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Bautzen: Auf illegaler Rampe schwer verletzt

Die künstlich angelegten Hindernisse im Humboldthain sind umstritten. Einem Bautzener Mountainbiker wurden sie zum Verhängnis.

Lars Sarré ist im Mai im Bautzener Humboldthain über eine der illegal angelegten Rampen gefahren und dabei so schwer gestürzt, dass er sich mehrere Knochen gebrochen und zwei Wochen auf der Intensivstation verbracht hat.
Lars Sarré ist im Mai im Bautzener Humboldthain über eine der illegal angelegten Rampen gefahren und dabei so schwer gestürzt, dass er sich mehrere Knochen gebrochen und zwei Wochen auf der Intensivstation verbracht hat. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Rippen und Schlüsselbein gebrochen. Brustbein angebrochen. Fünf Wirbel gerissen beziehungsweise zertrümmert. Lars Sarré beschreibt in Kurzform, welche Verletzungen er sich Mitte Mai im Bautzener Humboldthain zugezogen hat. Schutzkleidung oder einen Helm habe er an diesem Tag nicht getragen, da nur ein kleiner unspektakulärer Ausflug geplant gewesen sei.

Er war mit seinem vollgefederten E-Mountainbike einen Hügel hinab- und nach einer Kurve plötzlich auf eine Rampe zugefahren. „Ich konnte aber nicht mehr ausweichen“, sagt Lars Sarré, als er Sächsische.de den Unfallort zeigt. Die Kurve sei nicht sehr eng, aber am Rand so dicht bewachsen gewesen, dass man die Rampe vorher nicht habe sehen können.

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Nachdem Lars Sarré über die Rampe gefahren war und abhob, prallte er gegen den Baum, der links vorn zu sehen ist. Danach landete er auf dem Boden.
Nachdem Lars Sarré über die Rampe gefahren war und abhob, prallte er gegen den Baum, der links vorn zu sehen ist. Danach landete er auf dem Boden. © SZ/Uwe Soeder

„Ich hatte zwar einmal gebremst, aber trotzdem etwa 50 km/h drauf“, erzählt der 31-jährige Bautzener. Er sei dann über die Rampe gefahren, abgehoben, anschließend an einen Baum geprallt und auf dem Waldboden gelandet. Seine Freunde, mit denen er unterwegs war, hätten seine Schreie gehört, seien zu ihm geeilt, um ihm zu helfen und den Notarzt zu rufen. „Wo ich lag, weiß ich nur aus Erzählungen. Meine erste Erinnerung nach dem Unfall habe ich an den Transport im Rettungshubschrauber.“

Rampen sind zu gefährlich

Mit dem sei er in eine Dresdener Klinik gebracht worden, wo er zwei Wochen auf der Intensivstation verbracht habe. Eine Schulter und ein Teil seiner Wirbelsäule werden seitdem mit Metallplatten stabilisiert. Er sagt: „Ich finde es falsch, solche Rampen hier zu bauen. Denjenigen, die das tun, ist gar nicht bewusst, welcher Gefahr sie sich aussetzen.“

Die Stadt Bautzen hatte Anfang September auf die Rampen aufmerksam gemacht. Als Besitzerin des Humboldthains hatte sie mitgeteilt, dass solche Anlagen illegal sind, und die bislang unbekannten Initiatoren mit Aushängen vor Ort aufgefordert, die Rampen zu beseitigen. Da dies bislang ignoriert wurde, teilte die Stadtverwaltung gegenüber Sächsische.de kurze Zeit später mit, die Rampen selbst abzubauen, wenn dies die Initiatoren nicht tun.

Anfang dieser Woche waren die Rampen jedoch noch da. Sie bestehen aus aufgeschütteter und verdichteter Erde. Die größeren sind unten, kurz über dem Boden, mit dicken Ästen verstärkt.

Polizei ist nicht zuständig

Die Stadt Bautzen hatte ihr Vorgehen neben der illegalen Nutzung auch mit der Unfallgefahr begründet. Demnach sei es bislang zu mindestens zwei Unfällen im Zusammenhang mit den Rampen gekommen, „mit teils schwerwiegenden Folgen“. Einer davon dürfte der Unfall von Lars Sarré Mitte Mai sein, über den auch die Polizei informiert wurde. Diese habe dadurch von „derartigen Rampen erstmals Kenntnis erlangt“, teilt Sebastian Ulbrich, Sprecher der Polizeidirektion Görlitz, mit.

Weitere Ermittlungen oder die Suche nach möglichen Tatverdächtigen seien in dem Fall aber nicht Aufgabe der Polizei, erklärt Sebastian Ulbrich. Demnach „handelt es sich weder um eine Verkehrsstraftat noch um eine Verkehrsordnungswidrigkeit“. Es könnten allerdings Verstöße gegen das Waldgesetz oder Naturschutzvorschriften vorliegen. Daher sei die Stadt als Besitzerin des Waldes über den Sachverhalt in Kenntnis gesetzt worden.

Als Sächsische.de auf Facebook über die illegalen Rampen und die Haltung der Stadt berichtete, wurde das Thema viel diskutiert. Dabei wurde etwa die Stadt kritisiert, weil sie zu wenig für die Jugend tue und deren Engagement in diesem Fall verbiete. Zudem würde der Humboldthain seit Jahrzehnten zum Radfahren genutzt, wurde argumentiert, und es wäre besser, nach gemeinsamen Lösungen zu suchen, wenn der Bedarf nach solchen Strecken bestehe.

Bike-Parks als Alternative

Lars Sarré hat grundsätzlich Verständnis für die Rampenbauer. Die Umgebung sei sehr schön, und es gehe bei dem Sport ja auch darum, sich in der Natur zu bewegen. „Vielleicht müsste man mal jemanden durch den Humboldthain schicken, der sich anschaut, wie gut die Rampen geeignet sind.“ Er selbst sei mit seinen Freunden vor dem Unfall regelmäßig unterwegs gewesen, allerdings in Bike-Parks, also offiziellen Anlagen für Menschen, die nicht nur sanft durch den Wald radeln, sondern Hindernisse, Kurven oder Rampen überwinden wollen.

Zwischen Kamenz und Bischofswerda gibt es zum Beispiel so eine Anlage. Die Betreiber des Black Mountain Bike Parks Elstra weisen aber auf ihrer Homepage darauf hin, die verschiedenen Strecken vor dem Fahren zu besichtigen. Man unternehme alles, um Strecken und Hindernisse in einem optimalen Zustand zu halten und den Nutzern Fahrspaß und Sicherheit zu bieten. „Dennoch seid ihr angehalten, euch selbst und euer Fahrkönnen realistisch und selbstkritisch einzuschätzen. Durch Selbstüberschätzung und leichtsinniges Fahren gefährdet ihr euch und andere Nutzer.“

In Hochkirch wurde im Sommer 2018 eine Strecke eröffnet, nachdem sich Radsportler dafür eingesetzt und ein Konzept erarbeitet hatten. Die Gemeinde stellte für die öffentliche Anlage ein eigenes Grundstück zur Verfügung.

Wann Lars Sarré wieder Radfahren kann, weiß er noch nicht. Klar ist für ihn aber, dass er nicht mehr so rasant durch den Wald fahren wird. „Ich werde nur noch Wege benutzen, die ich kenne.“

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