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"Das Wahlergebnis in meiner Heimat ist beängstigend"

Er stammt aus Bautzen, spielt im Tatort: Schauspieler Roman Knižka ist besorgt über den Ausgang der Bundestagswahl. Was ihn besonders umtreibt.

Den Bautzener Roman Knižka kennen viele aus Kino und Fernsehen. Zum Wahlergebnis in der Region findet der Schauspieler deutliche Worte.
Den Bautzener Roman Knižka kennen viele aus Kino und Fernsehen. Zum Wahlergebnis in der Region findet der Schauspieler deutliche Worte. © Tom Solo

Bautzen. Gerade dreht er in Hamburg: Schauspieler Roman Knižka hat es längst aus Bautzen in die Welt hinaus verschlagen. Mittlerweile kennt man ihn aus dem Tatort, aus Filmen wie „Groupies bleiben nicht zum Frühstück“ oder dem Fernsehfilm „Für immer Sommer 90“. Letzterer hat gerade den Deutschen Fernsehpreis 2021 erhalten. Der Film, den er gerade dreht, wird bald im ZDF ausgestrahlt – ein Krimi.

Doch seiner Heimat fühlt sich Roman Knižka trotzdem noch verbunden. Und so lässt ihn auch das Bundestagswahlergebnis – vor allem das Abschneiden der AfD im Wahlkreis Bautzen – nicht kalt. So kommentiert er es auch auf dem Instagramkanal der SZ Bautzen.

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„Beängstigend“, nennt er das Ergebnis dort. „Scheinbar ist das eine Drittel der Wähler und Wählerinnen weder aufgeklärt noch aufgeschlossen und hat wenig Schlüsse aus dem politischen Verlauf des letzten Jahrhunderts gelernt“, schreibt Knižka – und zitiert den italienischen Autor und Holocaust-Überlebenden Primo Levi mit den Worten „Es ist geschehen, folglich kann es wieder geschehen“.

„Ich kenne eine Menge Menschen außerhalb Deutschlands, die sich über die Anzahl der rechtsgerutschten Stimmen in unserem sonst so bewunderten Land nur noch wundern“, sagt Roman Knižka gegenüber Sächsische.de. Vor allem angesichts der deutschen Geschichte, sagt er – und meint, es sei wichtig, dass die Zeit des Nationalsozialismus weiter aufgearbeitet werde.

Er frage sich, wie es zu dem hohen Wahlergebnis für die rechtspopulistische AfD gekommen sei. Und vermutet, dass sich darin Ängste und Befürchtungen der Menschen ausdrücken. „Die Fremdenfeindlichkeit und die Erschaffung von Feindbildern sind sehr offensichtlich das Spiel von rechtsgerichteten Politikern und ihren Anhängern.“

Knižka rät den Menschen, mehr zu reisen, um sich in Weltoffenheit zu üben. „Um einen guten Eindruck anderer Kulturen und Menschen im eigenen Land zu erlangen, muss man ihnen begegnen oder sie kennenlernen.“ Sein Eindruck: Viele bildeten sich durch Negativbilder in den Medien eine Meinung.

"Freiheit gibt es nicht gratis"

Vom Staat hätten viele ein falsches Verständnis. „Um in einem politisch und sozial gesunden Staat zu leben, muss man als Bürger investieren“, sagt Roman Knižka - und vergleicht das mit einem Geschäft. Dort würden die Leute auch nicht einfach die Ware mitnehmen, ohne zu zahlen. „Auch Freiheit gibt es nicht gratis. Was man als Nutznießer einer freiheitlichen Demokratie investieren muss, sind Offenheit, Verständnis, Toleranz. Und die einfache Erkenntnis, dass wir uns die Erde miteinander teilen müssen, wenn wir uns nicht gegenseitig eliminieren wollen.“

Seine Kritik richtet sich deshalb auch an die AfD in Bezug auf ihren Umgang mit dem Klimawandel. „Klimaschutz muss ein täglicher Aspekt unseres Lebens werden. Das sollte man als verantwortungsbewusste Partei proklamieren, aber dafür muss man erst mal die Ergebnisse der Klimaforschung anerkennen.“

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