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Junge Feuerwehrleute aus Radibor brauchen Hilfe

15 Jungen und Mädchen treten bald in der neuen Jugendfeuerwehr ihren Dienst an. Die Ausstattung für sie zu finanzieren, ist eine Herausforderung – aber eine lösbare.

Von Uwe Menschner
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Sechs von 15: Diese Jungen und Mädchen wollen bald den Dienst bei der Jugendfeuerwehr Cölln-Radibor antreten. Daniel Steglich ist einer ihrer drei Ausbilder.
Sechs von 15: Diese Jungen und Mädchen wollen bald den Dienst bei der Jugendfeuerwehr Cölln-Radibor antreten. Daniel Steglich ist einer ihrer drei Ausbilder. © Uwe Menschner

Radibor. Jette, Lucas und Magdalena sind ganz aufgeregt. Sie und die anderen Jungen und Mädchen, die sich an diesem Abend im neuen Feuerwehrgerätehaus des Radiborer Ortsteils Cölln eingefunden haben, können es kaum erwarten, endlich loszulegen. Doch auf den ersten regulären Dienst in der neu gegründeten Jugendfeuerwehr Cölln-Radibor müssen sie noch etwas warten.

Vorerst geht es nur um einen Fototermin für Sächsische.de. Immerhin dürfen die Kinder die Utensilien, die einen richtigen Feuerwehrmann oder eine Feuerwehrfrau ausmachen, schon mal in die Hand nehmen oder auf den Kopf setzen: Strahlrohre, Schläuche, Feuerlöscher und natürlich das wohl begehrteste Ausstattungsteil – den Feuerwehrhelm.

Eigene Schutzkleidung für jedes Kind

Freilich sitzt letzterer recht locker auf dem Kinderkopf, handelt es sich doch um den Helm eines erwachsenen Feuerwehrkameraden. Doch Abhilfe ist in Sicht – dafür hat Sandro Jentsch schon gesorgt: „Im Zuge einer Aktion auf der Sparkassen-Plattform '99 Funken' werben wir derzeit um Spenden für die Ausstattung unserer Jugendfeuerwehr“, erklärt der stellvertretende Gemeindewehrleiter und Standortleiter für Cölln.

Jeder und jede der 15 jungen Feuerwehrkameraden im Alter zwischen acht und 14 Jahren soll seine oder ihre eigene, individuelle Schutzkleidung bekommen – genau wie die Großen. „Der erste Diensttermin für die Kinder bestand in der Anprobe“, verrät Sandro Jentsch schmunzelnd. Schließlich sollen die Jacken, Hosen, Stiefel, Handschuhe und natürlich auch die Helme passen.

Spendenaktion brachte schon mehr als 2.600 Euro

Hinzu kommt die Feuerwehrtechnik, mit der auch die Erwachsenen hantieren – Pumpen, Strahlrohre, Schläuche – aber natürlich eine Nummer kleiner, eben kindgerecht. Dinge, an die ein Laie zunächst gar nicht denkt, werden benötigt: Besen und Schaufeln, denn schließlich muss die Feuerwehr nicht nur löschen, sondern manchmal auch Verunreinigungen oder Überbleibsel eines Unfalls beseitigen. Und natürlich Stühle, denn zum Feuerwehrdienst gehört auch die Theorie.

Es stellt sich jedoch die Frage: Wie das Ganze finanzieren? Vom Freistaat Sachsen gibt es zwar eine Pauschale für Jugendfeuerwehren, aber die reicht nicht aus. „Auf die Idee mit '99 Funken' brachte mich der Präsident des Sportvereins Kleinwelka, der auch Kamerad in unserer Feuerwehr ist“, berichtet Sandro Jentsch. „Die haben das schon erfolgreich praktiziert.“

Und auch für die Aktion zugunsten der Jugendfeuerwehr Cölln-Radibor sieht es schon ganz gut aus: Mit Stand vom 10. Januar betrug die Spendenhöhe fast 2.650 Euro und damit mehr als das Doppelte der so genannten „Fundingschwelle“: „Dabei handelt es sich um den Betrag, der unbedingt zusammenkommen muss. Wird er verfehlt, verfällt die ganze Aktion, und das Geld muss an die Spender zurückgegeben werden“, erläutert der Initiator.

Jedes Kind kann bei der Feuerwehr mitmachen

Doch diese Gefahr besteht nun nicht mehr. Für Sandro Jentsch jedoch kein Grund, sich entspannt zurückzulehnen: „Wir rühren weiter fleißig die Werbetrommel, denn jeder zusätzliche Euro hilft uns dabei, den Kindern eine möglichst umfassende Ausbildung unter bestmöglichen Bedingungen zu bieten.“ Und weiter: „Uns ist es wichtig, dass die Eltern nichts dazu bezahlen müssen. Jedes Kind aus jeder Familie kann bei der Feuerwehr mitmachen.“

Was motiviert aber die Jungen und Mädchen, sich künftig zwei Mal im Monat aufs Fahrrad zu schwingen und das Gerätehaus anzusteuern? „Ich freue mich auf die Wettkämpfe“, erklärt Lucas. „Da muss ich nicht den ganzen Tag zu Hause sitzen“, meint Magdalena. Und aus Jette sprudelt es heraus: „Ich freue mich, dass ich nicht das einzige Mädchen bin und dass mein Papa der Ausbilder ist.“

Als Erstes Zusammenhalt und Kameradschaft lernen

Daneben steht Daniel Steglich, ein Lächeln spielt um seine Lippen: Er ist Jettes Papa und einer von drei Jugendwarten, die der Jugendfeuerwehr Cölln-Radibor zur Verfügung stehen. „Wir haben die entsprechende Weiterbildung absolviert“, spricht er auch für seine beiden Kollegen. „Dabei standen besonders die pädagogischen Grundlagen für die Arbeit mit den Kindern, aber auch Themen wie die Beschaffung von Fördermitteln auf dem Programm.“

Und auch, wo die Grenzen der Kinder liegen, bekamen die drei vermittelt. Schließlich steht der Spaß im Zentrum, allerdings nicht nur: „Das Erste, was wir den Kindern vermitteln wollen, sind Zusammenhalt und Kameradschaft“, betont Sandro Jentsch. Denn nur wenn sich Einer auf den Anderen verlassen kann, wird aus der Gruppe ein richtiges Team.

Eine Warteliste für die Jugendfeuerwehr

Das, so Jentsch, ist später, wenn es zum aktiven Dienst geht, das Wichtigste von allem. Und darin besteht schließlich das Ziel: „Wir wollen uns den Nachwuchs für unsere Feuerwehr selbst heranbilden“, erklären Sandro Jentsch und Daniel Steglich. Das Potenzial ist groß, denn bei der Jugendfeuerwehr Cölln-Radibor gibt es sogar eine Warteliste: „Wir wollen aber erst einmal mit 15 Kindern starten.“

Wenn es doch endlich losginge, sagen die Augen von Magdalena, Lucas und Jette. Doch noch müssen sie sich gedulden, denn Corona macht gerade auch die Arbeit der Jugendfeuerwehr unmöglich.

Die Spendenaktion „Jugendfeuerwehr Cölln-Radibor sucht Unterstützer“ läuft noch bis zum 31. Januar. Zu finden ist sie unter www.99funken.de/jugendfeuerwehr .