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Das sind Bautzens schlimmste Huckelpisten

Gebrochene Steinplatten, ausgespülte Wege, lückenhaftes Gehwegpflaster: Was für manche nur ein Schönheitsmakel ist, wird für einige zum großen Problem.

Pflastersteine fehlen, Teile des Weges sind ausgewaschen: Der Gehweg an der Stieberstraße in Bautzen ist für Manuela Fleischer, die im Rollstuhl sitzt, ein schwieriges Terrain.
Pflastersteine fehlen, Teile des Weges sind ausgewaschen: Der Gehweg an der Stieberstraße in Bautzen ist für Manuela Fleischer, die im Rollstuhl sitzt, ein schwieriges Terrain. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Statt auf dem Fußweg kommt Manuela Fleischer in Bautzens Dr.-Ernst-Mucke-Straße auf der Fahrbahn angerollt. „Ich fahre hier lieber auf der Straße“, erklärt die 42-Jährige, „weil es mir auf dem Gehweg zu gefährlich ist.“ Der Grund: Die Ecken und Kanten auf dem Gehweg, die für viele Bautzener nur Schönheitsmakel sind, werden für sie zum Problem. Denn seit März 2018 sitzt Manuela Fleischer durchgängig im Rollstuhl. Wegen einer Neuroborreliose ist ihr linkes Bein gelähmt. Seit einem Sturz auf Glatteis bereitet auch das rechte Bein Probleme. Und die Fußwege in Bautzen, das stellt sie seitdem immer wieder fest, sind zum Teil alles andere als behindertengerecht.

Bruchstellen und Kanten werden zur Rampe

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Wer als normaler Spaziergänger durch Bautzen läuft, macht sich in der Regel weniger Gedanken: Wo kann ich stolpern? Wo ist es holprig? Manuela Fleischer muss das tun, um heil an ihrem Ziel anzukommen. Denn nicht nur einmal, erzählt sie, sind Bautzens Huckelpisten für sie ein so großes Problem geworden, dass sie mit ihrem Rollstuhl umgekippt ist. Zuletzt ist ihr das in der Gustav-Hertz-Straße passiert, erinnert sie sich. „Auf dem Boden sind breite Betonplatten, aber die sind löchrig oder zerbrochen“, sagt sie. „Die Bruchstellen waren das Problem, da bin ich gekippt. Da hatte ich einige blaue Flecken.“

Viele kaputte Gehwege gibt es in der Stadt. Manuela Fleischer erzählt davon bei einer Spazierfahrt. Schlimm ist es zum Beispiel in der Tuchmacherstraße. Sie zeigt auf den Boden, deutet auf die Bordsteine: Allesamt sind sie unterschiedlich hoch. „Und schauen Sie dort“, sagt sie. Einzelne Pflastersteine fehlen, der Boden ist uneben. „Wenn sich da ein Rad unglücklich verfängt, kann man stürzen.“ Und nicht nur das. Manuela Fleischer fährt los, ihr Rollstuhl schlingert durch die Bodenwellen. Angenehm sieht das nicht aus. Huckel und Kanten – das Problem wiederholt sich. Manuela Fleischer findet viele dieser Hindernisse, so ist die Lessingstraße voll davon. „In der Paulistraße springt man förmlich über Baumwurzeln“, sagt Manuela Fleischer. Und in der Stieberstraße fehlen so viele Pflastersteine auf dem Fußweg, dass große Löcher mit Kanten entstanden sind.

Bruchstellen, Kanten oder herausragende Pflastersteine: Für manch einen nur ein kleiner Makel, für Menschen im Rollstuhl aber ein echtes Problem.
Bruchstellen, Kanten oder herausragende Pflastersteine: Für manch einen nur ein kleiner Makel, für Menschen im Rollstuhl aber ein echtes Problem. © SZ/Theresa Hellwig

Ausgespülte Schotterpisten werden zum Problem für Reifen

Kanten und Bruchstellen sind aber nicht das einzige Problem für Rollstuhlfahrer, erzählt Manuela Fleischer. Verdeutlichen will sie das im Park am Friedrich-Engels-Platz. „Der Regen hat hier den Weg ausgespült“, erklärt Fleischer. Es holpert und rüttelt, als sie darüber fährt. Die freigeschwemmten Steine seien so spitz, erzählt Fleischer, dass sie auch schon die Reifen eingebüßt hat.

Der Regen hat diesen Parkweg ausgespült. Wenn Manuela Fleischer darüberfährt, wird sie nicht nur durchgeschüttelt - auch mehrere platte Reifen hatte sie deshalb schon.
Der Regen hat diesen Parkweg ausgespült. Wenn Manuela Fleischer darüberfährt, wird sie nicht nur durchgeschüttelt - auch mehrere platte Reifen hatte sie deshalb schon. © SZ/Theresa Hellwig

Schiefe Fußwege werden zum Sportprogramm

Keine Frage; Manuela Fleischer kann verstehen, dass Gehwege gewissermaßen schief gebaut werden – schließlich soll ein zur Straße hin abgesenkter Bordstein dafür sorgen, dass Regenwasser besser abfließen kann. Ein Problem ist es für die Frau im Rollstuhl trotzdem: „Wenn ich den Rollstuhl anschiebe, geht bei schiefen Wegen die ganze Kraft auf einen Arm“, sagt sie, „ich muss alle paar Meter die Straßenseite wechseln, um das irgendwie auszugleichen.“ Was sie meint, zeigt sie auf dem Gehweg in der Wallstraße. Auch die Martin-Hoop-Straße ist dafür ein Beispiel. Noch schlimmer ist es in der Tuchmacherstraße – der Weg ist auch ohne Neigung bereits in schlechtem Zustand.

