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Sparkassen-Einbrüche: Die Spur führt nach Litauen

Vor zwei Jahren wurde in mehrere Filialen der Kreissparkasse Bautzen eingebrochen. Jetzt gibt es einen Verdächtigen. Weshalb das Verfahren derzeit trotzdem ruht.

Von Tilo Berger
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Am Vormittag des 1. November 2019 wurde die Polizei zur Sparkassenfiliale an der Bautzener Erich-Weinert-Straße gerufen - nur eine von mehreren Geschäftsstellen der Kreissparkasse, in die damals eingebrochen wurde.
Am Vormittag des 1. November 2019 wurde die Polizei zur Sparkassenfiliale an der Bautzener Erich-Weinert-Straße gerufen - nur eine von mehreren Geschäftsstellen der Kreissparkasse, in die damals eingebrochen wurde. © Steffen Unger

Bautzen. Reformationstag vor zwei Jahren, der 31. Oktober 2019: Ein Kunde der Kreissparkasse Bautzen will am Geldautomaten in der Filiale an der Bahnhofstraße in Wilthen Bares abheben. Sofort sieht er: Hier wurde eingebrochen. Die Polizei ist schnell vor Ort und sichert Spuren.

Was zu diesem Zeitpunkt niemand ahnte: Dies war erst der Anfang einer Serie von Einbrüchen in mehrere Filialen der Kreissparkasse. Andere Kreditinstitute verschonten die Täter. In den Geschäftsstellen der Sparkasse aber durchwühlten sie Schränke und Schreibtische und hinterließen hohe Sachschäden von mehreren Tausend Euro. Am Morgen nach dem Feiertag wurden Einbrüche in die Filialen Bischofswerda, Bautzen-Gesundbrunnen am Kaufland, im Bautzener Allendeviertel sowie in Neukirch/Lausitz und Sohland festgestellt.

Elf Einbrüche in drei Monaten

Bis Ende Januar 2020 gab es insgesamt elf Einbrüche in Geschäftsstellen der Kreissparkasse. Die nächtlichen Besuche verrieten eine bestimmte Masche. Denn überall hatten es die oder der Täter auf Sparkassenbuch-Schließfächer der Kunden abgesehen. Die Schließfächer wurden aufgehebelt und größtenteils zerstört, Inhalte teilweise gestohlen - außer den Sparkassenbüchern auch Schmuck, der in diesen Fächern allerdings gar nicht aufbewahrt werden dürfte. Die Geldautomaten blieben überall unbehelligt, Bargeld wurde nirgends gestohlen.

Die Polizei ermittelte. Längst waren die Einbrüche auch ein Fall für den Staatsanwalt geworden - und er vermeldet jetzt einen Durchbruch bei den Ermittlungen.

Deshalb ruht das Verfahren auf unbestimmte Zeit

Demnach führen die Spuren nach Litauen. Dem Bautzener Staatsanwalt Christopher Gerhardi zufolge wurde ein litauischer Staatsbürger, der auch seinen Wohnsitz in der baltischen Republik hat, als Tatverdächtiger ermittelt. Es soll sich um einen Mann von Anfang Vierzig handeln. Wie die Ermittler auf den Litauer kamen, sagt Gerhardi wegen des laufenden Verfahrens nicht.

Im Moment ruhe das Verfahren allerdings. Für die Fortführung der Ermittlungen müsste von dem Mann eine Blutprobe entnommen werden, um seine DNA abzugleichen, erklärt der Staatsanwalt. Doch der Beschuldigte befinde sich nicht mehr in Deutschland, sondern in Litauen. Gerhardi zufolge ist die "Blutentnahme im Wege der Rechtshilfe an litauischen Rechtsvorschriften gescheitert". In der baltischen Republik wird also niemand Deutschland zuliebe dem Beschuldigten Blut abnehmen.

Warum es keinen Haftbefehl gibt

Weiter erklärt Gerhardi: Juristen unterscheiden zwischen einem Tatverdacht und einem dringenden Tatverdacht. Ersterer ist bei dem Litauer gegeben, zweiterer aber nicht. Und damit fehlen "die Voraussetzungen für einen Haftbefehl gegen den Beschuldigten, mit dem dann seine Auslieferung betrieben werden könnte". Der Tatverdächtige sei daher „nur“ zur Aufenthaltsermittlung ausgeschrieben. Sollte er wieder nach Deutschland einreisen, würde das Verfahren wieder aufgenommen und fortgesetzt.

Nach bisherigen Erkenntnissen ging der Litauer allein auf Beutezug - weitere Tatverdächtige konnten bislang jedenfalls nicht ermittelt werden. Der Beschuldigte hatte im Zeitraum der Taten ein Fahrzeug gemietet, das möglicherweise im Zusammenhang mit den Einbrüchen stand. Ob der Mann nur für die Einbrüche in den Kreis Bautzen gekommen war, ist derzeit noch unbekannt. Eine Frage von vielen, bei denen die Ermittler ansetzen würden, sobald der Litauer wieder deutschen Boden betritt und sein Aufenthalt hier festgestellt würde.

So hat die Kreissparkasse reagiert

Die Kreissparkasse hat auf die Einbruchserie reagiert und alle 22 Anlagen abgebaut, die ausschließlich der Aufbewahrung von Sparkassenbüchern dienten. Laut Pressesprecherin Elke Bauch geschah das, weil der Einbrecher in den Schließfächern außer den Sparkassenbüchern auch Wertgegenstände vermutete - und ja auch vorfand. "Deshalb bestand der Anreiz für Einbrüche solange weiter, wie die Anlagen vorhanden waren."

Mit den gestohlenen Sparkassenbüchern selbst konnte der Dieb nichts anfangen. Die Kreissparkasse hatte nach den ersten Einbrüchen vorsichtshalber alle Sparbücher gesperrt, die auf die Namen von Schließfach-Mietern liefen. Es habe auch keine Versuche gegeben, mit einem der gestohlenen Sparkassenbücher Geld abzuheben. Nach vier Wochen hätten die Kunden ein neues Sparkassenbuch erhalten, mit dem sie wieder auf ihr Erspartes zugreifen konnten.

Steigendes Interesse an Kundensafes

Wurden die Sparkassenbücher also ersetzt, verhielt es sich bei den gestohlenen Wertgegenständen wie Schmuck anders. Weil die Schließfächer nicht für deren Aufbewahrung gedacht sind, blieb den Geschädigten hier nur der Weg zur Polizei.

Für Wertgegenstände bietet die Sparkasse entsprechend versicherte Tresorschließfächer an. Diese besonders gesicherten Kundensafes gibt es in acht Filialen: in den Bautzener Geschäftsstellen am Kornmarkt, an der Neusalzaer Straße und Erich-Weinert-Straße sowie in den Filialen Schirgiswalde, Bischofswerda, Großdubrau, Cunewalde und Wilthen. Seit der Einbruchserie, die vor zwei Jahren begann, haben laut Kreissparkasse etwa 200 Kunden einen solchen Safe neu gemietet.