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Sohland: Start für Millionenprojekt

Die Gemeinde schafft im Gewerbegebiet Wassergrund mehr Platz für Unternehmen. Das Vorhaben ist anspruchsvoll - nicht nur wegen der Kosten.

Zum ersten Spatenstich für die Erweiterung des Gewerbegebietes Wassergrund trafen sich Vertreter der Gemeinden Sohland und Oppach, von Abwasserzweckverband und ausführenden Firmen.
Zum ersten Spatenstich für die Erweiterung des Gewerbegebietes Wassergrund trafen sich Vertreter der Gemeinden Sohland und Oppach, von Abwasserzweckverband und ausführenden Firmen. © SZ/Uwe Soeder

Sohland. Etliche Spaten oder besser Baggerschaufeln haben sich schon in die Erde gegraben, als sich eine festlich gekleidete Delegation den Weg durch wild bewachsenes Gelände an der B 98 im Sohlander Ortsteil Wassergrund zu bahnen beginnt. Vor einer Bautafel an der Bundesstraße kommt der Trupp zum Stehen, sortiert sich und greift für den symbolischen ersten Spatenstich zum Grabgerät.

Der Grund für den Besuch von Sohlands Bürgermeister Hagen Israel (parteilos), Oppachs Bürgermeisterin Sylvia Hölzel (parteilos), Wilthens Bürgermeister Michael Herfort (CDU) als Vorsitzender des Abwasserzweckverbandes Obere Spree und weiteren Vertretern der Gemeinde und der ausführenden Baufirmen ist nicht zu übersehen: Wo bis Anfang August noch abgeerntete Strohballen in der Sonne trockneten, dehnt sich jetzt auf 3,1 Hektar staubiges Bauland aus. Der Grund: Um die gestiegene Nachfrage nach Industrieflächen bedienen zu können, will die Gemeinde Sohland das Gewerbegebiet im Wassergrund vergrößern.

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Tonnen von Erde werden bewegt

Was trivial klingt, erweist sich als anspruchsvolles Mammutprojekt: Das Gelände fällt von der Bundesstraße aus in Richtung Taubenheim stark ab. An der tiefsten Stelle beträgt der Unterschied achteinhalb Meter. Die müssen ausgeglichen werden. Dafür werden riesige Berge an Mutterboden vom einen Ende des Baufeldes ans andere bewegt - bis zu 60 Lkw-Züge am Tag. Das allein würde aber noch keinen guten Baugrund ergeben, weshalb in regelmäßigen Abständen andere mineralische Baustoffe in den Untergrund eingearbeitet und verdichtet werden. Das Material dazu kommt aus Oberottendorf.

Tonnen an Erde müssen an der B 98 bewegt werden, um die Fläche für die geplante Erweiterung des Gewerbegebiets zu begradigen.
Tonnen an Erde müssen an der B 98 bewegt werden, um die Fläche für die geplante Erweiterung des Gewerbegebiets zu begradigen. © SZ/Uwe Soeder

Auf diese Weise sollen zwei Plateaus von 1,4 und 1,7 Hektar Fläche entstehen. Sie sollen Platz für bis zu drei Betriebsstandorte bieten. Die bereits existierende Straße ins Gewerbegebiet wird dafür verlängert. Sie soll nach dem Abschluss aller Arbeiten ab November 2021 in einer Wendeschleife münden, von welcher aus wiederum bis zu drei Betriebszufahrten abzweigen können.

Noch gibt es nach Aussage von Sohlands Bürgermeister Hagen Israel keine konkreten Kaufinteressenten für die Flächen, für die die Gemeinde einen Quadratmeterpreis von etwa zwölf Euro veranschlagen will. Wohl aber lägen ihm Interessensbekundungen von einer Firma vor, die bereits jetzt im Wassergrund ihren Sitz hat. Auch ein weiterer Interessent von außerhalb könne sich vorstellen, hier seine neuen Hallen zu errichten. 

All das stecke zwar noch in den Kinderschuhen, Herzdrücken bereitet es Hagen Israel dennoch nicht: "Ich bin überzeugt, dass es uns gelingt, die baureifen Flächen schnell an den Mann zu bringen", sagt er und fügt hinzu, dass sich die Gemeinde durchaus auch vorstellen kann, über das Gründer- und Gewerbezentrum eigene Hallen zu errichten und diese anschließend zu vermieten. "Gerade Neugründer haben teilweise Bedarf an fertigen Hallen. Wir werden da reagieren", sagt Israel.

Partner ziehen an einem Strang

Um die neu versiegelte Fläche vor Hochwasser zu schützen, wird Regenwasser künftig nach Osten abgeleitet, wo es dosiert in das Rückhaltebecken auf Oppacher Flur fließt. Das ist in seiner jetzigen Dimension zu klein für das erwartete Wasseraufkommen und wird vergrößert - ein Gemeinschaftsprojekt der beiden Oberlandgemeinden und des Abwasserzweckverbandes.

Trotz all dieses Aufwands ist Hagen Israel erleichtert, dass die Bauarbeiten nun endlich gestartet sind. Nachdem das Gewerbegebiet zuletzt im Jahr 2000 erweitert worden war, habe es bereits seit Mai 2016 Pläne für die nächste Vergrößerung gegeben, erzählt er. Danach aber soll erstmal Schluss sein. "Der B-Plan sieht zwar sogar noch mehr Erweiterungsfläche vor, die lässt sich aber nicht wirtschaftlich nutzen. Die Kosten wären überproportional hoch zur entstehenden wirtschaftlichen Nutzfläche", erklärt der Bürgermeister.

Bürgermeister sieht Geld gut angelegt

An den Gesamtkosten von 3,4 Millionen Euro beteiligt sich die Gemeinde Sohland als Bauherr mit Eigenmitteln von 500.000 Euro. Hinzu kommen Fördermittel des Freistaates und Gelder vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Dennoch ist die einzusetzende Summe für die Gemeinde Sohland kein Pappenstiel. Israel aber zeigt sich zuversichtlich, dass sich die Investition rechnet: "Das Vorhaben war lange geplant, die Eigenmittel dafür waren zeitig in unserem Haushalt eingestellt. Ich gehe fest davon aus, dass uns das mittelfristig einen Rückfluss bringt. Die Anfragen bestätigen uns das."

Bei allem Optimismus muss jetzt nur noch eines mitspielen: das Wetter. Seit Baubeginn im August, heißt es von den ausführenden Firmen, habe man spitzenmäßige Bedingungen gehabt. Die waren zwar mit einer großen Staubbelastung verbunden. Mehr Angst haben Firmen und Anwohner aber offenbar vor den Regenmonaten. Die würden nicht nur die Bauarbeiten durch die zu erwartende Schlammentwicklung in Verzug bringen. Auch mit den Anwohnern, sagt Hagen Israel, sei man bereits im Gespräch, weil diese befürchten, bei Regen könne der aufgeschüttete Sand in ihre Grundstücke fließen. Vorerst aber meldet Israel fröhlich: "Wir sind sogar ein stückweit vor dem Plan."

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