Für geneigte Gehwege wie diesen hat Manuela Fleischer Verständnis. Dennoch bedeutet es für ihre Arme eine ungleiche Belastung. Vor allem bei älteren Wegen ist die Neigung deutlich größer.
Für geneigte Gehwege wie diesen hat Manuela Fleischer Verständnis. Dennoch bedeutet es für ihre Arme eine ungleiche Belastung. Vor allem bei älteren Wegen ist die Neigung deutlich größer. © SZ/Theresa Hellwig

Bordsteine werden zum unüberwindbaren Hindernis

„Die Parksituation in Bautzen ist katastrophal“, sagt Manuela Fleischer. Wenn sie das ausspricht, meinte sie aber nicht etwa, dass sie zu lange nach einem Stellplatz suchen muss. Sie meint, dass Autos oft vor Bordsteinabsenkungen parken, – und sie deshalb einen Umweg zur nächsten abgesenkten Stelle fahren muss, um die Straßenseite wechseln zu können. Gleich an mehreren Orten parken bei ihrer Spazierfahrt an diesem Tag Wagen vor den Auffahrten. An anderer Stelle will das Überqueren der Straße gut geplant sein: Zum Beispiel auf der Taucherstraße fehlen abgesenkte Bordsteine in Richtung Gericht. Dort kämpft auch eine ältere Frau mit ihrem Rollator, sie fragt im Vorbeigehen: „Wird es hier bald für uns besser gemacht?“

Vor der Lessingapotheke ist der Bordstein in eine Richtung abgesenkt. Wer aber zum Gericht oder Spielplatz fahren möchte, muss einen Umweg nehmen und kann nicht einfach geradeaus über die Straße fahren.
Vor der Lessingapotheke ist der Bordstein in eine Richtung abgesenkt. Wer aber zum Gericht oder Spielplatz fahren möchte, muss einen Umweg nehmen und kann nicht einfach geradeaus über die Straße fahren. © SZ/Theresa Hellwig

Straßenschilder versperren die Sicht

Die Taucherstraße an sich ist ein positives Beispiel, freut sich Manuela Fleischer: Seitdem die Straße ausgebaut wurde, hat sich für sie die Situation hier verbessert. Aber ein Manko bleibt. Um das zu zeigen, fährt sie auf die Verkehrsinsel mitten auf der Straße vor dem Amtsgericht. Das Verkehrsschild ist genau auf der Höhe ihres Kopfes: „Ich kann nicht sehen, ob ein Auto kommt“, sagt sie, „wenn ich aber nach vorne rolle, um an dem Schild vorbeizugucken, stehe ich quasi schon auf der Straße. Das ist gefährlich.“

Manuela Fleischer verschwindet hinter dem Schild: Sie ist für Autos schlecht zu sehen - und sieht heranbrausende Fahrzeuge selbst auch schlecht.
Manuela Fleischer verschwindet hinter dem Schild: Sie ist für Autos schlecht zu sehen - und sieht heranbrausende Fahrzeuge selbst auch schlecht. © SZ/Theresa Hellwig

Das sagt die Stadt dazu

„Der Stadt sind die Probleme von auf Rollstuhl und Rollator angewiesenen Menschen sehr wohl bekannt“, teilt die Pressestelle mit, „alle grundhaften Ausbaumaßnahmen der letzten Jahre haben in Abstimmung mit den zuständigen Behindertenverbänden stattgefunden.“

Gegen die Falschparker vor den Bordsteinabsenkungen gehe das Ordnungsamt vor, so die Verwaltung. Die schiefen Gehwege sind für die Stadt eine harte Nuss; bei Neubauten gibt es bestimmte Vorgaben dafür. Das Gefälle soll, abgesehen von Einfahrten, bei nicht mehr als zwei Prozent liegen. Wege, die schiefer sind, könnten nur über einen grundhaften Ausbau begradigt werden – also durch große Baumaßnahmen. So lasse sich auch die Lage in der Stieberstraße nur durch einen grundhaften Ausbau verbessern – und der sei in der nächsten Zeit nicht zu erwarten.

Noch in diesem Jahr will sich die Stadt aber um einige Gehwege kümmern. Zum Beispiel in der Hegel-, Lotze- und Mättigstraße. Auch in der Dr.-Ernst-Mucke-Straße wird der Gehweg in Ordnung gebracht. Auch in der westlichen Neustadt und im Bereich der Dresdner Straße hat die Stadt noch Pläne. In der Gustav-Hertz-Straße will die Stadt noch in diesem Jahr einige der gebrochenen Gehwegplatten ersetzen. Aber: Das ist teuer. Für Bauunterhaltungsmaßnahmen an Straßen und Gehwegen stehen der Stadt jährlich 200.000 Euro zur Verfügung, teilt die Verwaltung mit. „Zum Vergleich: Allein die in diesem Jahr vorgesehene Verbesserung des Gehweges in der Rosenstraße und der Lotzestraße kostet etwa 20.000 Euro.“

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