewächshaus: Der Aufzug am Kornmarktcenter ist zugewachsen und schon lange außer Betrieb. © SZ/Uwe Soeder

Weil die Straße dank der Ampel am Kornmarkthaus mittlerweile auch ohne den Tunnel barrierefrei überquert werden kann, sieht die Stadt ohnehin keine Notwendigkeit mehr, die Aufzüge zu reparieren, erklärt Laura Ziegler.

Rückbau würde bis zu 350.000 Euro kosten

Wann es aber tatsächlich soweit ist, dass Bauarbeiter am Kornmarkt anrücken, um den Tunnel zuzuschütten, ist unklar. So würden die Bauarbeiten den Verkehr am Lauengraben stark beeinträchtigen, gibt die Stadt zu bedenken. „Aus diesem Grund müssen zuvor sorgsame Vorüberlegungen zur alternativen Verkehrsführung und zu den Auswirkungen auf das Handelszentrum Innenstadt angestellt werden“, sagt Laura Ziegler. Außerdem sei der Tunnel ein notwendiger Fluchtweg aus der Tiefgarage; dafür müsse zunächst eine Lösung gefunden werden.

Sicher ist bereits: Der Rückbau von Tunnel und Aufzügen wird viel kosten. Die Stadt rechnet allein dafür mit einer Summe zwischen 250.000 und 350.000 Euro. Doch es kommt noch mehr dazu. Auch für die Straße über dem Tunnel muss eine Lösung her: Im Zuge der Bauarbeiten, erklärt Laura Ziegler, muss der gesamte Kreuzungsbereich des Lauengrabens und der Karl-Marx-Straße neu geplant werden.

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