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Bautzen: Husarenhof-Abriss geht weiter

Eigentlich sollte die Brandruine bereits beseitigt sein, doch die Arbeiten mussten unterbrochen werden. Nun liegt ein neues Gutachten vor.

Nach einer Unterbrechung kurz nach  Beginn der Arbeiten geht der Abriss am Husarenhof in Bautzen weiter.
Nach einer Unterbrechung kurz nach Beginn der Arbeiten geht der Abriss am Husarenhof in Bautzen weiter. © Archivfoto: Steffen Unger

Bautzen. Die Abrissarbeiten an der Brandruine des ehemaligen Hotels Husarenhof in Bautzen laufen weiter. Das teilte Andreas Breuer mit, Geschäftsführer der Firma Klixer Recycling aus Bautzen. Die Firma ist mit den Abrissarbeiten beauftragt worden.

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Eigentlich hätten die Arbeiten jetzt bereits abgeschlossen sein sollen. Doch Mitte Januar ist ein Abrissstopp verhängt worden. Der Grund: Das Landratsamt forderte ein neues Gutachten, das zeigt, ob Fledermäuse oder andere Tiere in dem Gebäude überwintern.

Derzeit keine Fledermäuse in der Brandruine

Das Ergebnis dieses Gutachtens liegt jetzt vor, sagt Andreas Breuer. „Es ist positiv ausgefallen“, erklärt er. In der Brandruine leben keine Fledermäuse. Es sei nun sinnvoll, schnell mit den Abrissarbeiten weiterzumachen, damit sich nicht im Zweifel in der Brutzeit ab März Vögel einnisten.

Einer von drei Gebäudeteilen ist bereits so gut wie fertig abgerissen, berichtet Andreas Breuer. Es handelt sich dabei um den Teil, der am meisten Brandschäden aufwies. Derzeit werde der Bauschutt abtransportiert. Ab Dienstag soll der Keller verfüllt werden.

Anfang März sollen die Arbeiten abgeschlossen sein

„In drei Wochen wollen wir fertig sein“, berichtet Breuer. „Dann brauchen wir die Abrisstechnik auf der nächsten Baustelle.“ Damit zu rechnen, dass es dann gleich weiter geht auf dem Areal, sei aber unrealistisch. „Wir errichten einen Bauzaun um das Areal und dann ist erst einmal Pause“, so Breuer.

Im Januar hatten die Bebauungspläne für das Areal zur Bürgerbeteiligung ausgelegen. So wollen die Investoren neben dem Hotel auch noch weitere Gebäude abreißen. Auf dem Areal soll unter anderem der Husarenhof-Edeka erweitert werden, neue Fachmärkte sollen dort Platz finden und ein Gastronomie-Pavillon soll entstehen. (SZ/the)

So berichtete Sächsische.de bisher über den Abriss:

Für viele Bautzener war das eine gute Nachricht: Die Brandruine des ehemaligen Husarenhof-Hotels verschwindet. Auch die Handelsketten Rossmann und Edeka freuten sich über die Nachricht; warten sie doch schon lange darauf, ihr Areal am Einkaufszentrum Husarenhof erweitern zu können. „Ich hatte Interview-Anfragen, viele haben gesagt, dass sie sich freuen, dass es hier endlich weitergeht“, sagt Andreas Breuer, Geschäftsführer der Firma Klixer Recycling.

Am Montag vergangener Woche war seine Firma mit Abrissbaggern angerückt. Innerhalb eines Monats sollte die Brandruine verschwinden. Ein ehrgeiziger Plan – der nun kaum noch einzuhalten ist.

Landratsamt hat Abriss-Stopp verhängt

Denn wer in den vergangenen Tagen an der Ruine vorbeigelaufen ist, der hat sicher kein Rumoren von Baumaschinen gehört, kein Krachen herabfallender Steine, kein Knacken brüchiger Balken. Am Husarenhof ist wieder Stillstand.

Wie Klixer-Recycling-Chef Andreas Breuer mitteilt, ist ein Abriss-Stopp verhängt worden. „Die Baustelle steht seit Mittwoch“, sagt Breuer. Der Grund: Fledermäuse – oder zumindest die Annahme, dass es sich welche in dem Gebäude gemütlich gemacht haben könnten.

