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So schön ist die Neschwitzer Kirche jetzt

In den vergangenen sechs Monaten wurden das Dach und die Fassade des Kirchenschiffs erneuert. Etwas ist allerdings noch zu erledigen.

Von Uwe Menschner
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Pfarrerin Susanne Aechtner freut sich über das nach der Sanierung wieder makellose Erscheinungsbild der Neschwitzer Kirche.
Pfarrerin Susanne Aechtner freut sich über das nach der Sanierung wieder makellose Erscheinungsbild der Neschwitzer Kirche. © Uwe Menschner

Neschwitz. In leuchtendem Gelb präsentiert sich seit Kurzem wieder das Schiff der Neschwitzer Kirche. Auch das Dach zeigt keine Spur mehr von den Ereignissen im März 2019. Damals riss ein Sturm auf der Nordseite, nahe am Übergang zum Turm, mehrere Ziegel vom Dach und hinterließ ein großes Loch. „Doch auch darüber hinaus hatte der Zahn der Zeit seine Spuren an Dach und Fassade hinterlassen“, blickt die Neschwitzer Pfarrerin Susanne Aechtner zurück.

Wer sich ein wenig mit Heimatgeschichte auskennt, denkt im Zusammenhang mit der Neschwitzer Kirche unweigerlich an das Jahr 2009, als in einer einzigartigen Aktion die zum Kriegsende zerschossene Turmhaube wieder aufgebaut wurde. Jahrzehntelang hatte eine Notabdeckung das Bild des Gotteshauses geprägt, junge Neschwitzer kannten gar keinen anderen Anblick. Umso größer war die Freude, als im Oktober 2009 das große Werk vollendet wurde und die neu geschaffene Haube ihren Platz an der Turmspitze einnahm. Die ganze Region nahm damals daran Anteil.

Hohe Spendenbereitschaft ermöglicht Sanierung

„Mit dieser Aktion kann man die jetzt beendete Sanierung natürlich nicht vergleichen, vor allem was die Außenwirkung betrifft“, sagt Pfarrerin Susanne Aechtner. Und doch gibt es einige bemerkenswerte Parallelen. Damals wie heute trugen Spenden zu einem nicht unerheblichen Teil zum Gelingen des Werkes bei. 67.000 Euro beträgt die Summe, welche die Kirchgemeinde für die Sanierung selbst aufbringen musste. 200.000 Euro kamen aus der Leader-Förderung für den ländlichen Raum, 100.000 Euro steuerte die Landeskirche bei. Ergibt zusammen die stolze Summe von 367.000 Euro.

„In diesem Kostenrahmen sind wir auch geblieben“, freut sich die Pfarrerin. In Zeiten ständig steigender Bau- und Materialpreise gilt das längst nicht mehr als selbstverständlich. Die im Vergleich zu 2009 unverändert hohe Spendenbereitschaft zeigt laut Susanne Aechtner, „dass sich die Menschen hier mit ihrer Kirche identifizieren und dazu beitragen wollen, dass sie erhalten bleibt“.

Bei näherer Betrachtung offenbart sich von außen zunächst die bereits erwähnte strahlend gelbe Farbe der Fassade, die an einigen Stellen durch Sgraffiti – Wandzeichnungen -, die an regelmäßig geformte Ziegelsteine erinnern, aufgelockert wird. In einer Fensterleibung kann man Schriftzeichen erkennen, die bei der Sanierung freigelegt wurden und an dieser Stelle sichtbar bleiben sollen.

Bessere Bedingungen für Rollstuhlfahrer

Die Neschwitzer Kirche stammt in ihrer heutigen Form vom Beginn des 17. Jahrhunderts, ihren Turm erhielt sie allerdings erst 1693. Auch Fenster und Türen wurden in die Sanierung einbezogen, nicht weil sie es unbedingt nötig gehabt hätten, aber die günstige Gelegenheit sollte gleich genutzt werden.

Der Zugang ins Innere der Kirche auf der so genannten Bäckerseite erweckt noch den Eindruck einer Baustelle: „Hier sind wir tatsächlich noch nicht ganz fertig“, sagt Susanne Aechtner. „Wir wollen noch den Fußboden etwas anheben, um weitgehende Barrierefreiheit zu erreichen. Das wird uns aber nicht ganz gelingen, da immer ein Kompromiss mit dem Denkmalschutz gefunden werden muss. Doch im Ergebnis wird man gut mit dem Rollstuhl in die Kirche gelangen können.“ Der etwas kurios anmutende Name Bäckerseite, auf der auch das Bäckertor steht, entstand tatsächlich dadurch, dass der Dorfbäcker einst von dieser Seite her in die Kirche kam.

Doch zurück ins Innere der Kirche, wo ein gut ausgebauter Zugang auf den Dachboden führt. „Ab 1947 bestand die Dachdeckung zunächst aus Reet, also aus getrocknetem Schilf. Erst in den 1960er-Jahren kamen die Ziegel oben drauf, seitdem haben sie dort gelegen und waren nunmehr reif für die Erneuerung“, erklärt Pfarrerin Susanne Aechtner. Stürme hinterließen mehrere Schäden verschiedenen Ausmaßes, von denen der eingangs erwähnte von 2019 nur den größten und sichtbarsten bildete.

Verschiedene Vögel finden Unterschlupf

Bei der Erneuerung des Daches spielten Naturschutzbelange eine wichtige Rolle, stellt doch die Neschwitzer Kirche – wie so viele Gotteshäuser – einen beliebten Unterschlupf für Vögel dar. Dem wird mit Einflugschlitzen in den Gauben und zahlreichen Nistkästen Rechnung getragen. Der Dachstuhl wurde „so weit wie nötig“ repariert, eine Folie sorgt jetzt für bessere Dichtheit.

Nach der Sanierung des Kirchenschiffes zeigt sich umso deutlicher, dass die Erneuerung des Turms nun auch schon wieder ein paar Jahre zurückliegt: „Da machen wir jetzt aber so schnell nichts“, betont Susanne Aechtner. Die letzte Innensanierung erfolgte 1993, auch hier bestehe kein unmittelbarer Handlungsbedarf. Das Pfarrhaus muss „irgendwann mal“ erneuert werden. „Wir können die Hilfsbereitschaft unserer Gemeindeglieder auch nicht überstrapazieren“, weiß die Pfarrerin.

Da es auch kirchenpolitische Änderungen gibt - Neschwitz bildet künftig zusammen mit fünf weiteren Kirchgemeinden das Kirchspiel Milkel, dessen Leitung Susanne Aechtner zunächst übernimmt -, wird das Gemeindeleben auch ohne große Baumaßnahme ganz gewiss nicht langweilig.