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So lief der Klimaprotest in Bautzen

Rund 40 Leute haben am Freitag in Bautzen beim Klimastreik von Fridays for Future mitgemacht. Auf ihrem Marsch trafen sie auch auf Kritiker.

Etwa 40 Leute haben am Freitag in Bautzen beim Klimastreik mitgemacht. Auch in anderen Städten gingen Anhänger der Klimaschutz-Bewegung Fridays for Future auf die Straße.
Etwa 40 Leute haben am Freitag in Bautzen beim Klimastreik mitgemacht. Auch in anderen Städten gingen Anhänger der Klimaschutz-Bewegung Fridays for Future auf die Straße. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Mehrere Leute stehen mit verschränkten Armen am Straßenrand, andernorts schütteln einige den Kopf. Auf dem Buttermarkt will sich ein Mann mit Schweißband in Deutschland-Farben mit dem Redner unterhalten. Vor dem Rathaus sagt eine Frau: „Gott sei Dank lebt ihr dann in der Zukunft. Da sind wir dann tot.“ – Nein, nicht von allen sind die Teilnehmenden des Klimastreiks in Bautzen am Freitagnachmittag herzlich empfangen worden.

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Doch davon lassen sich die etwa 40 Leute, so die Zählung der Polizei, nicht abhalten. Die Protestierenden singen „hopp, hopp, hopp – Kohlestopp“ und „Wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut“ und machen mit Plakaten auf ihr Anliegen aufmerksam. „Grünkohl nur statt Braunkohle“ ist auf einem zu lesen, „Keine Kohle für die Kohle“ auf einem anderen. Auch ums Fliegen geht es: „Kurzstreckenflüge nur für Insekten“. Und auf einem Plakat steht: „Dinos dachten auch, sie hätten Zeit.“ Einige Sprüche sind auf Sorbisch.

Proteste an etwa 470 Orten in Deutschland

Deutschlandweit hatte die Klimaschutzbewegung Fridays für Future zum Klimastreik aufgerufen. An etwa 470 Orten fanden Proteste statt. Das Datum ist dabei kein Zufälliges: Die Klimaschutzbewegung hatte sich bewusst für diesen Freitag, zwei Tage vor der Bundestagswahl, entschieden.

„Wir wollen vor der Bundestagswahl ein Zeichen setzen“, erklärt auch Jonas Löschau, Kopf von Fridays for Future Bautzen, in seiner Rede auf dem Buttermarkt. „Wenn Deutschland so weitermacht, haben wir 2030 unser ganzes CO2-Budget aufgebraucht“, ruft der 21-Jährige, der für die Grünen im Bautzener Stadtrat und im Kreistag sitzt, in die Runde. „Es muss jetzt richtig was passieren, damit Deutschland in irgendeiner Weise die Klimaziele erreichen kann.“ Sollte das 1,5-Grad-Ziel aus dem Pariser Klimaabkommen nicht erreicht werden, werde es gefährlich. Dann erreiche die Erde gewisse Kipppunkte. Sind diese überschritten, „dann erwärmt sich die Erde von sich aus immer schneller und schneller. Die Folge: immer öfter und immer krassere Umweltkatastrophen“, erklärt Jonas Löschau.

Erst vor Kurzem hat der Weltklimarat die Folgen des menschengemachten Klimawandels neu betrachtet – und vor den drastischen Folgen gewarnt.

"Prioritäten bei Kernenergie- und Kohleausstieg falsch"

Es ist ein Thema, das an diesem Tag Schülerinnen und Schüler gleichermaßen wie Ältere auf die Straße bringt. Einer der Protestierenden hat einen „Scientists for Future“-Anhänger an seiner Jacke. „Die führenden Klimaforscher sind alarmiert“, sagt der Mann aus Sohland, der im Energiebereich forscht. „Es sind längst nicht alle politischen Mittel ausgeschöpft“, ärgert er sich. Um den Mehrbedarf an Strom abzudecken, sagt er, brauche es dringend bessere Lösungen. Ob Wärmepumpe oder Flusswasser-Energie – ein bunter Energiemix ist aus seiner Sicht die Lösung für das Problem. „Jetzt geht es aber erst einmal darum, dass die Dramatik ankommt“, sagt er.

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Und die Jugendlichen in der ersten Reihe, worum geht es denen? „Wir müssen dafür sorgen, dass die Erde auch für die nachfolgenden Generationen eine lebenswerte ist“, sagt ein Schüler. „Dafür brauchen wir den Kohleausstieg bis 2030 oder besser noch eher.“ Ein anderer schaltet sich ein: „Nach meiner Meinung sind die Prioritäten beim Atom- und beim Kohleausstieg falsch gesetzt worden“, sagt er. „Wir hätten mit dem Kohleausstieg beginnen sollen“, findet der Schüler des Sorbischen Gymnasiums. „Gerade ist das CO2 unser größtes Problem. Wir wollen doch nicht, dass hier in 100 Jahren Wüste ist!“

Jugendliche wollen bei Baumpflanzaktion helfen

Vor dem Rathaus spricht eine Gruppe von etwa fünf Leuten Jonas Löschau an. Sie stehen mit vor der Brust verschränkten Armen da. „Woher soll der Strom kommen?“, fragt eine Frau in einem Tonfall, der eher ablehnend als neugierig klingt. Als Löschau das Schlagwort erneuerbare Energien in den Mund nimmt, sagt sie: „Unsere schöne Natur, die Windräder…“ Ein Mann sagt: „Was denkt denn ihr, was die Elektroautos für Strom verbrauchen?“ Löschau antwortet ihm, dass der Klimabewegung deshalb auch der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs wichtiger sei. Eine Weile diskutiert die Gruppe. Dann macht die Frau klar, dass sie das Ganze aus ihrer Sicht ohnehin nicht mehr betreffen wird.

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Als sie den Satz sagt, spricht Jonas Löschau noch einen halben Satz lang weiter – und bricht dann ab. „Warum diskutiere ich eigentlich?“, fragt er - und geht. Mehr Sinn sieht er hingegen in einer anderen Sache: Der Bautzener Leo-Club will an diesem Sonnabend auf dem Drohmberg neue Bäume pflanzen. Jonas Löschau ruft die Teilnehmenden auf, dabei zu helfen. Um hinzukommen, bilden sie Fahrgemeinschaften.

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