Überwintern Fledermäuse im Gebäude?

Das bestätigt Mandy Noack vom Bautzener Landratsamt. Für den Abriss sei ein Gutachten notwendig, erklärt sie. Dabei soll zum Beispiel herausgefunden werden, ob sich Tiere in dem Gemäuer angesiedelt haben; womöglich solche, die unter Artenschutz stehen. „Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass das Abrissgebäude Ruhe- und Fortpflanzungsstätten besonders und streng geschützter Arten beherbergt“, erklärt Landratsamtssprecherin Mandy Noack. Dazu zählen zum Beispiel eben Fledermäuse – oder auch einige Vogelarten. Es könnte etwa sein, dass Fledermäuse in dem Gebäude überwintern.

Dabei wurde vor dem Abriss bereits ein Gutachten erstellt. „Die Untere Naturschutzbehörde hat bereits im Herbst 2018 darauf hingewiesen, dass bei einer möglichen geplanten Bebauung des Husarenhof-Gebietes ein Gutachten erstellt werden muss“, so die Sprecherin. Im September 2019 sei daraufhin ein solches erarbeitet worden. Dass seitdem allerdings bereits ein Jahr verstrichen ist, ist der Unteren Naturschutzbehörde zu lang. Sie fordert ein neues Gutachten. „Bis dahin sind weitere gebäudeverändernde Maßnahmen nicht möglich.“

Chef der Abrissfirma verärgert über Verzögerung

Andreas Breuer von Klixer Recycling ärgert das. „Wir sind Naturliebhaber“, sagt er, „wir haben bei uns Nistplätze gebaut und Vogeltränken verteilt“, zählt er auf. Dennoch: Für die Forderung nach einem neuen Gutachten hat er wenig Verständnis. „Das Problem ist, dass der Dachstuhl einsturzgefährdet ist“, sagt er. „Selbst wenn da Tiere drinnen sind – es dürfte niemand in das Gebäude, um diese zu bergen.“ Und außerdem: „Ich halte gerne Termine ein, liefere fristgerecht“, sagt er. „Stattdessen stehen meine Bagger nun herum.“

Es ist nicht das erste Projekt in Bautzen, das sich wegen seltener Tierarten verzögert. So liegen die Projekte der Stausee-Anlieger derzeit auf Eis, weil die seltene Zauneidechse dort vorkommt.

Am Mittwoch kommt erneut ein Gutachter

Andreas Breuer hofft aber, dass sich die Sache am Husarenhof schneller klären lässt. Für Mittwoch hat er jetzt erneut einen Termin mit einem Gutachter vereinbart. Wie es danach weitergeht, ist derzeit unklar.

Fünf Jahre lang hatte an der Husarenhof-Brandruine Stillstand geherrscht. Damals hatten die Szenen deutschlandweit für Aufsehen gesorgt: Kurz nachdem bekannt geworden war, dass in dem Gebäude eine Flüchtlingsunterkunft entstehen soll, stand das Hotel in Flammen. Schaulustige hatten damals der Polizei zufolge „unverhohlene Freude“ gezeigt und den Brand teils mit abfälligen Bemerkungen gegen Flüchtlinge kommentiert. Das Hotel blieb nach dem Feuer unbewohnbar zurück.

Grundstückseigentümer will Einkaufsgelände vergrößern

Noch immer gibt es viele ungeklärte Fragen zum Brand. Zwar stand schnell fest, dass es sich um Brandstiftung gehandelt hatte. Wer das Feuer gelegt hatte, ist aber bis heute nicht geklärt worden. 2017 schloss die Generalstaatsanwaltschaft die Akte Husarenhof.

Wenn das Gebäude abgerissen worden ist, will die Projektgesellschaft Säurich und Sassenscheidt das angrenzende Einkaufszentrum zwischen Stieberstraße, Jordanstraße und Käthe-Kollwitz-Platz erweitern. Vor allem Edeka, Rossmann und Aldi hatten immer wieder Interesse bekundet.

Der Beitrag wurde am 15. Februar um 15.10 Uhr aktualisiert.

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