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Kornmarkt-Center: Drei Geschäfte bauen um

Ein Trauring-Automat beim Juwelier, neue Bänke im Eiscafé und Geheimnisvolles beim Modehändler - was sich in Bautzens größtem Einkaufszentrum verändert.

Ivo Scholze nutzt den Lockdown, um das Uhren- und Schmuckgeschäft Scholze im Bautzener Kornmarkt-Center umzubauen.
Ivo Scholze nutzt den Lockdown, um das Uhren- und Schmuckgeschäft Scholze im Bautzener Kornmarkt-Center umzubauen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Verschlossene Türen, Rolläden runter, kein Licht an – so präsentieren sich die Läden wegen des Lockdowns derzeit nicht nur in Bautzen. Vier Geschäfte im Kornmarkt-Center durchlaufen gerade ein Insolvenzverfahren. Und doch: Nicht hinter allen verschlossenen Türen stauben gerade Regale ein oder ist das Licht seit Wochen ausgeschaltet.

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Wer zum Beispiel einen Blick in das Juweliergeschäft Scholze im Bautzener Kornmarkt-Center wirft, der sieht zuweilen Geschäftsführer Ivo Scholze auf einer Leiter stehen oder in einer Ecke vor einem Regal knien. So auch an diesem Tag. Kabel liegen in dem Geschäft herum, Schaukästen stehen mitten im Raum an unüblichen Orten, Leisten liegen auf dem Tresen, Rollen mit Klebeband warten auf ihren Einsatz. Was hier passiert?

Ringauswahl wird komfortabler

Ivo Scholze nutzt den Lockdown – und baut um. „Wir haben schon im ersten Lockdown gestrichen, sind aber nicht fertig geworden“, erzählt der Juwelier. Nun stehen in seinem Geschäft auch neue Glasvitrinen, es hängen neue Leuchtkästen an der Wand. Statt mit Halogenlampen wird sein Geschäft nun mit LED beleuchtet. „Wir wollen etwas mehr an die Umwelt denken, Strom sparen“, erklärt Ivo Scholze.

Besonders stolz ist er auf das, was sich rechts in der Ecke des Ladens befindet. Er deutet auf Kästen, in denen goldene Ringe zu sehen sind. „Wir haben den Trauring-Bereich komplett erneuert“, erklärt er. „Früher mussten die Beraterinnen die Ringe per Hand aus den Schubladen und Kästen kramen, jetzt läuft das alles voll automatisiert.“ An einem Bildschirm können die Ringe je nach Wunsch auch selbst modelliert werden. Also: Soll der Ring matt oder glänzend sein? Gold, rosé, silber? Mit oder ohne Stein? Das war zwar auch vorher schon möglich – auf einem Tablet. Über die größeren Bildschirme soll es aber gehen und besser zu erkennen sein.

Scholze will gewappnet sein, wenn er wieder öffnen darf

Es ist nicht der einzige Umbau, mit dem Ivo Scholze derzeit beschäftigt ist. Auch im Dresdener Elbepark und in Görlitz werkelt er in seinen Geschäften. Ein Umbau – in einer Zeit, in der vonseiten der meisten Händler vor allem die Klage über die hohen Umsatzeinbußen zu hören ist. Wie klappt das für ihn? Ivo Scholze atmet kurz hörbar durch.

„Wir sind schon seit 20 Jahren im Kornmarkt-Center und mussten nun ohnehin modernisieren“, sagt er. Dennoch: Es sei keine einfache Entscheidung gewesen; die Umsatzeinbußen angesichts des Lockdowns spürt schließlich auch der Juwelier. „Das Wasser steht wirklich allen bis zum Halse“, sagt er. Lange habe er mit seiner Familie darüber diskutiert, ob dies jetzt der richtige Weg sei. „Aber man sagt ja: Schiffe werden bei Ebbe gebaut, damit sie segeln können, wenn die Flut kommt“, so Scholze. „Wir investieren jetzt, damit wir gewappnet sind, wenn wir wieder öffnen dürfen.“ Sicher – das könne „auch in die Hose gehen“.

Facelift für New Yorker: Auch das Modegeschäft im Kornmarkt-Center wird umgebaut. Wie genau, verrät New Yorker aber noch nicht.
Facelift für New Yorker: Auch das Modegeschäft im Kornmarkt-Center wird umgebaut. Wie genau, verrät New Yorker aber noch nicht. © SZ/Uwe Soeder

Dennoch ist Ivo Scholze nicht der einzige im Center, der gerade zum Werkzeug greift. Insgesamt drei Geschäfte sind es laut Kornmarkt-Center-Manager Christian Polkow.

Die Baustellenscheinwerfer und Leitern sind von Weitem zu sehen: Auch in der oberen Etage tut sich etwas. Auch New Yorker baut um. Die Pressestelle der Modekette verrät noch nichts. Christian Polkow sagt nur, dass der Umbau ohnehin geplant war – und nun vorgezogen worden ist.

Aber auch gegenüber von New Yorker bewegt sich etwas: im Eiscafé Italia von Gianluca Esposito. „Wir sind schon fast fertig mit dem Umbau“, sagt er. „Wir wollten einen ganz neuen Stil. Wir haben eine neue Wandfarbe, neue Stühle, neue Bänke. Nur die Eisbecher bleiben gleich“, sagt er und lacht. „Und die Eis-Truhe – die ist nämlich sehr teuer.“

Neue Möbel, neue Deko, neue Wandfarbe: Christiane und Carlotta Esposito (links im Bild) sitzen mit Filialleiterin Sabine Schönbach im frisch umgebauten Eiscafé Italia im Kornmarkt-Center in Bautzen schon mal Probe - und hoffen, dass bald wieder geöffnet w
Neue Möbel, neue Deko, neue Wandfarbe: Christiane und Carlotta Esposito (links im Bild) sitzen mit Filialleiterin Sabine Schönbach im frisch umgebauten Eiscafé Italia im Kornmarkt-Center in Bautzen schon mal Probe - und hoffen, dass bald wieder geöffnet w © SZ/Uwe Soeder

Schon im ersten Lockdown habe Gianluca Esposito darüber nachgedacht, umzubauen. „Aber ich habe mich da nicht getraut, Geld auszugeben – das war mir alles zu unsicher.“ Allerdings habe er dann im September und im Oktober guten Umsatz gemacht. „Ich glaube, die Leute haben uns vermisst“, sagt er. „Ich habe mit der Regierung telefoniert, wie es weitergeht. Ob wir noch einmal Hilfe bekommen. Dann habe ich mich mit dem Steuerberater zusammengesetzt, und wir haben gerechnet“, erinnert sich Esposito. Er sei dann zu dem Fazit gekommen, dass er mehr Verluste mache, wenn er noch weiter abwarte – und im Zweifel für Umbauarbeiten noch einmal schließen müsse, wenn er doch eigentlich öffnen dürfte. Und: Er wollte nicht mehr jammern, sagt er. Er wollte machen.

Denn noch zu Beginn der Pandemie hatte Gianluca Esposito gegenüber Sächsische.de seine Sorge kundgetan. Heute klingt er fröhlicher. Oder, wie er es nennt: „dankbar!“ Er verstehe nicht, weshalb viele Leute meckern. Sicher, es gebe sie, diejenigen, die durch das Raster fallen. Nicht so Gianluca Esposito. Und na klar, 2020 war ganz sicher nicht sein bestes Jahr. „In einem anderen Land wäre ich aber sicher längst pleite“, ist Gianluca Esposito überzeugt. Er möchte jetzt auf das Positive blicken. Und erklärt: „Hier wurde mir geholfen.“

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