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Ein neues Boot für die Olba-Retter

Leise, leicht und superschnell: Die Wasserwacht stationiert ein modernes Rettungsboot am beliebten Badesee - und reagiert so auch auf das jüngste Unglück.

Auf dem Olbasee in der Gemeinde Malschwitz ist jetzt ein neues Rettungsboot im Einsatz.
Auf dem Olbasee in der Gemeinde Malschwitz ist jetzt ein neues Rettungsboot im Einsatz. © SZ/Uwe Soeder

Malschwitz. Auf die klassische Bootstaufe mit Champagnerflasche musste verzichtet werden. Der simple Grund: Die SN-070-Friedel, das neue Rettungsboot der Bautzener Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), besteht zu großen Teilen aus Gummi. Ein Schlückchen Sekt gab es dann aber doch aus dem Glas der stellvertretenden Vorsitzenden des DRK-Kreisverbandes Andrea Lehmann. Sie taufte das Boot am Ufer des Olbasees auf den Namen des 2015 verstorbenen Alexander-Wolfgang Friedel, der über 50 Jahre lang Mitglied des Rettungsdienstes und außerdem lange Jahre Vorsitzender und Ausbilder war.

Das neue Rettungsboot, es ist nicht nur eine Reminiszenz an den verstorbenen Kameraden. Es soll auch eine Wertschätzung gegenüber den 140 ehrenamtlichen Mitgliedern der DRK Wasserwacht sein, von denen 70 aktiv im Wasserrettungsdienst tätig sind. Sie betreuen unter anderem die Rettungswache am Olbasee zwischen Kleinsaubernitz und Wartha. An jedem Wochenende sind sie während der Sommermonate vor Ort, schlafen teils in dem in den 1990er-Jahren erbauten Bungalow in Ufernähe. In über 1.000 Wachstunden verrichteten sie nach Aussage der Vereinsleitung in diesem Jahr bereits ihren Dienst.

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Zeitersparnis entscheidet über Leben und Tod

Ein vernünftiges Einsatzgefährt fehlte aber, seit das alte Rettungsboot Anfang 2018 nach 25 Jahren im Dienst seine Einsatzzeit endgültig überschritten hatte. Ohne so ein Boot, das verdeutlicht ein Vergleich des stellvertretenden Vereinsvorsitzenden Jörg Lindner, wird die Rettung auf dem rund 50 Hektar großen Gewässer zur Gedulds- und Kraftprobe. Er sagte: "Ein geübter Schwimmer braucht vom Seeufer bis zum Radisch, der Insel in der Seemitte, mindestens zehn Minuten." Mit dem neuen Motorrettungsboot lassen sich die rund 500 Meter hingegen in etwa 30 Sekunden zurücklegen - Zeitersparnis, die im Ernstfall über Leben und Tod entscheiden kann.

So augenscheinlich die Notwendigkeit eines Rettungsbootes mit Blick auf diese Zahlen auch sein mag, so schwierig gestaltete sich die Finanzierung. "Wenn Dinge kaputt gehen, dann ist es vor allem im ehrenamtlichen Bereich eine Herausforderung, sie zu ersetzen", so Jörg Lindner weiter. Dirk Rätze, der Leiter der Wasserwacht, beschreibt den weiten Weg, der zum neuen Boot führte, als "stundenlange Gespräche, unzählige Kilometer und viele Klinken, die geputzt werden mussten".

Bürgermeister wünscht sich Rettungsdienst-Ausbau

Am Ende stand die Finanzierung der 19.000 Euro teuren Neuanschaffung als gemeinsamer Kraftakt: In 13.500 Euro teilten sich der DRK-Kreisverband und die Wasserwacht, 3.500 Euro steuerte die Gemeinde Malschwitz bei, auf deren Gebiet sich der Olbasee befindet. Die fehlenden 2.000 Euro generierte der Landkreis Bautzen aus dem Verkauf des nicht mehr einsatzfähigen Bootes.

Der Malschwitzer Bürgermeister Matthias Seidel (CDU) stellte klar: "Es ist etwas Besonderes, dass es hier eine Rettungswache gibt." Ginge es nach ihm, würde der Rettungsdienst an dem beliebten Badesee noch ausgebaut: "Es wäre schön, wenn ihr nicht nur an den Wochenenden hier wärt, insbesondere während der Ferienzeit", sagte er auch im Hinblick auf das jüngste Unglück, bei dem ein 44-jähriger Schwimmer nach seinem Bad in der Olba nicht ans Ufer zurückgekehrt war. Erst nach dreieinhalb Wochen intensiver Suche war seine Leiche geborgen worden.

Ob die Wasserretter dem Mann hätten helfen können, wären sie mit entsprechender Technik vor Ort gewesen? Jörg Lindner zuckt die Schultern: "Das kann niemand mit Gewissheit sagen. Fakt ist, infolge dieses Vorfalls haben wir entschieden, einen noch besseren Flutlichtscheinwerfer auf dem Boot zu installieren, um auch nächtliche Suchaktionen abdecken zu können."

Speziell abgestimmte Ausrüstung

Und auch sonst ist die Friedel auf die besonderen Bedürfnisse der Kleinsaubernitzer Wasserwacht abgestimmt: Bis zu acht Personen kann das 650 Kilogramm schwere Wassergefährt transportieren. Durch eine spezielle Vorrichtung fällt das Ein- und Aussteigen leicht. Im Ernstfall kann das die Rettung Verunglückter vereinfachen. Mit bis zu 50 Kilometern pro Stunde nähert sich die Friedel dem Einsatzort und ist dabei besonders leise - was besonders den Anwohnern gefallen dürfte.

Wie häufig der Einsatz eines Rettungsbootes im Jahresdurchschnitt tatsächlich notwendig wird, konnte Jörg Lindner nicht sagen. Das liege daran, dass etwa auch die Behandlung eines Insektenstiches als Einsatz zähle. "Aber", so Lindner weiter, "es kommt immer mal wieder vor, dass Kinder bis zu einer Boje rausschwimmen und dann dort hängenbleiben, weil ihnen zwischendurch die Kraft ausgegangen ist." Für solche Fälle ist die Friedel jetzt da.

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