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Königswartha: Straße durchs Gewerbegebiet ist wieder frei

Der Ausbau der Eutricher Straße ist abgeschlossen. Die Maßnahme erwies sich als höchst kompliziert - und sie wurde viel teurer als geplant.

Von Uwe Menschner
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Der Ausbau der Eutricher Straße in Königswartha ist abgeschlossen, kostete die Gemeinde jedoch mehr als geplant.
Der Ausbau der Eutricher Straße in Königswartha ist abgeschlossen, kostete die Gemeinde jedoch mehr als geplant. © Uwe Menschner

Königswartha. Seit Kurzem ist die Eutricher Straße, die in Königswartha durch das Gewerbegebiet führt, wieder frei. Dennoch wird Bürgermeister Swen Nowotny (CDU)wohl noch lange an dieses Bauvorhaben zurückdenken: 1,2 Millionen Euro waren ursprünglich für den Ausbau der etwa einen Kilometer langen Straße geplant, 1,9 Millionen Euro sind es am Ende geworden. Das sorgte in der Gemeinde auch für Diskussionen.

„Im Juli mussten wir im Gemeinderat die Erhöhung beschließen“, blickt der Bürgermeister zurück. Und erläutert: „Daran waren weniger die Materialpreise schuld. Vielmehr lag die Kostensteigerung an den Überraschungen, die im Untergrund auf uns warteten und zu Veränderungen in der Planung führten.“

Kritiker bemängeln, die Gemeinde hätte eine gründlichere Untersuchung des Baugrunds veranlassen müssen. Schließlich sei ja bekannt, dass sich das Gewerbegebiet auf dem Gelände einer früheren Munitionsfabrik befindet. Laut Swen Nowotny entsprachen die Gutachten dem, was für eine solche Baumaßnahme gefordert und üblich sei: „Mehr können wir gar nicht leisten, da wir mit den Planungskosten in Vorleistung gehen.“

Aushub war stark mit Schadstoffen belastet

Erschwerend sei hinzugekommen, dass es kaum brauchbare Unterlagen gab: „Es lässt sich leicht nachvollziehen, dass aufgrund der militärischen Nutzung in der Vergangenheit größte Geheimhaltung über die Verhältnisse auf dem Areal geübt wurde.“ Und so musste dann die Baugrube tiefer ausgehoben werden, als ursprünglich geplant. Dadurch funktionierte die zunächst vorgesehene halbseitige Sperrung nicht, stattdessen musste die Straße voll gesperrt werden. Dies wiederum machte den Bau von zwei Ersatzzufahrten erforderlich, damit alle Firmen im Gewerbegebiet erreichbar blieben.

Einen großen Anteil an den zusätzlichen Kosten verursachte laut Nowotny auch die Schadstoffbelastung des Erdaushubs: „Das Gutachten war hauptsächlich von Kupfer ausgegangen. Stattdessen wies der Boden dann eine hohe Belastung mit PAK – als besonders schädlich geltenden Kunststoffen – auf und musste daher auf einer Deponie entsorgt werden“, beschreibt Swen Nowotny das Problem.

Geld fehlt an anderer Stelle in der Gemeinde

Dass der Aushub ständig auf Reste von Kampfmitteln untersucht werden musste, kam außerdem noch hinzu: „Dabei kamen fast nur kleine Munitionsteile zum Vorschein. Die Nazis hatten die Munitionsfabrik selbst noch vor dem Anrücken der Roten Armee gesprengt.“ Stromführende Kabel, die auf keinem Plan verzeichnet waren, ließen die Detektoren verrücktspielen. So erfolgte die Suche schließlich durch das Aussieben von Hand.

Alles andere als ein normales Straßenbauvorhaben also – aber auch ein sehr wichtiges. Schließlich haben sich im Königswarthaer Gewerbegebiet 30 Firmen angesiedelt, die über 350 Arbeitsplätze verfügen. Bereits zuvor hatte die Gemeinde Königswartha die Straßenbeleuchtung erneuern lassen. „Eine Alternative zur Fertigstellung gab es nicht“, betont Swen Nowotny.

Doch wo nimmt man plötzlich zusätzlich 700.000 Euro her? „Wir konnten diese Summe glücklicherweise aus dem Haushalt abdecken. Das fällt uns nicht leicht, denn das Geld fehlt an anderer Stelle.“ Hinsichtlich einer Nachförderung befinde sich die Gemeinde noch in Verhandlungen und habe auch schon „positive Signale“ erhalten. Das Fazit des Bürgermeisters: „Wir kommen hier wohl mit einem blauen Auge davon.“