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„Jede Geburt hat ihre eigenen Herausforderungen“

Christian Liebisch hat schon vielen Babys auf die Welt geholfen. Nun ist er Chefarzt der Bautzener Frauenklinik. Was ihm dabei wichtig ist – und was sich jetzt ändert.

Von Theresa Hellwig
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Christian Liebisch ist der neue Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Bautzener Krankenhaus. Erst in dieser Woche hat er der kleinen Rozalia auf die Welt geholfen.
Christian Liebisch ist der neue Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Bautzener Krankenhaus. Erst in dieser Woche hat er der kleinen Rozalia auf die Welt geholfen. © Steffen Unger

Bautzen. Die kleine Rozalia atmet ganz ruhig. Noch vor wenigen Sekunden hat sie an einem Fläschchen genuckelt – und ist dabei einfach eingeschlafen. Kein Wunder: Die ersten Stunden auf der Welt sind sicherlich anstrengend. Und das Mädchen ist ja erst einen Tag alt. Es schläft auch weiter, als seine Mutter es in die Arme von Christian Liebisch legt.

Liebisch ist der neue Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im Bautzener Krankenhaus. Und die kleine Rozalia ist eins der vielen Babys in Bautzen, denen der Mediziner schon auf die Welt geholfen hat. Wie viele es waren, das weiß er gar nicht so genau.

Rund 760 Kinder erblicken im Bautzener Krankenhaus jedes Jahr im Schnitt das Licht der Welt, also etwa zwei pro Tag. Kein Wunder, dass Christian Liebisch schon so viele Geburten miterlebt hat, dass er sie gar nicht mehr zählen kann. „Es gibt Tage, da kommen sechs Kinder zur Welt“, sagt er. „Einmal, da hatten wir drei Kaiserschnitte innerhalb von drei Stunden.“ Das seien allerdings die Ausnahmen, die sich einprägten.

Ob ihm eine Geburt besonders in Erinnerung geblieben ist? Als er seinen eigenen Kindern auf die Welt helfen konnte, sei das etwas Besonderes für ihn gewesen. Noch gut erinnert er sich daran. „Jede Geburt ist aber etwas Besonderes“, schiebt der Mediziner hinterher – und lächelt. „Die Geburtshilfe“, sagt er, „ist natürlich eine der schönsten Tätigkeiten, die wir haben.“ Eine der schönsten – und zeitgleich sein Steckenpferd.

Liebisch entschied sich bewusst für die Region

„Jede Geburt hat ihre eigenen Herausforderungen“, sagt Christian Liebisch. „Beim ersten Kind ist man vielleicht unsicher, bei einer anderen Geburt gibt es Komplikationen, wieder eine andere geht besonders schnell“, zählt er auf. Doch vor allem seien sie alle eines: eine Überraschung. Nicht planbar. „Bei mir ist es aber so: Wenn ich den Kreißsaal verlasse, dann behalte ich meine Erlebnisse für mich“, sagt er. „Ich lasse die Gedanken im Kreißsaal. Eine Geburt ist intim – ich möchte den Frauen zeigen: Das Erlebnis bleibt bei ihnen.“

Seit 2006 arbeitet Christian Liebisch als Oberarzt am Bautzener Krankenhaus, führt seit 2011 parallel seine Frauenarztpraxis in Löbau. Zurück in die Region zu kommen, das sei damals für ihn eine ganz bewusste Entscheidung gewesen. „Ich habe für mein Studium in Dresden gewohnt“, erzählt Liebisch. Doch es habe ihn wieder zurück aufs Land gezogen. „Aufgewachsen bin ich in Ebersbach-Neugersdorf“, sagt der 47-Jährige, „die Oberlausitz ist meine Heimat, ich bin hier verwurzelt und kenne die Leute.“ Als seine Frau in Bischofswerda als Zahnärztin anfangen konnte und sich für ihn die Chance ergab, bei den Oberlausitz Kliniken einzusteigen, zog die junge Familie – schon damals mit zwei Kindern – nach Bischofswerda.

Brustkrebstherapie soll ausgebaut werden

Als Christian Liebisch Anfang dieses Jahres erfuhr, dass seine Vorgängerin, Chefärztin Dr. Petra Bießlich, in den Ruhestand geht - und sie ihn fragte, ob er ihre Arbeit fortführen will -, bewarb er sich für den Chefarztposten der Frauenklinik. „Mir ist wichtig, dass die medizinische Versorgung hier sichergestellt ist“, sagt er. Den Chefarztposten übernimmt er nun in Teilzeit, um seine Praxis weiterführen zu können.

In der Frauenklinik soll ein Schwerpunkt weiter auf der Geburtshilfe liegen, aber auch die Brustkrebsbehandlung ausgebaut werden. Denn zeitgleich mit dem Beginn der Chefarzttätigkeit von Christian Liebisch ist ein neuer Arzt in die Frauenklinik gewechselt. Stefan Päßler hat bisher in der Klinik in Sebnitz gearbeitet und ist auf die Behandlung von Brustkrebserkrankungen spezialisiert. „Gemeinsam mit den Onkologen, Strahlentherapeuten, Nuklearmedizinern und niedergelassenen Haus- und Frauenärzten wollen wir nun die Brustkrebstherapie in der Region ausbauen“, sagt Christian Liebisch.

Das sei auch deshalb wichtig, weil sich die Medizin immer mehr auf zentrale Orte fokussiere. Die Schließung der Geburtenstation in Bischofswerda habe es gezeigt: Der Trend bewege sich immer mehr in diese Richtung. Die Suche nach Ärzten im ländlichen Raum wird schwieriger, die Bevölkerungszahl geht zurück – und mit ihr die Zahl der Geburten. „Die ist aber wichtig für die Routine“, sagt Liebisch. „Wir als zentraler Standort in Bautzen werden stark sein müssen“, ist er überzeugt. Darauf wolle er sich in seiner Chefarztrolle jetzt fokussieren.