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Diese Ärzte werden im Kreis Bautzen dringend gesucht

Allgemeinmediziner, Haut- und Augenärzte: Viele Arztstellen im Kreis Bautzen sind unbesetzt. Wo die Probleme liegen und was dagegen getan wird.

Das Medizinische Versorgungszentrum der Oberlausitz-Kliniken in Bautzen sucht einen neuen Augenarzt. Auch andere Fachärzte werden in der Region dringend benötigt.
Das Medizinische Versorgungszentrum der Oberlausitz-Kliniken in Bautzen sucht einen neuen Augenarzt. Auch andere Fachärzte werden in der Region dringend benötigt. © Oberlausitz Kliniken

Bautzen. Als die Bautzener Augenärztin Sigrid Scope ihre Praxis schloss, begann für Klaus Müller die Suche. Etwa im August 2020, erzählt er, führte er die ersten Telefonate. „Es hieß, ins MVZ kommt ein neuer Arzt“, sagt er. „Anfang 2021 hieß es dann: Der kommt doch nicht.“ Mehrere Praxen rief Müller an; erst jetzt, ein Jahr später, bekam er in Kirschau einen Termin.

Von der schwierigen Suche nach einem Augenarzt berichten derzeit viele in Bautzen. Und auch die Suche nach anderen Fachärzten ist oft nicht einfach. Aber welche Mediziner werden in der Region denn eigentlich besonders dringend gesucht? Die Zahlen zu den Zulassungsmöglichkeiten für neue Ärzte, die der Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen herausgegeben hat, geben Aufschluss.

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Augenärzte: MVZ sucht schon lange

„Aktuell keine Terminvergabe für Neupatienten möglich“, heißt es auf der Homepage der Praxis für Augenheilkunde im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) des Bautzener Krankenhauses. Seit Langem sucht das MVZ der Oberlausitz-Kliniken (OLK) nach einem neuen Augenarzt. Zeitweise waren dafür zwei Stellen ausgeschrieben. Denn nachdem Augenärztin Sigrid Scope aufgehört hatte, übernahmen die OLK den Praxissitz. Dafür mussten sie einen Arzt finden. Außerdem hatte der beim MVZ angestellte Arzt Dr. Conrad Hoffmann gekündigt.

Eine der beiden Stellen konnte das MVZ mittlerweile besetzen. Den zweiten Sitz musste das MVZ, weil es ein halbes Jahr lang keinen Nachfolger finden konnte, wieder an die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KVS) abgeben. Damit ist der Praxissitz frei. Sollte das MVZ einen neuen Augenarzt finden, kann es sich neu darum bewerben.

„Wir suchen noch immer“, erklärt Klinikchef Reiner Rogowski. „und zwar mit der klassischen Klaviatur: Anzeigen, Online-Plattformen, Headhunter.“ Parallel würden in der Klinik für Augenheilkunde jüngere Augenärzte ausgebildet. „Aber die müssen erst ihre Facharzt-Qualifikation erreicht haben, bevor sie in einer Praxis – entweder in der eigenen Niederlassung oder einer MVZ-Praxis – arbeiten können“, sagt Reiner Rogowski.

Hausärzte: Vor allem in Kamenz großer Bedarf

Der Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen betrachtet bei den Hausärzten die Regionen um Bautzen, Kamenz, Radeberg und Hoyerswerda getrennt voneinander. Radeberg und Bautzen gelten als überversorgt: Allgemeinmediziner werden hier nicht gesucht. Deutlich anders sieht das in Hoyerswerda und Kamenz aus.

In Hoyerswerda gibt es 9,5 offene Stellen, in Kamenz sieben. Die Kassenärztliche Vereinigung erklärt das mit der neusten Einschätzung für die Region. So berücksichtigt die Berechnung des Versorgungsgrades einer Region neben der Anzahl der Ärzte auch Faktoren wie die demographische Zusammensetzung und die Krankheitslast der dort lebenden Menschen. Zwar ordnet die KVS die Lage in Hoyerswerda und Kamenz noch nicht als dramatisch ein, aber ein Fokus liege im gesamtsächsischen Vergleich sehr wohl auf dieser Region.

Hautärzte: Besonders dringend gesucht

„Es sind einfach zu wenig Hautarztpraxen in der Region vorhanden“, sagt Katharina Bachmann-Bux von der KVS. Anderthalb freie Stellen für Hautärzte gibt es konkret im Bereich Bautzen; Kamenz und Hoyerswerda gelten als gut versorgt. In den letzten Jahren seien zwei Praxen in Bischofswerda und Bautzen ersatzlos weggefallen. Was das für Leute in der Region bedeutet, hat erst vor Kurzem eine Frau aus Bischofswerda gegenüber Sächsische.de berichtet. Die 82-Jährige muss für jeden Hautarzttermin nach Dresden fahren.

Die KVS erkennt einen der Gründe für den Mangel darin, dass zu wenige Ärzte die Weiterbildung zum Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten absolvieren. „In diesem Zusammenhang steht auch, dass die Krankenhäuser in Kamenz, Radeberg, Bischofswerda und Bautzen keine eigenen Hautkliniken haben“, erklärt KVS-Sprecherin Katharina Bachmann-Bux. „Lediglich das Lausitzer Seenland Klinikum in Hoyerswerda kann Fachärzte weiterbilden. Meist ist die stationäre Weiterbildung aber ein wichtiger Bestandteil auf dem Weg zum Facharzt.“

Psychotherapeuten und Psychiater: Noch Stellen frei

Einen Mangel gibt es in der Oberlausitz auch im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiater, teilt die KVS mit. Es gebe zu wenige Interessenten für eine vertragsärztliche Tätigkeit in der Region; sowohl für eine Anstellung als auch für eine eigene Niederlassung.

So sieht es in den anderen Fachbereichen aus

Neu ansiedeln könnte sich in der Region neben Ärzten der genannten Fachbereiche auch ein Urologe. So gebe es derzeit Probleme bei der Nachfolge der Praxis Varga in Hoyerswerda, teilt die KVS mit. Als gut versorgt gilt die Region indes in Bezug auf Chirurgen und Orthopäden, Frauenärzte und HNO-Ärzte. Auf dem Papier gilt die Region auch im Bereich der Kinderärzte als gut versorgt. OLK-Chef Reiner Rogowski berichtet allerdings sehr wohl von einem Mangel in diesem Bereich und sucht derzeit nach einem Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin in Weiterbildung.

Was gegen den Arztmangel auf dem Land getan wird

Eine ganze Reihe an Ideen hat die KVS, um die Lage zu verbessern. So setzt sie auf vereinfachte Weiterbildungsmaßnahmen, ermöglicht den Quereinstieg in die Allgemeinmedizin. Es gibt Fördermittel und Gehaltszuschläge für Hausärzte, die sich in eine eigene Niederlassung wagen. Und Förderprogramme für ein Medizinstudium in Ungarn.

Bautzens Klinikchef Reiner Rogowski zieht jedoch eine ernüchternde Bilanz; er erkennt nur einen mäßigen Erfolg der Maßnahmen. Die KVS selbst ist positiv gestimmt: „Alle Förderprogramme“, sagt Katharina Bachmann-Bux, „werden von Ärzten und angehenden Medizinern genutzt.“

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