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Schweinepest: Die unterschätzte Gefahr

Täglich rollen Tausende Lkw aus Polen durch den Kreis Bautzen. Landwirte sind deshalb besorgt. Denn jeder Laster kann das gefährliche Virus mitbringen.

Im Landkreis Bautzen sind solche Schilder bisher unnötig. Doch das kann sich ganz schnell ändern. Eine mögliche Quelle für die Übertragung der Schweinepest sind Fleisch- und Wurstwaren aus infizierten Tieren.
Im Landkreis Bautzen sind solche Schilder bisher unnötig. Doch das kann sich ganz schnell ändern. Eine mögliche Quelle für die Übertragung der Schweinepest sind Fleisch- und Wurstwaren aus infizierten Tieren. © Symbolfoto: dpa

Bautzen. Die gute Nachricht zuerst: Bis jetzt gibt es im Landkreis Bautzen keinen nachgewiesenen Fall von Afrikanischer Schweinepest (ASP). Das bestätigte am Montag eine Sprecherin des Landratsamtes. Doch - und hier kommt die weniger gute Nachricht - das kann sich täglich ändern.

Nicht nur infizierte Wildschweine aus Brandenburg, Polen oder Tschechien können die Seuche in den Landkreis bringen. Die Gefahr reist auch in Fahrzeugen mit - im Proviant von Insassen. Zum Beispiel auf der Autobahn: Tausende Brummis rollen auf der A 4 jeden Tag auch durch den Landkreis Bautzen, die meisten davon kommen aus Polen.

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Schon 100 infizierte Schweine in Polen

Es liegt in der Natur der Dinge, dass sich Fahrzeuginsassen auch mal stärken müssen. Nicht alle haben die Zeit und das Geld, um in einer Gast- oder Raststätte einzukehren. Also bringen sich viele ihr Essen mit. Solange sie alles verspeisen, gibt es kein Problem. Doch es kann eines werden, sobald ein Stück Wurst oder Fleisch nicht im Magen landet, sondern irgendwo am Straßenrand oder in einem Papierkorb.

Denn: Vor allem in Polen grassiert die Afrikanische Schweinepest, die für den Menschen ungefährlich ist, nicht aber für Hausschweine. Vor wenigen Tagen meldete das Nachbarland das 100. infizierte Schwein. Die meisten ASP-Fälle gab es in der Nähe zur polnisch-deutschen Grenze. Und die betroffenen Hausschweine stammten in der Regel nicht aus großen Ställen, sondern von irgendwelchen Hinterhöfen.

Thema beim Fernfahrer-Stammtisch

Zwar müssen rund um diese Höfe Sperrbezirke eingerichtet werden. Und die Behörden in Ländern mit ASP-Ausbrüchen müssen durchsetzen, dass keine Erzeugnisse vom Schweinen oder Wildschweinen aus diesen Sperrbezirken in den Verkehr gebracht werden. Aber wer kann schon im Nachhinein kontrollieren, ob nicht ein Bauer ein Schwein geschlachtet und verarbeitet hat, welches das Virus in sich trug, ohne schon Symptome  zu zeigen? Ein weggeworfener Wurstzipfel kann verheerende Folgen nach sich ziehen, sobald ihn ein Wildschwein frisst. 

"Genau auf diesem Weg kann das Virus über große Strecken übertragen werden", warnt Mandy Noack, Sprecherin des Bautzener Landratsamtes. Zwar werden Fernfahrer durch Plakate an Raststätten und Parkplätzen aufgefordert, ihre Speisereste in verschließbare Mülltonnen zu entsorgen. Und auch die Polizei informiert über die unterschätzte Gefahr, berichtet Kai Siebenäuger von der Polizeidirektion Görlitz. Beim nächsten Fernfahrer-Stammtisch soll das Thema Schweinepest erneut auf die Tagesordnung.

Wilde Parkplätze sind problematisch

Die größte Gefahr sehen Landratsamt und Polizei gar nicht mal entlang der Autobahn. "Autobahnraststätten sind in Deutschland üblicherweise wildschweindicht eingezäunt", weiß Mandy Noack. "Problematisch sind wilde Parkplätze abseits von Autobahnen, zum Beispiel in Gewerbegebieten."

Das bestätigt Stefan Triebs, der Vorsitzende des Regionalbauernverbandes Bautzen-Kamenz. Hinter seiner Sorge stehen konkrete Zahlen: Im Landkreis halten mehr als 300 Betriebe insgesamt rund 75.000 Hausschweine. Keines von ihnen dürfte im Ernstfall den jeweiligen Betrieb verlassen. Ebenso dürften in einer sogenannten Pufferzone, die viel größer ist als der 500-Meter-Sperrbezirk, keine Schweine transportiert werden.

"Vor Betrieben und Handelseinrichtungen kommen in der Nacht Lkws aus Osteuropa an", erklärt Triebs. Die Fahrer übernachten vor dem geschlossenen Tor, um am frühen Morgen ihre Ladung liefern zu können. "Da stellt die mitgebrachte Wurstbemme eine große Gefahr dar."

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