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„Ich habe nicht ans Sterben gedacht“

Antonia Herde aus Bautzen hatte als Jugendliche Krebs. Am Freitag will sie in Dresden von ihrer Erkrankung berichten – und anderen Mut machen.

Antonia Herde aus Bautzen erkrankte im Alter von 17 Jahren an Krebs. Heute geht es ihr wieder gut - und sie will anderen Mut machen.
Antonia Herde aus Bautzen erkrankte im Alter von 17 Jahren an Krebs. Heute geht es ihr wieder gut - und sie will anderen Mut machen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Antonia Herde lacht, ansteckend. Sie strahlt; Freude geht von ihr aus. Und das, obwohl sie von einem eigentlich düsteren Thema spricht. Denn als sie 17 war, bekam die Bautzenerin die Diagnose: Krebs. Doch so, wie sie sich an diesem Tag zeigt, erzählt die Bautzenerin, so war sie auch damals im Krankenhaus. „Ich wollte immer ein positiver Pol für alle sein."

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Mehr durch einen Zufall, erzählt sie, ist damals Morbus Hodgkin bei ihr festgestellt worden. Im Volksmund ist die Krebsart bekannt als Lymphdrüsenkrebs. „Ich war wegen einer Schilddrüsenuntersuchung beim Arzt“, erinnert sie sich. „Das war eine Woche vor Beginn meiner Ausbildung.“ Der Arzt stellte an den Lymphknoten Auffälligkeiten fest, aber eine Biopsie ergab nichts. Also startete Antonia Herde ihre Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement.

Mitten im Unterricht bekam sie den Anruf

Ein halbes Jahr später, nach einer Kontrolluntersuchung, klingelte dann während des Schulunterrichts ihr Telefon. „Es hieß, ich solle sofort in die Notaufnahme des Krankenhauses kommen“, sagt die heute 22-Jährige. „Ich bin also aus dem Unterricht gegangen, direkt ins Krankenhaus.“ Die Ergebnisse der Untersuchungen zeigten: Krebs, bereits im zweiten Stadium.

Wirklich realisiert habe sie das Ganze in dem Moment nicht. „Ich war bis einen Tag vorher noch dreimal die Woche im Fitnessstudio“, sagt sie. Sie, krank? Das passte nicht. „Ich habe in dem Moment funktioniert, wie eine Maschine. Ich habe einfach das getan, was mir gesagt wurde“, erinnert sie sich.

Direkt in der Woche nach der Diagnose begann für Antonia Herde die Chemo-Therapie. Und auch da fiel es ihr noch schwer, so erzählt sie heute, zu begreifen, dass sie Krebs hat. „Mir ging es den Umständen entsprechend gut“, sagt sie. „Ich habe die Chemo gut weggesteckt, war etwas schwach, aber hatte kaum Nebenwirkungen.“

Eines Morgens lagen die Haare im Bett

Zu realisieren begann sie, als die Haare ausfielen. „Ich bin eines Morgens aufgewacht, da lagen die Haare im Bett“, sagt sie. „Ich habe dann direkt nach einem Rasierer gefragt.“ Fast, so empfand sie es, war dieser Moment eine Erleichterung. „Ich wusste ja, dass das irgendwann auf mich zukommt.“

Etwa fünf Monate lang bekam Antonia Herde die Chemotherapie, verteilt auf drei Blöcke. Ihren 18. Geburtstag feierte sie anders als viele andere in dem Alter. Zwar war sie zu dieser Zeit nicht im Krankenhaus, sondern zwischen zwei Chemotherapie-Blöcken zuhause. Aber statt einer großen Party mit vielen Freunden gab es ein Fest in der Familie. „Klar hat man da vorher vielleicht eine andere Vorstellung“, sagt sie. „Aber ich bin durch die Erkrankung auch reifer geworden. Ich habe gemerkt, wer meine richtigen Freunde sind – und dass ich nicht jedes Wochenende eine Party brauche.“

Ein anderes Mädchen mit der selben Diagnose starb

Antonia Herde blieb positiv. „Ich habe nicht ans Sterben gedacht“, sagt sie. So, als ob das eben einfach keine Option gewesen sei – obwohl sie wusste, dass ihre Krankheit nicht ungefährlich ist. „Ich wollte nicht in eine Depression verfallen“, sagt sie. „Ich war stattdessen diejenige, die sich über den Krankenhausflur hinweg mit den anderen unterhalten hat, als wir wegen der Chemotherapie nicht den Raum verlassen durften."

Trotz allem: Schwierige Momente gab es natürlich auch. Recht zeitnah nach ihrer Diagnose starb auf der Station ein Mädchen, das die selbe Krebsform hatte wie sie. Ein anderes Mädchen aus Hoyerswerda, mit der sie sich angefreundet hat, hatte schlimmere Nebenwirkungen als sie. Das ging ihr nahe. Und auch die Sache mit den Haaren – so positiv sie das auch nahm. Dass in diesen Momenten jemand da war, dass die Psychologen vom Verein Sonnenstrahl mit ihr sprachen, half ihr.

Die schwierige Zeit kam nach der Erkrankung

Die wirklich schwierige Phase, die kam aber erst später, erzählt die junge Frau. „Als ich geheilt war, habe ich eine rote Schleife an meinen Infusionsständer bekommen“, sagt sie. „Das ist das Zeichen, dass man wieder gesund ist.“ Dann wartete draußen wieder der Alltag auf die damals 18-Jährige. „Zwei Wochen nach der Entlassung aus dem Krankenhaus habe ich direkt mit der Wiedereingliederung begonnen, bin wieder alleine in meine Wohnung nach Dresden gezogen“, sagt sie. „Das war ein Fehler.“

Viel Zeit zum Nachdenken wartete in der eigenen Wohnung auf sie. Und die Wiedereingliederung lief auch nicht so lässig, wie gedacht. „Das war alles zu viel. Ich war überfordert, musste erst einmal wieder lernen, meinen Alltag zu organisieren“, erinnert sie sich. Manchmal habe sie auf der Arbeit einfach so angefangen zu weinen, aus heiterem Himmel.

Benefizkonzert für den Sonnenstrahl-Verein

Auch in dieser schwierigen Zeit fand Antonia Herde Hilfe beim Verein Sonnenstrahl. Der Verein steht erkrankten Kindern, den Eltern oder auch Geschwistern zur Seite. Gibt den Familien soziale, psychologische oder auch finanzielle Unterstützung. Und bietet spezielle Therapien an, wie Reit-, Musik-, Kunst- oder Spieltherapie. In der Zeit nach der Erkrankung, als Antonia Herde begann, zu verarbeiten, fand sie mit den Psychologen vom Verein gemeinsam Strategien, die Probleme zu bewältigen.

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Etwas, was sie nun gerne auch ein Stück weit zurückgeben möchte. Mit anderen ehemaligen Erkrankten möchte sie Kinder und Jugendliche aufheitern, ihnen von ihren eigenen Erfahrungen berichten. Bald in einer neuen Gruppe – und jetzt zunächst, an diesem Freitag, bei einem Benefizkonzert für den Verein Sonnenstrahl. Das findet am 16. Juli ab 19 Uhr in der Kreuzkirche in Dresden statt. Auch dort wird Antonia Herde ihre Geschichte erzählen – und anderen Mut machen.

Spendenkonto: Ostsächsische Sparkasse Dresden

IBAN: DE82 8505 0300 3120 1134 32

BIC: OSDDDE81XXX

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