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„Es ist ernst, das müssen die Menschen verstehen“

Trotz hoher Corona-Belastung gibt es im Landkreis Bautzen keine Verschärfung der Maßnahmen. Landrat Harig setzt auf Vernunft und Kontrollen.

Die Lage ist ernst - das machte Bautzens Landrat Michael Harig am Freitag mit Blick auf die Corona-Situation im Landkreis klar.
Die Lage ist ernst - das machte Bautzens Landrat Michael Harig am Freitag mit Blick auf die Corona-Situation im Landkreis klar. © Steffen Unger

Bautzen. Die Corona-Infektionszahlen im Landkreis Bautzen sind in den jüngsten Wochen nach oben geschnellt. Über Details und Schlussfolgerungen daraus informierten Landrat Michael Harig (CDU) und weitere Verantwortliche am Freitag im Landratsamt.

So dramatisch hat sich die Lage entwickelt

Rückblick: In der Woche ab 5. Oktober infizierten sich im Landkreis Bautzen an jedem Tag durchschnittlich 13 Menschen mit dem neuartigen Coronavirus. In der Woche darauf waren es schon fast 18 Neu-Infektionen pro Tag. Diese Zahl verdreifachte sich schnell: In der Woche ab 19. Oktober steckten sich jeden Tag durchschnittlich mehr als 52 Personen mit dem Virus an.

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In der vergangenen Woche waren es fast 112 Menschen, und in dieser Woche infizierten sich im Schnitt täglich 135 Einwohner des Landkreises. Das ist eine Verzehnfachung der Neu-Infektionen binnen eines Monats, sagte Vize-Landrat Udo Witschas (CDU), zu dessen Verantwortungsbereich auch das Gesundheitsamt des Landkreises gehört.

Die meisten Erkrankten seien zwischen 50 und 70 Jahre alt, berichtete Amtsärztin Dr. Jana Gärtner. Corona-Fälle gebe es überall im Landkreis, wobei der Raum Hoyerswerda/Wittichenau besonders stark betroffen sei. 

So wird das Gesundheitsamt gestärkt

Das Landratsamt konzentriert derzeit alle Kraft auf die Stärkung des Gesundheitsamtes. Dort beschäftigten sich Anfang Oktober 40 Mitarbeiter mit dem Thema Corona, nahmen Tests vor, ermittelten und verständigten Kontaktpersonen von Infizierten.

Mittlerweile sind es 185! Die zusätzlichen Kräfte kommen vor allem aus anderen Bereichen des Landratsamtes, aber auch von Behörden des Freistaates Sachsen, von der Verwaltungshochschule Meißen und von der Bundeswehr. Weitere 120 Frauen und Männer stehen bereit und könnten schon in den nächsten Tagen zum Einsatz kommen. Die Arbeitsgruppe Corona im Gesundheitsamt hätte dann mehr als 300 Mitstreiter.

"Wir haben das Gesundheitsamt neu strukturiert und die rollende Woche im Schichtsystem eingeführt", erklärte Witschas. Mit anderen Worten: Die Behörde arbeitet jetzt rund um die Uhr.

So arbeitet das Landratsamt im Krisenmodus

Die Konzentration auf das Gesundheitsamt führt zu Einschränkungen in anderen Bereichen. Deshalb bleibt das Landratsamt ab Montag für Besucher geschlossen. Termine sind weiter möglich, versichert der Landrat - aber nur nach vorheriger Anmeldung "und bei absoluter Notwendigkeit", so Harig.

Einige Dienste kann das Landratsamt vorübergehend nicht absichern. Welche das konkret betrifft, sagte Harig nicht, versicherte aber: Das Straßenverkehrsamt und die Zulassungsbehörde arbeiten weiter. "Auch alle nötigen Zahlungen werden vom Landratsamt weiter pünktlich abgesichert."

Schulen und Kitas sollen offen bleiben. "Sie tragen bislang kaum zum Infektionsgeschehen bei“, begründete der Landrat die Entscheidung. Zudem wolle der Landkreis zunächst die Wirkung des „Lockdown light“ abwarten. Auf diese Linie hätten sich alle sächsischen Landkreise mit der Staatsregierung verständigt. Als Frist für mögliche neue Entscheidungen nannte Harig den Freitag kommender Woche.

So werden die Kontrollen verstärkt

Eindringlich appellierte Harig an die Einwohner des Landkreises, die bestehenden Kontaktbeschränkungen und die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung in bestimmten Bereichen unbedingt zu beherzigen. "Diese Maßnahmen sind wichtig, um das Infektionsgeschehen einzuschränken. Nur dann können wir weitere Einschränkungen vermeiden, zum Beispiel die Schließung von Schulen und Kitas", betonte Harig. Sollten doch vereinzelt Schulen oder Kindertagesstätten schließen, dann wegen Corona-Infektionen in diesen Einrichtungen.

Ordnungsämter und Polizei würden jetzt noch genauer hinschauen, ob die Maßnahmen eingehalten werden. "Wer etwa einen Mund-Nasen-Schutz verweigert, trägt eine Mitverantwortung für die Schließung öffentlicher Einrichtungen", machte Harig klar. Maskenverweigerer würden zunächst angesprochen und, wenn es nicht anders geht, zur Verantwortung gezogen. Dafür komme der aktuelle Bußgeldkatalog zur Anwendung. "Wir meinen es ernst, weil es wirklich ernst ist! Das müssen die Menschen verstehen."

So hilft die Bundeswehr

Die Bundeswehr leistet Amtshilfe, wenn eine Behörde an ihre Grenzen stoße. "Das ist hier der Fall", sagte am Freitag Presse-Offizier Oberstleutnant Eric Gusenburger. Deshalb habe das Heer zunächst 20 Soldaten aus Gotha ans Bautzener Gesundheitsamt abgeordnet. Sie wohnen derzeit in einer Jugendherberge im Landkreis.

Insgesamt unterstützen mehr als 280 Soldaten Gesundheitsämter in Sachsen. Oberstleutnant Gusenburger rechnet aber damit, dass weitere Anträge auf Amtshilfe kommen.

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